Mastodon
Monat der Weltmission

Die Schwächsten der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen

Augsburg (pba). Madagaskar gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, in dem die Kirche aufgrund der Schwäche des Zentralstaats viele von dessen Aufgaben übernehmen muss. Der Monat der Weltmission als größte katholische Solidaritätsaktion weltweit nimmt heuer in Bayern den Inselstaat als Beispielland in den Fokus. Die madagassische Ordensschwester Francette Rakotonirina ist diese Tage im Bistum Augsburg unterwegs, um über die Lage der Menschen vor Ort und über das kirchliche Engagement dort zu berichten.

(v.l.) Dr. Peter Frasch (Abteilung Weltkirche), Sr. Francette Rakotonirina, Bischof Dr. Bertram Meier und Joseph Spieker (missio München) (Foto: Julian Schmidt / pba)

Bei dieser Gelegenheit kam sie am Dienstagabend auch mit Bischof Bertram zusammen, der sich bei einem gemeinsamen Abendessen über die vielfältigen Aktivitäten der katholischen Kirche in Madagaskar sowohl von Akteuren vor Ort als auch über Unterstützung des katholischen Hilfswerks missio München informierte. „Schwester Francette kann uns wichtige Einblicke in die Situation der Menschen auf Madagaskar geben, wo ihr Orden sich vor allem um benachteiligte Frauen, Kinder und Jugendliche kümmert. Er betreibt dort beispielsweise auch ein Mutterschutzzentrum und initiiert verschiedene Ausbildungsprojekte“, betont der Bischof. Gleichzeitig bringe die Ordensfrau nicht nur Nachrichten mit, sondern „vor allem die Geschichten und Hoffnungen der Menschen, mit denen sie dort lebt und arbeitet. Wir dürfen von den Menschen in ihrem Heimatland lernen: von ihren Hoffnungen, ihrem Zusammenhalt und ihrem tiefen Vertrauen auf Gott. Zugleich erinnert sie uns aber auch daran, dass unsere weltweite Kirche eine Gemeinschaft ist, in der wir einander tragen und voneinander lernen.“

Die Besucherin betonte ihrerseits die große Bedeutung des Monats der Weltmission und der damit verbundenen Unterstützung karitativer und kirchlicher Arbeit in ihrem Heimatland. Die Solidaritätsaktion sei sehr wichtig, weil „wir alle dazu aufgerufen sind, einander zu unterstützen und in der Mission beisammenzustehen.“ Mit der Unterstützung auch aus Deutschland sei es der madagassischen Kirche möglich, „der Bevölkerung Bildung zu geben und das Beste aus sich herauszuholen, um die Würde und das Wohlergehen der schutzbedürftigsten Menschen zu gewährleisten.“

Schwester Francette Rakotonirina ist 38 Jahre alt und gehört dem Orden der „Soeurs du Bon Pasteur“ (Schwestern des Guten Hirten) an. Dort engagiert sie sich besonders bei dem Sozialzentrum „Fihavanana“ in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo, wo Kinder aus armen Familien, die oft noch nie eine Schule besuchen konnten, Förderunterricht und zwei warme Mahlzeiten am Tag erhalten. Zudem betreibt der Orden ein Mütterheim am Rande der Stadt, wo oft sehr junge schwangere Frauen Zuflucht und Sicherheit finden können. Seit einiger Zeit leitet Schwester Francette zudem das ordenseigene Büro für Missionsentwicklung, das neben Madagaskar auch die karitative Arbeit auf den Nachbarinseln La Réunion und Mauritius koordiniert. Im Moment befindet sie sich im Rahmen des Monats der Weltmission im Bistum Augsburg, wo sie bei verschiedenen Schulen und Verbänden über das Leben auf Madagaskar und die Arbeit ihres Ordens erzählt.

Der diesjährige Weltmissionssonntag steht unter dem Motto "Sei mutig und stark" (Grafik: missio)

Der Monat der Weltmission wird in Deutschland vom katholischen Hilfswerk missio organisiert und gilt als größte katholische Solidaritätsaktion weltweit. Der Höhepunkt des Monats ist traditionell der Weltmissionssonntag, der am vierten Sonntag im Monat Oktober gefeiert wird. Das Fest wurde 1926 von Papst Pius XI. zum ersten Mal eingesetzt und jährt sich heuer zum hundertsten Mal. Die weltweit gesammelten Spenden fließen in einen zentralen Solidaritätsfonds, mit dem kirchliche und karitative Arbeit im globalen Süden unterstützt und ermöglicht wird. Das von missio München für alle bayerischen Diözesen veranstaltete zentrale Fest zum Weltmissionssonntag findet heuer am 25. Oktober in Regensburg statt.

Madagaskar ist ein Inselstaat im Südosten Afrikas und gilt als eines der Länder mit der höchsten Biodiversität der Welt. Das Land wurde erst relativ spät durch Seefahrer aus dem heutigen Indonesien besiedelt und stand von 1896 bis 1960 unter französischer Kolonialherrschaft. Die über 32 Millionen Einwohner leben zum überwiegenden Großteil weit unter der Armutsgrenze und sehen sich in letzter Zeit wieder vermehrt politischen Unruhen und staatlicher Gewalt ausgesetzt.