Palmsonntag

Mit dem Palmsonntag bricht die „Heilige Woche“ an; dem Volksmund freilich ist die Bezeichnung „Karwoche“ weit geläufiger. Die Feier des Einzugs Jesu in Jerusalem steht dabei zunächst im Mittelpunkt (vgl. GL 302,1). Alle Anhänger Jesu lobten damals Gott – wie wir im heutigen Evangelium hören – und riefen mit Blick auf Jesus: »Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!« (Lk 19,38). Zur Vergegenwärtigung dieses damaligen Einzugs ziehen noch heute die Gläubigen zusammen mit ihrem Priester oder Bischof in feierlicher Prozession in die Kirche ein.

Beim Evangelisten Johannes ist außerdem nachzulesen, dass die Einwohner Jerusalems Jesus mit Palmzweigen in den Händen zujubeln – daher der Name des heutigen Sonntags (vgl. Joh 12,13) – und so ihren Glauben zum Ausdruck bringen: Jesus ist der von Gott gesandte Retter für sein Volk. Selbst der – ach, wie oft so volkstümlich gestaltete! – Ritt auf einem Esel ist für den Kenner des Alten Testaments ein unüberhörbarer Hinweis auf dieses Königtum Jesu, stellt doch der Esel nichts anders dar als das traditionelle Reittier der davidischen Königsfamilie (vgl. 2 Sam 16,2). Und deshalb heißt es auch beim Propheten Sacharja: »Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin« (Sach 9,9).

Doch damit jene Gottesherrschaft anbrechen kann, die beim Einzug Jesu in Jerusalem erwartet und gefeiert wird, müssen sich Menschen – durch das Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn – erst mit Gott versöhnen lassen. Daher ist schon heute (zum ersten Mal in der Karwoche) das Passions-Thema berührt: Anstelle des Evangeliums wird den Gläubigen während der hl. Messe die Leidensgeschichte Jesu nach dem Evangelisten Lukas vorgetragen (Lesejahr C), – beginnend beim letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern über seine Hinrichtung bis hin zu seinem Begräbnis.