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Vortrag von Bischof Dr. Bertram Meier beim Ökumenischen Abend im Rahmen von 875 Jahre Vöhringen

„Christus für uns – Christus in uns“

26.06.2023 20:35

Sehr geehrter Herr Dekan, lieber Martin, sehr geehrter Herr Pfarrer Teuffel, sehr geehrte Festgäste, liebe Schwestern und Brüder in Christus, herzlich danke ich für die Einladung, hier zu Johann Michael Feneberg (1751-1812), einen der engsten gleichaltrigen Freunde von Johann Michael Sailer (1751-1832), dem später sogenannten „bayrischen Kirchenvater“, sprechen zu dürfen.

Wie bereits erwähnt wurde, habe ich meine Dissertation über Sailer geschrieben und mich dabei auch intensiv mit der Allgäuer Erweckungsbewegung beschäftigt, die von Kaplan Martin Boos (1762-1825; ab 1788/89) und Pfarrer Johann Michael Feneberg sowie etlichen weiteren seiner Kapläne ausging und hauptsächlich getragen wurde.

Ohne mich lange bei einer historischen Darstellung aufzuhalten, wende ich mich dem mir gestellten Thema (Folie 1), der Verheutigung dieser beeindruckenden Erneuerungsbewegung an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert zu. Sie prägte nicht nur das Allgäu über Jahrzehnte, sondern ihre Ausläufer haben sogar, wenn man den bisherigen Forschungen Glauben schenken kann, über den deutschsprachigen Raum und Ost-Europa hinaus in N-Amerika, Afrika und Indien Spuren hinterlassen.[1]

Zu Beginn möchte ich festhalten: Vergleichbare Phänomene gab und gibt es in der Geschichte des Christentums – und wohl aller Religionen - immer wieder. Im Mittelalter z.B. wurden sie von Ordensgründerinnen und –gründern initiiert oder entstanden, wie die Beginenbewegung und die devotio moderna, als Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die in Wort und Tat, mit Schriften oder auch durch einheitliche Kleidung ihrer Zusammengehörigkeit Ausdruck verliehen bzw. eine Gruppenidentität entwickelten.

Es entspricht wohl der Sehnsucht des gläubigen Menschen, dem fleischgewordenen Wort, Jesus Christus, besonders nahe zu kommen und sich zu öffnen für IHN, der folgende Verheißung ausgesprochen hat: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen“ (Joh 14,23). Christus, der wie es das [Nicäno-Konstantinopolitanum] große Glaubensbekenntnis formulierte, „für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel gekommen ist, (…) wurde für uns gekreuzigt.“ –

Dem „Propter nos - Wegen uns/Für uns“ stand also der Wunsch nach einem „In nos - in uns“ gegenüber, in dem sich Gottes Einladung mit der Sehnsucht des Menschen von Anfang an trafen. Die Theologie der Einwohnung Gottes im Menschen, eine zutiefst jüdische Vorstellung (Schechina), fand neben der Verkündigung auch Eingang in die religiöse Lyrik, wie das bekannte Gedicht des Breslauer Arztes Johannes Scheffler zeigt, der sich den Künstlernamen Angelus Silesius gegeben hatte (Folie 2):

Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren
und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.

Gott schleußt sich unerhört in Kindes Kleinheit ein:
Ach möchte ich doch ein Kind in diesem Kinde sein.

Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden,
Gott würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden.

Merk, in der stillen Nacht wird Gott, ein Kind, geboren,
und wiederum ersetzt, was Adam hat verloren.

Ist deine Seele still und dem Geschöpfe Nacht,
so wird Gott in dir Mensch und alles wiederbracht.

nicht auf der Folie

(Hier liegt das werte Kind, der Jungfrau erste Blum,
der Engel Freud und Lust, der Menschen Preis und Ruhm.

Soll er dein Heiland sein und dich zu Gott erheben,
so musst du nicht sehr weit von seiner Krippe leben.)

 Der Himmel senkte sich, er kommt und wird zur Erden;
wann steigt die Erd empor und wird zum Himmel werden?[2]

Hier ist schon angedeutet: die Verschmelzung von Himmel und Erde in der Menschwerdung Gottes ist eben nicht ein für alle Mal abgeschlossen in Jesus von Nazareth, sondern will sich immer wieder neu ereignen, in jedem Menschen, der sich für Gottes Wunder öffnet!

