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Zirkel, Winkelmaß und das Kreuz. Freimaurerei und christlicher Glaube

13.11.2017 11:52

Von jeher umweht die Freimaurer der Hauch des Geheimnisvollen: verborgene Rituale, geheime Gesten, rätselhafte Symbole und die Aura des Verbotenen. Seit 1738 gilt bis heute unverändert: Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist aufgrund prinzipieller und unüberwindlicher Gegensätze ausgeschlossen.
Worin bestehen aber diese schwerwiegenden Gegensätze? Welche Ziele haben die Logen? Wie deuten sie die Welt und worin sehen sie den Sinn des Lebens? Wie stehen sie zum Christentum?
Durch seriöse Information und Gespräche sollten Divergenzen, aber auch – womöglich unbegründete – Vorurteile beleuchtet und hinterfragt werden.

Hier Nachdenkliches und Offizielles zu diesem Studientag

 

 

Zirkel, Winkelmaß und das Kreuz. Freimaurerei und christlicher Glaube

Nachdenkliches zu einem Studientag

Am 11.11.2017 haben sich mehr als 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Studientag über das Verhältnis von "Freimaurerei und christlichem Glauben" informiert. Sie nahmen aufschlussreiche Einblicke in Geschichte und Alltag der Freimaurerei und erlebten engagierte Diskussionen über prinzipielle Gegensätze zur freimaurerischen Gesinnung aus evangelischer und katholischer Perspektive.

 

Kirchenrat Dr. Matthias Pöhlmann, landeskirchlicher Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, referierte als profunder Kenner der Freimaurerlogen in Deutschland. Sein Buch "Verschwiegene Männer. Freimaurer in Deutschland" (5. Aufl. Berlin 2011) bietet eine verständliche und ausführliche Darstellung unter Berücksichtigung der verschiedenen Strömungen innerhalb der Freimaurerei.

 

Aus der engen Verbindung des Freimaurertums zur europäischen Aufklärung resultieren die religionskritischen bis religionsfeindlichen Grundeinstellungen vieler Logen. Jedweder Glaubenssatz wird von den Freimaurern prinzipiell abgelehnt. Es gibt nur ein Dogma: dass es kein Dogma gibt! Ihrer Selbstauskunft zufolge sind die Freimaurer ein Leben lang bestrebt, sich in Harmonie mit gleichgesinnten Brüdern persönlich weiterzuentwickeln, – geleitet von einem wie auch immer gebildeten Gewissen. Auf diese Weise wollen sie beitragen zu einer säkular-humanistisch strukturierten Gesellschaft. Weder Erziehung noch karitatives Engagement sind Aufgabe der Loge. Frauen ist (mit Ausnahme einiger weniger, zum Teil von den anderen nicht anerkannten Logen) die Aufnahme grundsätzlich verwehrt. Männer müssen in gesetztem Alter und von tadellosem Ruf sein, um Aufnahme zu finden.

Ihre Rituale halten die Freimaurer streng geheim. Soweit bekannt sind diese durchsetzt mit verschlüsselter Symbolik und bunt gemischten Inhalten, die sich aus Elementen mittelalterlicher Dombauhütten, christlicher Tradition, gnostischer Strömungen und alchimistischer wie esoterischer Schriften speisen. Nicht der Geheimhaltung unterliegt demgegenüber die Verpflichtung der Freimaurer auf sogenannte 'Tempelarbeit'; diese ist in verschiedenen Graden (Lehrling, Geselle, Meister), gewöhnlicher Weise im 'Logenhaus', zu leisten.

 

Von Anfang an war die Haltung der römisch-katholischen Kirche gegenüber der Freimaurerei eindeutig ablehnend: Bereits 1738 erließ Papst Clemens XII. eine Anordnung ('Bulle'), welche die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge mit Kirchenstrafe (Exkommunikation) belegte. Vor allem die religiöse Indifferenz der Freimaurer und ihre Geheimbündelei bildeten Steine des Anstoßes.

Andere Eindrücke könnte womöglich ein Blick in die sogenannte 'Lichtenauer Erklärung' erwecken, die am 5.7.1970 unterzeichnet wurde; sie ist Gesprächsergebnis zwischen katholischen Geistlichen und Freimaurern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allerdings ist festzuhalten: Dieser Text erfuhr zu keinem Zeitpunkt eine kirchliche Anerkennung. Ganz anders ist es um die offizielle Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz bestellt, welche das autorisierte Ergebnis eines von 1974 bis 1980 andauernden Gesprächsprozesses zwischen Freimaurern und Vertretern der katholischen Kirche darstellt und zu folgendem Ergebnis kommt: "Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt. Eine Zugehörigkeit stellt die Grundlagen der christlichen Existenz in Frage. Die eingehenden Untersuchungen der freimaurerischen Ritualien und der freimaurerischen Wesensart, wie auch ihres heutigen unveränderten Selbstverständnisses machen deutlich: Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist ausgeschlossen."

 So gilt nach katholischem Verständnis auch heute verbindlich: "Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen." (Kongregation für die Glaubenslehre: Urteil der Kirche unverändert, 26.11.1983)

Im Wesentlichen liegen die Gründe für dieses eindeutige Urteil der katholischen Kirche (1) im Gottesverständnis, (2) im Wahrheitsverständnis, (3) im schrankenlosen Optimismus bezüglich der Selbstvervollkommnungsfähigkeit des Menschen, (4) im dezidierten Relativismus und (5) im uneingeschränkten Subjektivismus des Freimaurertums jedweder Obedienz. 

Im Einzelnen:

Zu (1): Wo der Freimaurer von einem Gott ausgeht, der die Welt zwar geschaffen, aber sich dann aus ihr zurückgezogen hat (Deismus), glaubt der Christ an den dreieinen Gott, der die Welt erschaffen hat, sich zu ihrer Erlösung in sie hineinbegeben hat und sie bis zu ihrer Vollendung stärkend und orientierend begleitet.

Zu (2): Wo der Freimaurer davon überzeugt ist, dass Wahrheit nicht erkannt werden kann, ist der Christ davon überzeugt, dass uns die end-gültige Wahrheit von Gott geoffenbart worden ist, insbesondere durch seine Menschwerdung in Gestalt des Sohnes.

Zu (3): Wo der Freimaurer der Überzeugung ist, dass der Mensch (Mann) sich selbst durch ein ihn legitimierendes Gewissen ethisch und charakterlich vervollkommnen kann, ist der Christ im Glauben gewiss, dass die Erlösung allen Menschen unabhängig von Geschlecht, Stand oder Charakterbildung als gnadenhaftes Geschenk Gottes zugedacht und uns das Gewissen für den Weg durch die Zeit als orientierende und korrigierende Instanz geschenkt worden ist.

Zu (4): Wo der Freimaurer jenseits seiner Bindung 'auf Leben und Tod' an die Loge jedwede Religion oder Weltanschauung als gleich-gültig oder belanglos betrachtet, ist der Christ der gläubigen Überzeugung, dass der Satz des johanneischen Jesus für ihn end-gültige Bedeutung hat: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich." (Joh 14,6)

Zu (5): Wo sich der Freimaurer auf sich allein gestellt versteht und nur aus sich heraus mit Gleichgesinnten den Weg durchs Leben bahnen muss, weiß sich der Christ durch die Taufe unwiderruflich mit Christus und allen, die auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft sind, so eng verbunden, dass er in allen Lebenslagen auf die Hilfe und den Beistand des dreifaltigen Gottes wie seiner Kirche vertrauen darf.

 

Gerda Riedl