„Dem Leben zum Leben verhelfen“Ordensverantwortliche stellen sich aktuellen Herausforderungen
Zwei wichtige Themenschwerpunkte standen bei der Frühjahrskonferenz der Ordensoberen in der Diözese Augsburg im Mittelpunkt: zum einen ging es um „Wertearbeit“, also die Weitergabe der handlungsleitenden Überzeugungen an weltliche Mitarbeiter in den ordenseigenen Einrichtungen. Der Nachmittag widmete sich der Frage, wie die Gemeinschaften dem Auftrag, Fürsorge für ihre altgewordenen Mitglieder zu übernehmen, gerecht werden können. Organisiert und begleitet wurde die Tagung im Exerzitienhaus in Leitershofen vom Ordensreferat der Diözese, Ordensreferent Pfarrer Dr. Ulrich Lindl und seinem Team Pater Tobias Merkt, Schwester Veronika Häusler und Diakon Andreas Martin.
Bewegte Zeiten fordern die Orden als Träger von sozialen Einrichtungen heraus: es ist notwendig, das eigene Charisma und seine prägende Kraft für den Dienst an den Menschen ins Wort zu bringen und es so an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben. Schwester Rosa Maria Dick, Generaloberin der Barmherzigen Schwestern in München referierte zur Wertevermittlung und zeigte erprobte Zugänge auf. Wertevermittlung ist immer Überzeugungsarbeit. „Wir geben Werte am überzeugendsten weiter, indem wir sie selbst leben“, betonte Pfarrer Lindl als Grundansart für eine gelingende Wertearbeit. Schwester Katharina Wildenauer von der St. Josefskongregation in Ursberg, Schwester Marianne Willjung und Schwester Clara Mende von den Dillinger Franziskanerinnen sowie Schwester M. Veronika Häusler von den Barmherzigen Schwestern in Augsburg trugen dazu in Statements konkrete Beispiele und Erfahrungen aus ihren Einrichtungen bei.
Nicht weniger aktuell war der zweite Themenschwerpunkt: wie lässt es sich „daheim“ in der Ordensgemeinschaft gut alt werden? Große Gemeinschaften, wie die Franziskanerinnen der St Josefskongreagtion mit 95 Schwestern, von denen 70 mit einem Altersdurchschnitt von 79,6 Jahren in Ursberg leben, organisieren ihre Pflegeplätze mit 10 weltlichen Fachkräften selbst, berichtete dazu Schwester Katharina Wildenauer. Auch die Benediktinerabtei von St. Ottilien, führte Pater Tobias Merkt aus, haben eine eigene Krankenabteilung mit 16 Zimmern, die heute im Gegensatz zu früher fremde Hilfe bei der Pflege benötige; Nachtwache und Sterbebegleitung leisten die Mönche selber. Engagiert zeigte Schwester Pulcheria Lenz von den Franziskanerinnen von Maria Stern ihren Dienst an den alten und kranken Mitschwestern auf. Eine gut organisierte Einrichtung helfe beim Abbau von Ängsten. Zentrales Anliegen sei der Erhalt der Persönlichkeit jeder Schwester und die Wahrung ihrer Selbständigkeit und Würde. Mit der Aufnahme von Mitgliedern aus kleineren anderen Orden unterstützen sich Gemeinschaften gegenseitig. Auch im Zusammenleben mit anderen alten Menschen in einem Caritasheim können Schwestern noch eine sinnvolle Aufgabe erfahren, berichtete dazu eine Schwester aus ihrer Erfahrung.
Zum Abschluss der Oberenkonferenz dankte Pfarrer Dr. Lindl, der Ende März seine Tätigkeit als Ordensreferent an Domvikar Andreas Miesen übergeben wird, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Den Ordensgemeinschaften sagte er ein herzliches „Vergelt‘s Gott“ für ihr vielfältiges, segensreiches Wirken im Bistum Augsburg.
Bericht: Anne-Marie Wiedemann
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Pfarrer Ulrich Lindl leitete die Frühjahrs-Oberenkonferenz im Exerzitienhaus Leitershofen