Die Pro-Existenz Christi, wie sie die Theologie entfaltet, das Für-andere-Dasein führt unmittelbar in das caritativ-diakonische Handeln und bildet das notwendige Gegengewicht zur Verinnerlichung in Gebet und Meditation, ja zur Mystik, wie sie in diesem Gedicht aus dem 17. Jahrhundert ebenso durchscheint wie in vielen geistlichen Texten der Protagonisten der Erweckungsbewegung - und heutiger charismatischer Gruppierungen. Ja, ich würde sogar behaupten, nur das Zusammenkommen von actio, tatkräftiger Hilfe, und contemplatio, gemeinsamem Lobpreis und stiller Anbetung bzw. innerem Gebet, sind ein Ausweis echter, evangeliumsgemäßer Frömmigkeit.

Eine solche authentische Gläubigkeit zieht unweigerlich Kreise und so erleben auch heute kleine spirituelle Zellen, Gesprächskreise und Bibelgruppen oft schon nach wenigen Jahren, wie sich ein treuer Kern von freiwillig konstanten Personen herauskristallisiert, umgeben von jenen, die sich inhaltlich und freundschaftlich verbunden fühlen.

Evangelisierung – denn um nichts Anderes handelt es sich dabei - ist also kein Exklusivauftrag für sog. „Hauptamtliche“, sondern Aufgabe einer jeden Christin, eines jeden, der wie Andreas zu seinem Bruder Simon sagen kann: „Wir haben den Messias gefunden“ (Joh 1,41). Wenn hier die Stichworte Mission und Missionierung fallen, dann rufen sie allerdings, dessen bin ich mir bewusst, aufgrund von Gewaltverbrechen und Menschenrechtsverletzungen im Namen der Kirche oft Traumata wach. Dennoch meine ich, dass wir weder auf die Sache noch auf die Begriffe verzichten, sehr wohl aber über Motiv und Methode reflektieren sollten. Denn ich schließe mich Karl Rahner an, der in seinen „Erfahrungen eines katholischen Theologen“ zu bedenken gibt (Folie 3):

„Es mag (wer weiß) eine ungeheuerliche Anmaßung der Kreatur sein, wenn ein einzelner sich nicht retten lassen will, ohne dass er sähe, wie sein Nächster gerettet werde. Es kann aber auch ein sublimer, letztlich von jedem Christen geforderter Akt der Nächstenliebe sein, wenn er eigentlich nur in der Hoffnung für alle für sich selber hofft und darum darüber nachdenkt, wie die Gnade Gottes, die letztlich Gott selber in seiner Selbstmitteilung ist, wirklich über alles Fleisch und nicht nur über ein paar sakramental Gezeichnete ausgegossen ist.“[3]

„In der Hoffnung für alle für sich selber hoffen“ - ich wage die kühne Behauptung: Wenn wir uns als Christen, als Angehörige aller christlichen Konfessionen, im Blick auf diese Zielgerade heute neu ausrichten, dann beginnen wir nicht nur das Evangelium besser zu verstehen, sondern werden erst wirklich Mitgeschöpfe unter den geliebten Geschöpfen Gottes.[4] Daher stünde es gerade den Verantwortlichen innerhalb der katholischen Kirche – für die allein ich hier eine Einschätzung abgeben kann - gut an, die sich häufenden Anzeichen einer „Exkulturation von Kirche, also ihre(r) wachsende(n) Entfremdung von kulturellen, ästhetischen und sozialen Erfahrungen und Ausdrucksformen der Menschen von heute“[5] nicht einfach auszublenden oder gar zu leugnen, sondern sie im Sinne des Evangeliums ernst zu nehmen und ihr proaktiv durch Begegnung und Beziehung entgegenzuwirken. Das Schicksal unseres Mitmenschen, der immer unser Nächster ist, muss uns unter die Haut gehen, ganz gleich, wie ‚fremd‘ er uns erscheinen mag!

Traditionell wird das Pfingstereignis (Apg 2) als Geburtsstunde der Kirche betrachtet und es ist gut, sich daran auch in unserer Zeit zu orientieren: Die geängstigten Anhänger Jesu verließen an jenem Tag die Deckung und setzten sich der Öffentlichkeit aus. Nach der Heilung eines Gelähmten bekennen Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat freimütig: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Das war auch das Selbstverständnis derer, die sich von Pfarrer Feneberg und den anderen Priestern anstecken ließen – und es sollte auch unser innerster Impuls werden. Papst Franziskus entfaltet in seiner Enzyklika Evangelii Gaudium ein sehr sprechendes Bild (Folie 4):

„Eine Kirche ‚im Aufbruch‘ ist eine Kirche mit offenen Türen (…). Die Kirche ist berufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein. Alle können in irgendeiner Weise am kirchlichen Leben teilnehmen, alle können zur Gemeinschaft gehören, und auch die Türen der Sakramente dürfen nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden. (…) Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“[6] Solche Aussagen nehmen jeden Zweifel: Eine so agierende Kirche wird dringend gebraucht! Denn in der Begegnung mit Jesus und seiner Botschaft, die wir ermöglichen sollen und können, - wir haben ja die Würde und den Auftrag, Cooperatores Dei, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes, zu sein! – erfahren Menschen Heil und Heilung. Wir dürfen sie zum Heiland und Erlöser führen!

Folglich muss Evangelisierung der Sakramentalisierung vorausgehen[7] – ein alter theologischer Grundsatz, den ich als Bischof von Beginn an herausgestellt habe; nicht selten mit dem Ergebnis, dass man mir zum Vorwurf machte, ich würde die Sakramente geringschätzen und damit – auch dies eine Keule, mit der innerkatholische Fehden heute gerne geführt werden – einer „Protestantisierung der katholischen Kirche“ das Wort reden. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wort und Sakrament sind nicht als „aut – aut / entweder – oder“ zu sehen, sondern als „et – et / sowohl - als auch“ zu verstehen. Nur wer mit Joh 1,14 glaubt, „…und das Wort ist Fleisch geworden“, der vermag zu erahnen, welche Nähe Gott in Jesus Christus zu uns sucht, wenn er beim letzten Abendmahl über Brot und Wein die Worte spricht, „das ist mein Leib, dies ist mein Blut“ (Mk 14,22;24)!

Um dies anschaulich zu machen, möchte ich Ihnen eine „Skizze ohne Titel“ zeigen, die mir im Promotionsstudium unter dem handschriftlichen Nachlass des späteren Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer begegnete.[8] Sie illustriert sehr gut, wie Sailer und mit ihm seine Freunde und Schüler das Verhältnis des Menschen zu Gott und zu Evangelium, Liturgie, Sakramenten und dem Lehramt der Kirche sahen (Folie 5):

Mehr als ein Jahrhundert später sollte übrigens auch Papst Paul VI. dieses Bild der konzentrischen Kreise in seiner Enzyklika Evangelii Nuntiandi (1975) für sich fruchtbar machen…

Die Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche, besteht, wie es im ersten Petrusbrief heißt, aus „lebendigen Steinen“ (1 Petr 2,5),

- aus Menschen, die sich hier und jetzt zu Christus bekennen, die bei aller Fehleranfälligkeit, bei allem Versagen und in der Neigung zur Sünde in Seine Fußstapfen treten wollen, Seinen Ruf, „Folge mir nach!“ (Mk 1,17), gehört haben und immer wieder neu hören;

- Menschen, die nicht loskommen von IHM, mögen sie noch Kirchenmitglied sein oder schon nicht mehr oder auch: sich bewusst dagegen entschieden haben, der Kirche durch die Taufe anzugehören. Ein prominentes Beispiel für letzteres ist die Philosophin und Mystikerin Simone Weil (1909-1943), die aufgrund gewichtiger Vorbehalte ihre „Berufung als die einer Christin außerhalb der (katholischen) Kirche“ umschreibt. Und sie kommt zu dem Ergebnis: „Liegt eine solche Berufung im Bereich des Möglichen, so müsste ich daraus schließen, dass die Kirche nicht de facto katholisch (– das heißt ja übersetzt: allumfassend – ) ist, wie sie es dem Namen nach ist, und dass sie es eines Tages werden muss, wenn es ihr bestimmt ist, ihren Auftrag zu erfüllen.“[9]

Mögen solche Gedanken 1942 geradezu häretisch geklungen haben, so hoffe ich, dass sie bei uns eher echtes Nachdenken auslösen – jedenfalls Empfindungen, die uns eine Ahnung davon geben, dass Kirche ursprünglich nicht eine Institution mit von Menschen gemachten Satzungen, mit einem juridisch genau bestimmten Drinnen und Draußen, ja überhaupt nicht statisch und felsenfest gefügt ist, sondern je neu im Werden, dem Wandel in Kontinuität ausdrücklich verpflichtet, kurz: eine ecclesia semper reformanda.

