Gegenwärtig im Hier und Heute
„Ohne Wandel keine Zukunft“ – so forderte die Regionalleiterin der Missionarinnen Deutschland/Österreich, Sr. Christine Rod, die Teilnehmenden an der Frühjahrskonferenz der Ordensoberen der Diözese Augsburg, heraus. Über 70 Ordensoberinnen und Ordensobere waren im Exezitienhaus Leitershofen zusammen gekommen.
Zunächst begrüßte Ordensreferent Pfarrer Dr. Ulrich Lindl die Teilnehmenden und schlug in seinem Eingangsreferat die Brücke zum Herbsttreffen, in dem es um die Frage einer „Spiritualität des Alters“ gegangen war. Seine Frage, wie Ordenschristen im Einklang mit ihrer Berufung leben könnten, führte in das Thema dieser Tagung ein: es braucht neben dem Blick auf die älter gewordenen Ordensmitglieder auch Brücken, die Generationen verbinden –auch und gerade in Ordensgemeinschaften. Brücke führen zu Lösungen zusammen.
Sr. Christine Rod MC, die 10 Jahre Studienleiterin im Bereich Ordensentwicklung im Kardinal-König-Haus in Wien gewesen war und auch nach ihre Wahl zur Regionalleiterin 2013 in diesem Bereich aktiv ist, unternahm zuerst eine realitätsnahe Situationsbeschreibung, die auf breite Zustimmung stieß.
Ausgehend von der Überzeugung, dass es Ordensleute heute mitten in der Welt braucht, beleuchtete sie unterschiedliche Phänomene, die diese Überzeugung anfragen. Durch die Veränderung aufgrund der Altersstruktur und den Strukturwandel in den ordenseigenen Einrichtungen könne ein Gefühl der Bedeutungslosigkeit entstehen, einen Art „kollektive Kränkung“. Diese gilt es auszuhalten, ihr nicht durch Ausflüchte in die Geschichte, an andere Orte oder in selbst erlebte frühere Zeiten auszuweichen: „Die Menschen interessiert Ihr Hier und Heute“ stellte Sr. Christine fest.
Dabei sollten die Orden der Tatsache stellen, dass das Ordensleben in der jetzigen Form in Europa tatsächlich zu Ende gehen könnte. Diese Möglichkeit wird befördert, wenn sich die Ordensleute dem Wandel verweigern: „Abwehren oder Erleiden nimmt alle Gestaltungskraft!“ Vielmehr ist es Aufgabe der Kirche und damit auch der Orden, die grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzungen, die unsere Zeit kennzeichnen, in Solidarität mit den Menschen zu tragen, wie es die französischen Bischöfe in ihrer Schrift „Proposer la foi“ bereits 1999 erläutert hatten.
Entgegenwirken sollen die Orden der Tatsache, dass seit ca. 30 Jahren die Ordensleute mehr und mehr aus der Sichtbarkeit verschwunden sind: durch Eintritt in die Rente, aufgrund von Rückzug aus Wirkungsstätten. An Beispielen aus ihrer eigenen Gemeinschaft zeigte sie auf, wie es gehen kann, altersgemäß und zeitgemäß kleine Zellen von Schwestern mitten unter den Menschen zu errichten und damit der Tendenz zur Zentralisierung, die auch nach innen eng und arm machen kann, entgegenzuwirken.
Dazu kommt der Appell, Lebensformen nach Alter zu differenzieren. „Erst differenzieren, dann integrieren“ formulierte Sr. Christine aus ihrer langjährigen Erfahrung als Ordensentwicklerin. Ziel sei es, dass „die Alten alt und die Jungen Jung sein dürfen“. Dies entspricht auch der jeweiligen Lebensaufgabe in den Lebensphasen und ermöglicht ein „Gegenwärtigsein im eigenen Leben.“
„Wo können wir antreffbar sein?“ Diese Frage führt zur Antwort, wo die Ordensleute im Hier und Heute ihre Sendung wahrnehmen können: einen Beitrag dazu zu leisten, dass ein Unterschied erfahrbar wird, dass die Welt gerechter und menschlicher wird. Diesen „Unterschied“ hat Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Vita Consecrata vor Augen gestellt: „Je mehr man Christus gelichförmig ist, umso gegenwärtiger und wirksamer macht man ihn in der Welt zum Heil der Menschen.“ (VC §72).
Im Anschluss gab der Offizial der Diözese Augsburg, Dr. Ernst Freiherr von Castell, hilfreich Hinweise auf Anfragen der Ordensoberen. Raphael Schadt, Mitarbeiter der Dialogplattform „Credoonline“ stellte den aktuellen Entwicklungsstand des Projektes kurz dar und erläuterte verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten für die Ordensgemeinschaften.
Sowohl in der Eucharistiefeier am Mittag als auch bei der abschließenden Vesper fanden die Fragen und die Erkenntnisse des Tages Raum im gemeinsamen Gebet.