Synodaler Prozess 2021-2023

     

„Machen wir uns auf den Weg!“
Einladung des Bischofs zur Beteiligung am synodalen Prozess der Weltkirche

  

Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder,

seit wir Katholiken in Deutschland uns im Herbst 2019 auf den „Synodalen Weg“ einließen, haben auch andere Bischofskonferenzen u.a. Irland und Australien ähnliche Prozesse angestoßen.
Schließlich hat Papst Franziskus im Mai dieses Jahres einen gesamtkirchlichen „Camino sinodale“- „Synodalen Weg“ angekündigt, der in mehreren Schritten in eine Bischofssynode 2023 münden wird. Anfang September wurden das Vorbereitungsdokument und ein Vademecum dazu gleichzeitig in mehreren Sprachen veröffentlicht.

Am 9./10. Oktober 2021 eröffnete der Hl. Vater selbst die Synode mit einer Ansprache und einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom. Dabei lud er alle Gläubigen ein, sich geistlich auf den Weg zu machen, denn „Gott wohnt nicht an isolierten Orten, an ruhigen Orten, weit weg von der Realität, sondern geht mit uns und erreicht uns dort, wo immer wir sind, auf den manchmal holprigen Straßen des Lebens.“ (Predigt am 10. Okt. 2021)
Als Ihr Bischof gebe ich diese Einladung gerne an Sie weiter und möchte Sie ermutigen, sich als Weggefährten des Glaubens auszutauschen: im Familien- und Freundeskreis, unter Arbeitskollegen und in der Freizeit, auf Pfarreiebene, in Bibelkreisen, im Pfarrgemeinderat und Pastoralrat sowie auf Diözesanebene in Verbänden, Berufsgruppen und im Diözesanrat. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich der Weggemeinschaft in der Nachfolge Christi wieder neu bewusst zu werden!

Bild: Bernhard Schweßinger in Pfarrbriefservice.de

Dabei können Sie sich für entsprechende biblische Szenen entscheiden, wie sie zahlreich im Vorbereitungsdokument (VD 17-21; 22-24) genannt sind, sich die Ansprache und die Predigt des Papstes vornehmen oder anhand der Themenbereiche, die das vatikanische Vorbereitungsdokument anbietet, miteinander ins Gespräch kommen. Schon beim Lesen wird deutlich: Fragen in solcher Fülle kann man nicht im stillen Kämmerlein beantworten. Da braucht es ein Gegenüber und evtl. jemanden, der den Zusammenhang erläutert. Die Fragen sollen auch nicht „abgearbeitet“ werden, sondern dienen als Anregung und Geländer. Bereits die Beschäftigung mit einem Aspekt bzw. einer Einzelfrage kann bereichernd und ermutigend sein.

Nicht die Quantität des Gesprächs ist entscheidend, sondern die Qualität - ja, dass wir überhaupt miteinander reden!
Viele Menschen sind in den letzten Monaten aufgrund der Pandemiesituation extrem vereinsamt. Nehmen wir neu unseren Mitmenschen, innerhalb und außerhalb der Kirche, in den Blick: Es wurde und wird immer noch viel darüber geklagt, wie sehr wir uns schwertun, selbst vertraute Menschen ‚hinter der Maske‘ zu erkennen. Fassen wir uns deshalb ein Herz und suchen wir den Kontakt zu unseren Wohnungs-, Zimmer-, Tisch- und Banknachbarn und machen wir uns gegenseitig bewusst, dass wir als Zeitgenoss/innen auch gemeinsam Gestalter/innen unserer Welt sind. Wir sind einander (griech. syn-) auf dem Weg (griech. -odos) geschenkt, als Weggefährten und Wegbegleiterinnen!

In der vergangenen Woche habe ich mit dem Priesterrat und dem Diözesanrat eine synodale Übung gemacht, um diese beiden Gremien ganz praktisch auf das geistliche Experiment einzustimmen. Damit auch Ihnen der Zugang zu den einschlägigen Texten erleichtert wird, sind die wichtigsten unten zum Download bereitgestellt. Diese Liste wird bis zum Beginn der Bischofssynode 2023 sukzessive erweitert, so dass Sie sich ohne langes Suchen hier orientieren können. Darüber hinaus finden Sie Anregungen für Gesprächsformate beim Bischöflichen Seelsorgeamt und haben schließlich die Möglichkeit, falls Sie es möchten, unter der E-Mailadresse ha2-seelsorge@bistum-augsburg.de bis zum 08. April 2022 auch eine schriftliche inhaltliche Rückmeldung in Stichpunkten (max. 2 Seiten) zu geben.

Bis August 2022 wird dann der synodale Prozess auf der Ebene der nationalen Bischofskonferenzen fortgesetzt und zieht so nach und nach immer größere Kreise.
In der Predigt vom 10. Oktober 2021 äußert Papst Franziskus seine Überzeugung, dass „Begegnen, Zuhören, Unterscheiden“ die zentralen Schritte zu einem guten Miteinander sind. Denn sie setzen unwillkürlich einen Wandlungs-, ja einen Reifungsprozess in Gang: „Wenn wir in den Dialog eintreten, stellen wir uns selbst in Frage, wir machen uns auf den Weg, und am Ende sind wir nicht mehr dieselben wie vorher, wir haben uns verändert.“

Brechen wir also auf, zusammen mit dem Hl. Vater, mit den Katholiken in aller Welt, um als kirchliche Gemeinschaft zu wachsen in Glaube, Hoffnung und Liebe!
  
Dazu begleite uns alle der Segen des allmächtigen und allgütigen Gottes, + des Vaters, + des Sohnes und + des Heiligen Geistes
  
Ihr
+ Bertram
Dr. Bertram Meier
Bischof von Augsburg

   

Zusatzmaterial

    

Dokumente

Papst Franziskus: Ansprache zur 50-Jahrfeier der Errichtung der Bischofssynode (17. Oktober 2015)

  

Audio

  

Links

Vatikan startet weltweiten synodalen Prozess (katholisch.de)
Kardinal Grech: Synodalität ist mehr als "ein Tick des Papstes" (katholisch.de)
Papst eröffnet Weltsynode: Alle sollen teilnehmen (katholisch.de)
Weltsynode gestartet: Auf dem Weg zu einer Kirche, die anders ist (katholisch.de)

https://www.dbk.de/themen/bischofssynode-synodale-kirche-2021-2023 (Deutsche Bischofskonferenz)