Kirche gewinnt ihre Glaubwürdigkeit heute erst dann zurück, wenn sie zur „Gottesermöglicherin“[10] wird, wenn sie statt den Blick auf ihn zu verstellen, auf ihn hin durchlässig, wenn sie statt ihn zu verdunkeln, zum Medium für sein Licht, also buchstäblich durchscheinend wird und damit eine Gemeinschaft ist, die auf IHN als ihre Mitte und ihr Ziel verweist.

Alles, was wir dazu brauchen, haben wir schon:

So sehr wir die 2000jährige Tradition auch mitunter als Klotz am Bein und – nicht zu Unrecht - als drückendes Erbe empfinden. Gerade heute ist es notwendig, die unvergänglichen Schätze wiederzuentdecken: die biblische Offenbarung, das Wort der Schrift, den Reichtum der Tradition und die sakramentalen Gnaden; aber auch das Vorbild von Menschen, die wie ein Bergkristall das göttliche Licht brechen, Lehr- und Lebensmeisterinnen von Glaube, Hoffnung und Liebe sind.

Zu Ihnen, so bin ich überzeugt, zählen auch Johann Michael Sailer, Johann Michael Feneberg und alle Protagonisten der Allgäuer Erweckungsbewegung, die aus einer tiefen Christusbeziehung heraus in Lauterkeit und mit Herzblut sich für die Schwachen und Benachteiligten eingesetzt und den „glimmenden Docht nicht ausgelöscht“ (vgl. Jes 42,3), sondern wieder zum Leuchten gebracht haben. Dabei hatten sie durch Missverständnisse und Anfeindungen nicht wenig zu leiden – für Johann Michael Sailer hatte seine freundschaftliche Treue ja sogar noch nach seinem Tod die Folge, dass seine Schriften auf den Index der verbotenen Bücher kamen und ein Häresieprozess gegen ihn angestrengt wurde.

Dennoch ist Kirche nach uralter Überzeugung Communio Sanctorum[11], Gemeinschaft, für die der Tod keine unüberwindbare Grenze, sondern eine Schwelle ins ewige Leben bedeutet. Christliche Gemeinschaft muss sich daran messen lassen, wie sehr sie den Glauben an die Auferstehung lebt und die eschatologische Dimension wachhält. Das heißt auch: Wie sehr sie ernst macht mit der Verheißung Christi (Lk 17,20-21) (Folie 6):

„Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! oder: Dort ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Folie 7: incl. Literaturverzeichnis)

[1] Vgl. Gabriele Singer/Walter Mauerhofer: Christus für uns. Christus in uns. Die Allgäuer Erweckungsbewegung. Bielefeld 2016, S.114.

[2] Zit. n. Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren – Gedicht von Silesius (gedichte-lyrik-online.de)

[3] Karl Rahner: Von der Unbegreiflichkeit Gottes. Erfahrungen eines katholischen Theologen (1984). Freiburg: Herder 2005, S. 39.

[4] Ähnlich erteilt auch Dietrich Bonhoeffer in seiner „Ethik“ der überzogenen Dichotomie Welt – Gott eine theologische Absage: „Die Wirklichkeit Gottes erschließt sich nicht anders als indem sie mich ganz in die Weltwirklichkeit hineinstellt, die Weltwirklichkeit aber finde ich immer schon getragen, angenommen, versöhnt in der Wirklichkeit Gottes vor. Das ist das Geheimnis der Offenbarung Gottes in dem Menschen Jesus Christus.“ Zit. n. dbp . Sanctorum Communio . Dietrich Bonhoeffer Werkausgabe . Band 1 (dietrich-bonhoeffer.net)

[5] Susanne Gorges-Braunwarth: Was Menschen glauben, worauf sie hoffen und wie sie lieben. In: Anzeiger für die Seelsorge 11/2020, S.22.

[6] Papst Franziskus: Evangelii Gaudium (= EG) 2013, Nr. 46/47.

[7] Vgl. Papst Paul VI.: Evangelii Nuntiandi (= EN) 1975, Nr. 47: „(…) Die Evangelisierung kommt zu ihrer ganzen Fülle, wenn in ihr die innige Verbindung oder besser noch, eine ununterbrochene Wechselwirkung zwischen Wort und Sakramenten hergestellt wird. In einem bestimmten Sinn ist es irreführend, Verkündigung und Sakramente als Gegensätze zu sehen, wie es manchmal geschieht. