Ökumene in der Friedensstadt
Seit diesen Dienstag sind die Mitglieder der europäischen Region im Lutherischen Weltbund in Augsburg zu ihrer turnusmäßigen Versammlung zusammengekommen, bei der gemeinsame Fragen und Herausforderungen besprochen werden. Besonders im Fokus der Versammlung steht das 500. Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses im Jahr 2030. Bischof Bertram richtete sich in einem ökumenischen Grußwort an die Teilnehmer.
Augsburg als Stadt sei eng mit der „Botschaft des Friedens und mit ökumenischer Hoffnung“ verknüpft, betonte der Bischof in seinem englischsprachigen Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Regionalversammlung, das er krankheitsbedingt durch den Bischöflichen Ökumenebeauftragten Dekan Helmut Haug verlesen ließ. Sowohl der Frieden als auch die Hoffnung seien heute in Europa allerdings knappe Güter geworden: „Das Fundament europäischer Koexistenz – Demokratie, Respekt für die Würde des Menschen, und Solidarität – werden wieder in Frage gestellt […] Wie kann es sein, dass heute immer noch Manche danach trachten, die überlebenswichtige Diversität unserer Gesellschaften mit der Dunkelheit von Totalitarismus und Hass zu ersetzen?“
Vor diesem Hintergrund sei die Augsburger Geschichte von ökumenischem Frieden von besonderer Relevanz. Einen besonderen Stellenwert habe darin die 1530 in St. Anna verabschiedete „Confession Augustana“ (Augsburger Bekenntnis), die zwar als Gründungsdokument des Protestantismus gilt, ursprünglich aber nicht darauf abgezielt habe, die Kirche zu spalten. Insofern habe sich 1999 ein Kreis geschlossen, als ebenfalls in der Annakirche Delegierte der katholischen und verschiedener protestantischer Kirchen die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnen konnten, so Bischof Bertram: „Es dieser Geist der Hoffnung und ökumenischer Brüderlichkeit, der uns auf unserem Weg zum Jubiläum der Confessio Augustana inspiriert.“
Am Anfang der Regionalversammlung stand ein ökumenischer Gottesdienst, der vom evangelischen Landesbischof Christian Kopp und Dekan Helmut Haug als Bischöflichem Beauftragten für Ökumene und Interreligiösen Dialog gemeinsam zelebriert wurde. In seiner Predigt betonte Landesbischof Kopp, dass es die vornehmste Aufgabe eines Christen sein müsse, nach der Einheit zu suchen und den Frieden zu wahren. Gerade in einer zunehmend schwierigen und gespalteten Zeit, die durch eine tiefe Polarisierung und um sich greifende antidemokratische und menschenfeindliche Ressentiments gezeichnet sei, müsse der christliche Glaube nicht nur die Kraft zum Widerstand und zum Zusammenhalt geben, sondern auch eine nach außen hin ausstrahlende Freude und Zuversicht auf Gottes Gnade. Im Anschluss an den Gottesdienst waren die Teilnehmenden noch zu einem Abendessen im Augustanasaal geladen, wo Dekan Haug das bischöfliche Grußwort verlas.
Die Regionalversammlung der europäischen Mitgliedskirchen im Lutherischen Weltbund findet vom 6. Bis 9. Oktober in Augsburg statt und steht ganz im Zeichen des ökumenischen Miteinanders. Im Mittelpunkt stehen dabei die Vorbereitungen auf den 500. Jahrestag der Confessio Augustana, in der die junge protestantisch-lutherische Bewegung ihre theologischen Positionen zusammenfasste und im Rahmen des Reichstags zu Augsburg am 25. Juni 1530 dem Kaiser überreichte. Anlässlich des Jubiläums wird der Lutherische Weltbund 2030 zu seiner weltweiten Vollversammlung nach Augsburg kommen.
Der Lutherische Weltbund ist eine 1947 in Schweden gegründete Gemeinschaft lutherischer Kirchen und beruft sich in besonderer Weise auf das Augsburger Bekenntnis als „Quelle und Norm“ des kirchlichen Lebens. Er repräsentiert 153 Mitgliedskirchen mit rund 78 Millionen Christinnen und Christen weltweit.