Telefonseelsorge veröffentlicht Jahresbericht
Augsburg (pba). Im Jubiläumsjahr ihres 50. Bestehens sind die Zahlen der Ökumenischen Telefonseelsorge 2025 erneut auf hohem Niveau geblieben. So wurden fast 12.700 Beratungsgespräche im Laufe des vergangenen Jahres geführt. Dies geht aus dem jüngst veröffentlichten Jahresbericht unter dem Titel „Perspektive ändern“ hervor. Die Leiterin Hildegard Steuer hebt dabei das unermüdliche Engagement der Ehrenamtlichen hervor, nennt den Start eines neuen Projekts und richtet Dank an Träger und Zuschussgeber. Auch ein ausführlicher Rückblick auf das Jubiläumsjahr ist im 24-seitigen Bericht enthalten.
„Über mangelnde Nachfrage kann sich die Telefonseelsorge nicht beklagen. Im Gegenteil: Es rufen wesentlich mehr Menschen an, als Gespräche von den Ehrenamtlichen entgegengenommen werden können. Und der Bedarf nach Hilfe steigt mit den vielen Krisen, in denen sich die Welt seit einigen Jahren befindet, immer mehr“, betont Steuer und richtet ihren Dank an alle ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Ohne sie gäbe es dieses unersetzliche Angebot für Menschen in Not nicht. Sie haben ein offenes Ohr, leisten Beistand, sind rund um die Uhr für sie da.“
„Die Entwicklung der Themen in den letzten Jahren zeigt wie ein Seismograf Änderungen in der Gesellschaft an“, macht der Jahresbericht auf Verschiebungen in den geführten Beratungen aufmerksam. So gebe es eine deutliche Zunahme an Gesprächen, in denen als Beratungsanliegen „Seelisches Befinden“ (22 Prozent) sowie „Stress und Erschöpfung“ (20 Prozent) thematisiert würden. „Hier könnten sich die Auswirkungen der gesellschaftlichen Dauerkrisen, der Kriege und der Klimaerwärmung zeigen, die den Menschen immer mehr zusetzen“, wird im Bericht als Vermutung geäußert. Das in den Vorjahren bestimmende Problem der „Einsamkeit“ sei von anderen Themen überholt worden. „Ärger und Aggression“ sowie „Betreuung und Pflege“ gehörten nun zu den „Top Ten“ der genannten Probleme.
Im vergangenen Jahr führten die Ehrenamtlichen der Ökumenischen Telefonseelsorge 12.657 qualifizierte Beratungsgespräche bei einer durchschnittlichen Gesprächsdauer von 20 Minuten durch. Die Personen, die das Angebot nutzten, waren zu etwa 57 Prozent alleinstehend. In 174 Fällen wandten sich Menschen per E-Mail, in 67 per Chat an die Seelsorgeeinrichtung.
Im Jahr 2025 waren für die Augsburger Telefonseelsorge 83 Ehrenamtliche aktiv. Ihre Altersspanne reicht von 30 bis 81 Jahren bei einem Durchschnittsalter von 64,7 Jahren. Im Schnitt engagieren sich die Ehrenamtlichen neun Jahre lang und sind in überwiegender Zahl weiblich (68 Prozent). Zwölf neue Mitarbeitende haben ihre Ausbildung im Januar 2026 begonnen und werden noch im laufenden Jahr den Telefondienst aufnehmen.
Der Gesamthaushalt belief sich 2025 auf 248.000 Euro. Der Zuschuss der Diözese Augsburg lag bei rund 170.000 Euro. Die kommunalen Zuschüsse ermöglichten laut Jahresbericht die zur Qualitätssicherung nötigen Aus- und Weiterbildungskosten der Mitarbeitenden.
Mit dem Projekt „Ein Gespräch am Tag ermöglichen“ wird die bisherige Arbeit der Ehrenamtlichen neuerdings um ein weiteres Angebot ergänzt. Es richtet sich an Menschen, die im Zusammenhang mit einem akuten Krisenereignis Unterstützung benötigen. Zum Beispiel bei plötzlichen Todesfällen oder anderen einschneidenden Ereignissen. Die Anonymität, die die Arbeit der Telefonseelsorge ansonsten entscheidend prägt, wird hierbei aufgehoben. Anrufende könnten eine Telefonnummer hinterlassen und werden zeitnah zurückgerufen, heißt es im Jahresbericht.
Um auch per Chat und Mail kompetent Seelsorge zu leisten, wurde 2025 die neue Ausbildung „Mailseelsorge“ gestartet. Das Angebot stand erfahrenen Mitarbeitenden aus Augsburg (11 Personen) und Ingolstadt (6 Personen) offen.
Die Telefonseelsorge kann über die gebührenfreien Telefonnummern 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 sowie die 116123 (ohne Vorwahl wählen) erreicht werden. Die Mail- und Chatberatung wird über www.telefonseelsorge.de angeboten.