Häufig vorkommende Ehenichtigkeitsgründe

Die hier angesprochenen Ehenichtigkeitsgründe sind eine Auswahl, die keine Vollständigkeit beansprucht.

Es ist v.a. darauf hinzuweisen, dass ein ausführliches Beratungsgespräch nötig ist, um festzustellen, ob einer der angegebenen Gründe bei der Eheschließung vorgelegen hat. Sollten Sie einen Termin für ein Beratungsgespräch brauchen, dann melden Sie sich telefonisch bei unserer Dienststelle.

 

 

Eheschließungsunfähigkeit (c. 1095 nn. 1 + 2 CIC)

Bei Nr.1 handelt es sich um die Eheschließungsunfähigkeit aufgrund eines Mangels an Vernunftgebrauch. Merkmal dieses Mangels ist, dass  zum Zeitpunkt der Eheschließung, eine offensichtliche psychische Erkrankung vorliegt (z.B. Psychosen, Schizophrenie usw.), die ggf. bereits diagnostiziert ist. Die geistigen Fähigkeiten unterliegen einer Störung (z.B. in Folge von Drogeneinfluss, Alkohol, Schock usw.). Die betroffene Person ist zwar bei der Eheschließung anwesend, jedoch nicht fähig, Sinn, Zweck und Ziel einer christlichen Ehe zu erfassen und auf die eigene Person zu beziehen.

Beispiel: Inge war schon als Kind immer wieder psychisch auffällig. Vor ihrer Eheschließung erlitt sie eine Phase, in der sie nicht Herr über sich selbst war. Nach der Heirat wird bei ihr eine schizophrene Erkrankung festgestellt, die bereits vor der Eheschließung vorlag.

Paul freut sich schon seit Monaten auf seinen Junggesellenabschied. Unglückliche Umstände führen dazu, dass dieser am Vormittag vor der Trauung stattfinden muss. Da Paul dies als einmaliges Ereignis sieht, feiert er mit seinen Freunden feuchtfröhlich und steht im Anschluss mit einem Vollrausch vor dem Traualtar.

 

Bei Nr. 2 handelt es sich um die Eheschließungsunfähigkeit aufgrund eines Mangels an Urteilsvermögen. Es fehlt ein kritisches Verständnis und die innere Entscheidungsfreiheit für die Übernahme wesentlicher ehelicher Pflichten. Die innere Freiheit des Betroffenen beim Eheabschluss ist dermaßen eingeschränkt, dass er bei der Trauung gar nicht „Nein“ sagen konnte. Der Betroffene ist nicht fähig, sich mit wesentliche Elementen der Ehe (z.B. Treue, Unauflöslichkeit) kritisch auseinanderzusetzen und diese auf die eigene Person zu beziehen. Die Ursachen für diesen Grund liegen meist in (traumatschen) Erfahrungen in der Kindheit.

Beispiel: Helmuth wurde von seinen Eltern moralisch äußerst streng erzogen. Dennoch lässt er sich auf einer Party von Barbara zum Geschlechtsverkehr verführen. In Helmuth bilden sich moralische Gewissensbisse, welche er einzig und allein durch eine Eheschließung mit Barbara kurieren zu können glaubt. Er heiratet Barbara, obwohl er gar nicht will, allein wegen seiner moralischen Ausnahmesituation.

 

 

Eheführungsunfähigkeit (c. 1095 n. 3 CIC)

Der Betroffene ist nicht fähig, wesentliche Pflichten der Ehe zu übernehmen (z.B. Treue zu halten, sich um das Wohl des Ehegatten zu sorgen). Der Grund für diese Unfähigkeit liegt im psychischen Bereich (z.B. Nymphomanie, Sadismus, Homosexualität u.ä.). Entscheidend ist, dass der Betroffene aufgrund seines psychologischen Profils gar nicht in der Lage ist, eine Ehe so zu leben, wie sie von der katholischen Kirche vorgesehen ist.

Beispiel: Michael bemerkt in seiner Jugend, dass er sich mehr zu Männern als zu Frauen hingezogen fühlt. Da er sich in seinem Dorf nicht zu seiner latenten Homosexualität bekennen kann, hofft er, dass eine Ehe mit Klara diese verdrängt. In der Ehe jedoch fühlt er sich weiterhin zu Männer hingezogen. Klara ist für ihn keine Partnerin mehr, sondern nur eine Freundin.

