Besondere Verfahren zur Auflösung des Ehebandes

Bei diesen Verfahren handelt es sich um die Auflösung des Ehebandes, d.h. es besteht eine gültige Ehe, jedoch kann diese zu Gunsten des Glaubens vom Papst aufgelöst werden. Die Basis dieser Verfahren ist, dass es sich nicht um eine volle, sakramentale Ehe handelt, also um eine Ehe, an der immer ein ungetaufter Partner beteiligt war.

Einen besonderen Platz nimmt hier das Nichtvollzugsverfahren ein, das auch geführt werden kann, wenn beide Partner bei der Eheschließung getauft waren. Hierbei geht es um die Feststellung des geschlechtlichen Vollzugs der Ehe. Dieser macht eine Ehe erst unauflöslich.

 

 

Das „Privilegium Petrinum“

Copyright: Bernhard Riedl

Es erfolgt ein Eheabschluss zwischen einem Getauften und einem Ungetauften. Beide trennen sich nach einiger Zeit wieder, lassen sich scheiden und lernen nach einiger Zeit einen neuen Partner kennen, den sie gerne heiraten würden. Die neue Beziehung, in der sich die Betroffenen ggf. befinden, war nicht der Grund für das Scheitern der Ehe.

Beispiel: Die evangelische Johanna lernt den ungetauften Franz kennen. Sie heiraten, nach einigen Jahren jedoch geht ihre Ehe in die Brüche. Sie lassen sich staatlich scheiden, kurz darauf lernt Johanna den katholischen Marcel kennen. Johanna wendet sich an das zuständige kirchliche Gericht mit der Bitte, ihre Ehe mit Franz zu Gunsten Marcels zu lösen.

 

 

Das „Privilegium Paulinum“

Es erfolgt eine Eheabschluss zwischen zwei Ungetauften („nicht sakramentale Ehe“). Einer der beiden empfängt die Taufe. Der weiterhin ungetaufte Partner will das eheliche Leben nicht mehr mit dem Getauften fortführen und trennt sich. Beide Partner gehen auseinander, lassen sich scheiden und lernen wieder einen neuen Partner kennen. Der Getaufte Partner will nun eine neue Ehe mit einem Katholiken eingehen.

Beispiel: Susanne und Jörg, beide ungetauft, schließen miteinander die Ehe. Nach einigen Gesprächen mit Pfarrer Luchs entscheidet sich Susanne dazu, sich taufen zu lassen. Sie wird katholisch, was bei Jörg, der bekennender Atheist ist, für einen Sturm der Entrüstung sorgt. Er will auf keinen Fall weiter mit einer Katholikin verheiratet sein, geschweige denn ihren Glauben akzeptieren. Beide trennen sich. Einige Zeit später lernt Susanne den ebenfalls katholischen Michael kennen. Beide wollen heiraten.

 

 

Das Nichtvollzugsverfahren

Die Ehe an sich ist formal gültig geschlossen worden (vor dem Pfarrer und zwei Zeugen). Nach der Eheschließung findet zwischen den Ehepartnern aus irgendeinem Grund keinerlei sexueller Kontakt mehr statt (die Ehe wurde „nicht vollzogen“). Sie trennen sich und möchten nun ihren neuen Partner wieder kirchlich heiraten.

Beispiel: Jonas ist Berufssoldat bei der Bundeswehr. Bevor er in einen Auslandseinsatz geschickt wird, beschließen seine Freundin Christina und er zu heiraten. Bereits am Tag nach der Trauung muss Jonas abreisen, beide waren von der Trauung und der Hochzeitsfeier so geschafft, dass es in der Hochzeitsnacht zu keinem Geschlechtsverkehr kam. Als Jonas nach 6 Monaten wieder zurückkam, konfrontierte ihn Christina damit, dass sie einen anderen Mann kennengelernt habe, bereits aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei und die Scheidung wolle. Nach der Eheschließung hatten beide keinerlei sexuellen Kontakt mehr miteinander.