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Häufig wiederkehrende Anfragen an die Stabsstelle "Kirchenrecht"

Die angeführten Fragen und Antworten sind eine Auswahl von Anfragen, die häufiger an die Stabsstelle "Kirchenrecht" gerichtet werden. Die Stabsstelle "Kirchenrecht" wurde von S.E. Bischof Konrad Zdarsa mit Wirkung zum 01.03.2017 eingerichtet und untersteht der Leitung von Domvikar Msgr. Dr. iur. can. Ernst Freiherr von Castell. Wenn Sie in verwaltungsrechtlichen Fragen Rat suchen, erreichen Sie die Stabsstelle unter den Kontaktdaten:

 

 

Stabsstelle "Kirchenrecht"
Domvikar Msgr. Dr. iur. can. Ernst Freiherr von Castell
Fronhof 4
86152 Augsburg
Tel. 0821/3166-8310
Fax 0821/3166-8319
E-Mail: stabsstelle-kirchenrecht@bistum-augsburg.de

 

  

 

Fragen speziell zum Ehenichtigkeitsverfahren finden Sie hier.

 

 

Kann ein Kind getauft werden, wenn ein/beide Elternteil/e nicht katholisch ist/sind?

Grundsätzlich haben die Eltern, auch wenn sie selbst nicht römisch-katholisch sind, das Recht, die Taufe ihres Kindes zu erbitten, sofern dieses noch nicht gültig getauft wurde. Es ist jedoch zu beachten, dass die katholische Erziehung des Kindes gewährleistet sein muss.

Sind nun beide Elternteile nicht Glieder der römisch-katholischen Kirche, ist eine Taufe vorerst nicht möglich, es sei denn, ein katholischer Pate ist vorhanden.

Copyright: Martin Manigatterer
Copyright: Martin Manigatterer

Dieser muss zudem im engen Familienumfeld des Kindes verwurzelt sein (z.B. Pflegeeltern, im Haus wohnende Großeltern). Der Pate muss die Verpflichtung wahrnehmen, dass das Kind eine katholische Erziehung erhält und er begleitet das Kind auf seinem weiteren Glaubensweg. 

Ist ein Elternteil katholisch, der andere Teil aber nicht, dann kann das Kind getauft werden, da der katholische Elternteil die entsprechende katholische Erziehung gewährleistet. 

 

Kann ein Kind einfach getauft werden, wenn ein Elternteil gegen die Taufe ist?

Das kirchliche Recht verlangt für eine erlaubte Spendung der Taufe die Zustimmung der Eltern oder wenigstens eines Elternteils, bzw. einer Person, die sorgeberechtigt ist (c. 868 §1 n. 1 CIC). Das staatliche Recht hingegen verlangt die Zustimmung beider Elternteile, vorausgesetzt beide sind sorgeberechtigt.

Aus diesem Grund wird eine Taufe, die nur von einem Elternteil angemeldet wird, nicht ohne weiteres gespendet! Die Zustimmung des zweiten Elternteils - sollte dieser z. B. aufgrund einer Sorgeerklärung (§ 1626a Abs. 1 BGB) sorgeberechtigt sein - ist zuvor schriftlich einzuholen.

Verweigert ein sorgeberechtigter Elternteil seine Zustimmung, darf die Taufe erst angenommen werden, wenn entweder eine positive Entscheidung des Familiengerichts bezüglich des Religionsbestimmungsrechtes vorliegt (§ 1628 BGB), oder der Elternteil seine Meinung ändert und der Taufe zustimmt.

Sollte der Elternteil, der gegen die Taufe ist, in keiner Form sorgeberechtigt sein, dann liegt die elterliche Sorge allein bei der Mutter des Kindes (§ 1626a Abs. 3 BGB).

 

Unser Wunschkandidat für den Tauf-/Firmpaten ist aus der Kirche ausgetreten. Kann er dennoch Pate sein?

Der Kirchenaustritt stellt einen Akt der willentlichen Distanzierung von der Kirche dar. Egal aus welchen Gründen eine Person ihren Kirchenaustritt erklärt, sie verstößt damit immer gegen ihre Pflicht, die Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren und ihren finanziellen Beitrag zu leisten, damit die Kirche ihre Aufgaben erfüllen kann.

Aus diesem Grund erließ die Deutsche Bischofskonferenz am 20.09.2012 das Allgemeine Dekret zum Kirchenaustritt. Gemäß diesem Dekret kann ein ausgetretener Katholik weder Tauf- noch Firmpaten sein. Diese Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz steht auch im Einklang mit den Bestimmungen des kirchlichen Rechts, welches fordert, dass ein Pate ein Leben führen muss, dass dem Glauben un dem zu übernehmenden Dienst entsprichen (c. 874 § 1 n. 3 CIC).

 

Unser Wunschkandidat für den Tauf-/Firmpaten ist evangelisch. Ist es möglich, dass er Pate wird?

Copyright: Michael Bogedein
Copyright: Michael Bogedein

Da der Pate das Kind in seinem Glaubensweg als katholischer Christ begleiten soll und zugleich bei der Taufe/Firmung Repräsentant der römisch-katholischen Kirche ist, verlangt es die römisch-katholische Kirche evangelischen Christen nicht ab, diese Verpflichtung gegen ihren eigenen Glauben zu übernehmen. Dies geschieht im Respekt vor der evangelischen Kirche und ihrem differenzierten Glaubens- und Sakramentenverständnis.

Dennoch besteht, aufgrund der ökumenischen Bestrebungen der vergangenen Jahrzehnte, die Möglichkeit, dass evangelische Christen als Taufzeugen fungieren können, wenn zugleich ein römisch-katholischer Pate benannt ist (Nr. 98a Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus).

 

Wir finden für unser Kind keinen Tauf-/Firmpaten! Kann es jetzt überhaupt getauft/gefirmt werden?

Das Kirchenrecht schreibt nicht vor, dass ein Pate für die Gültigkeit der Taufe/Firmung benannt sein muss (c. 872 CIC). Das Kind kann auch ohne Pate die Taufe/Firmung empfangen. Ihm entstehen daraus für spätere Sakramente (z.B. Eheschließung, Priesterweihe) keinerlei Nachteile.

 

Ich will mich als Erwachsener taufen lassen. Was muss ich tun?

Die Taufe von Erwachsenen gehört zu den frühesten und bedeutendsten Kerntraditionen der Kirche und unterliegt auch heute noch besonderen Bestimmungen. Zuerst sollten Sie ihren zuständigen Heimatpfarrer informieren, dass Sie die Taufe empfangen wollen.

Nach einer Überprüfung des Bischöflichen Ordinariates Augsburg werden Sie in einem feierlichen Gottesdienst vom H.H. Bischof in die Reihe der Katechumenen (Taufbewerber) aufgenommen.

Es schließt sich ca. ein Jahr Katechumenat an, während dessen Sie eingeführt werden in den Glauben und die Lehre der katholischen Kirche. Anschließend können Sie Taufe, Firmung und Eucharistie in einem eigenen Gottesdienst empfangen, entweder durch den H.H. Bischof oder in ihrer Heimatgemeinde durch den zuständigen Pfarrer.

 

Kann mein Kind einfach in die römisch-katholische Kirche konvertieren, wenn ich das will?

Es kommt immer wieder vor, dass Eltern, die selbst nicht römisch-katholisch sind, darum bitten, dass ihr Kind in die römisch-katholische Kirche konvertieren darf. Hierzu ist zu sagen, dass eine Konversion, auch wenn beide Elternteile nicht römisch-katholisch sind, möglich ist, vorausgesetzt dass die katholische Erziehung des Kindes gesichert wird. Dies muss durch einen Paten gewährleistet werden, der sehr eng mit dem Kind in Beziehung steht (z.B. Pflegeeltern, im Haus wohnende Großeltern).

Natürlich sind in einem solchen Fall auch die Motive der Bitte um Konversion zu hinterfragen. Warum wollen beispielsweise Eltern, bei denen ein Teil evangelisch-freikirchlich, der andere Mormone ist, dass ihr Kind Glied der katholischen Kirche wird? In den katechetischen Gesprächen, die vor einer Konversion mit einem Veratnwortlichen stattfinden, soll das auf jeden Fall angesprochen werden.

Sind die Eltern des Kindes getrennt und möchte ein Elternteil nicht, dass das Kind konvertiert, dann darf die Konversion nicht vorgenommen werden, bzw. benötigt der andere Elternteil einen positiven Beschluss des Familiengerichtes bezüglich des Religionsbestimmungsrechts des Kindes (§§ 1626a + 1628 BGB). 

 

Kann ein orthodoxer Christ einfach in die römisch-katholische Kirche konvertieren?

Die orthodoxe Kirche ist eine Kirche, deren Struktur äußerst komplex und eng mit dem Land ihrer jeweiligen Entstehung verbunden ist. Aus diesem Grund haben sich im Laufe der Zeit viele unterschiedliche orthodoxe "Rituskirchen" herausgebildet (z.B. syrisch-orthodox, rumänisch-orthodox, georgisch-orthodox, russisch-orthodox usw.). Will ein orthodoxer Christ in die römisch-katholische Kirche konvertieren, dann bestünden hierzu zwei Möglichkeiten:

 

  1. Konvertiert der orthodoxe Christ "einfach", wird er automatisch dem katholischem Pendant seiner Rituskirche zugeschrieben (z.B. syrisch-orthodox --> syrisch-katholisch)
  2. Der orthodoxe Christ kann ein Gesuch an den Bischof von Augsburg formulieren, in dem er darum bittet, in die römisch-katholische Kirche (= Lateinische Ritusfamilie) aufgenommen zu werden und seine Gründe darlegen, warum er dies will (z.B. weil er eine neue geistige Heimat in seiner römisch-katholischen Ortskirche gefunden hat). Das Gesuch, sowie ein gesondertes Votum des Bischofs werden anschließend nach Rom an die Kongregation für die orientalischen Kirchen gesandt, die für die Konversion einen entsprechende Erlaubnis geben muss.

 

Diese Unterscheidung und die Anfrage an die Kongregation für die orientalischen Kirchen, trägt der Würde und dem Respekt der römsisch-katholischen Kirche vor den orientalischen Kirchen Rechnung. Häufig sind die orientalischen Kirchen um vieles kleiner, als die römisch-katholische Kirche. Ihnen soll nicht einfach die Gläubigen abspenstig gemacht werden.

 

Ist es möglich, dass wir unsere Hochzeit in der katholischen Kirche feiern, auch wenn ein evangelischer Geistlicher uns traut?

 

Copyright: Klaus Herzog
Copyright: Klaus Herzog

Nein, das ist nicht möglich. Eine katholische Kirche oder Kapelle ist ein spezieller Raum, der unter der Leitung eines katholischen Amtsträgers für den katholischen Gottesdienst und die Spendung der Sakramente vorgesehen und entsprechend geweiht ist. In diesen Gebäuden dürfen grundsätzlich nur katholische sakramentale und gottesdienstliche Handlungen vorgenommen werden (cc. 1205 + 1214 + 1219 CIC).

Da für die katholische Kirche die Ehe ein Sakrament darstellt, fällt auch die Eheschließung unter diese Bestimmungen. Für die Form des Sakramentes ist vorgeschrieben, dass es vor einem katholischen Priester (ggf. auch vor einem Diakon) stattfindet (c. 1108 CIC). Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, dass eine katholische Kirche für eine Trauung zur Verfügung gestellt wird, bei der kein katholischer Priester dem Gottesdienst vorsteht.

 

Mein Partner war bereits standesamtlich verheiratet. Ist das ein Problem, wenn wir nun kirchlich heiraten wollen?

Eine Vorehe, sei sie standesamtlich oder kirchlich, muss auf alle Fälle vor einer (erneuten) Heirat von der zuständigen kirchlichen Behörde geprüft werden. Weisen Sie ihren zuständigen Pfarrer/ das zuständige Pfarrbüro unbedingt bereits vor der Anmeldung der Eheschließung darauf hin, dass Sie oder ihr Partner bereits verheiratet waren. Bevor die Frage der Gültigkeit der Vorehe nicht geklärt wurde, kann kein verbindlicher Termin für eine kirchliche Eheschließung gegeben werden!

 

Gibt es statt einer kirchlichen Trauung auch eine Art Segnungsfeier für Paare, bei denen ein oder beide Partner schon einmal verheiratet war/waren?

Nein, zur gültig geschlossenen Ehe gibt es in der katholischen Kirche keine Alternative. Entsprechend kann ein katholischer Amtsträger auch keine Segnung von Paaren vornehmen, bei denen ein oder beide Partner bereits schon einmal verheiratet waren.

Wenn Sie eine kirchliche Eheschließung möchten, vorher aber bereits verheiratet gewesen sind, dann wenden Sie sich an das Bischöfliche Konsistorium und lassen Sie sich einen Beratungstermin geben um zuprüfen, ob in ihrem Fall evtl. ein Ehenichtigkeitsverfahren möglich wäre.

 

Mein Partner ist ungetauft. Können wir jetzt überhaupt kirchlich heiraten?

Ja, das können Sie. Man spricht hier von einer "religionsverschiedenen Eheschließung", d.h. ein Partner ist römisch-katholisch, der andere Partner wurde nie (gültig) getauft. Mögliche Konstellationen wären beispielsweise, wenn ein Partner römisch-katholisch, der andere Ungetauft, Muslim, Hindu, Mormone etc. ist.

In einem solchen Fall muss der Pfarrer, der mit Ihnen das Ehevorbereitungsprotokoll ausfüllt, dieses mit der Bitte um Dispens vom Ehehindernis der Religionsverschiedenheit (c. 1086 §1 CIC) an das Bischöfliche Ordinariat schicken. Wurde vom Bischöflichen Ordinariat die Dispens gewährt, ist eine Eheschließung möglich.

 

Alle Bilder von: pfarrbriefservice.de