 

 

Die Partialsimulation (c. 1101 §2 CIC)

Der katholische Ehebegriff besteht aus bestimmten Wesenselementen und –eigenschaften, die nicht ausgeschlossen werden dürfen (Treue, Unauflöslichkeit, Nachkommenschaft). Der Betroffene schließt bei einer Partialsimulation bewusst und gewollt eines dieser Elemente und Eigenschaften aus. Wichtig hierbei ist, dass es sich um einen Willensakt des Betroffenen handelt.

Beispiel: Karl ist unsicher, ob Nicole seine Frau fürs Leben ist. Aber er will es versuchen und sich scheiden lassen, wenn die Ehe schiefgehen sollte. So kann er sich die Option für eine neue Ehe offen lassen.

Manuela kann nicht verstehen, wie Frauen eine Schwangerschaft über sich ergehen lassen können. Für sie ist völlig klar, dass sie das niemals mitmachen will. Sie schließt Kinder grundsätzlich aus.

Schon vor seiner Ehe mit Daniela hatte der Vertreter Jochen auf seinen Reisen sexuelle Beziehungen zu verschiedenen Freundinnen. Diese Beziehungen will er auch nach seiner Heirat mit Daniela nicht ernsthaft aufgeben.

 

 

Arglistige Täuschung (c. 1098 CIC)

Der Partner wird vom anderen bewusst und gewollt in einer persönlichen Eigenschaft getäuscht, die das eheliche Zusammenleben schwer stören kann (z.B. absichtliche Verschweigen einer schweren, ansteckenden Krankheit). Das Ziel dieses Verschweigens ist es einzig und allein, den Partner zur Eheschließung zu bewegen. Würde der Partner von der Eigenschaft wissen, dann würde er den Anderen nicht heiraten. Daum verschweigt dieser die Eigenschaft in der Absicht, die Ehe einzugehen. Die arglistige Täuschung kann auch durch eine Dritte Person geschehen.

Beispiel: Oft hat Isolde vor der Heirat von Kindern geträumt, und Helmuth hat ihr stumm beigepflichtet. Als Isolde während der Ehe nicht schwanger wird, gesteht Helmuth ihr, dass er steril sei und keine Kinder zeugen könne. Das wusste er zwar schon vor der Ehe, er hat es aber Isolde bewusst verschwiegen, weil er fürchtete, dass sie sich sonst von ihm trennen würde.

 

 

Furcht und Zwang (c. 1103 CIC)

Die Furcht muss von außen durch Dritte eingeflößt werden, sie muss schwer sein (d.h. sie muss geeignet sein, den Betroffenen immens unter Druck zu setzen) und sie muss die Ursache für die Eheschließung sein (d.h. die Furch vor dem angedrohten Übel schließt eine andere Option als die Eheschließung aus). Der Zwang muss ebenso von außen zugefügt werden und muss so schwer sein, dass der Betroffene sich der Eheschließung nicht widersetzen kann. Eine besondere Art des Zwangs ist der sog. Ehrfurchtszwang, welcher in einem Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Betroffenen und demjenigen, der den Zwang ausübt, grundgelegt ist (z.B. starke Einflussnahme der Eltern auf die Eheschließung).

Beispiel: Paul und Veronika sind seit langem ein Paar. Als Veronika schwanger wird, droht sie, sich umzubringen, wenn Paul sie nicht heiraten würde. Eigentlich will Paul gar nicht heiraten, aber er sieht keinen anderen Ausweg als die Ehe mit Veronika.

Johannes hat ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter. Als diese sehr krank wird, teilt sie Johannes mit, dass es ihr letzter großer Wunsch wäre, dass er und seine langjährige Freundin Irina endliche heiraten. Dies sei das letzte, was sie sich auf Erden wünsche. Johannes gerät, da er seiner Mutter diese Bitte nicht abschlagen kann, unter immensen Druck und heiratet Irina, ohne es überhaupt zu wollen, allein seiner Mutter zu liebe.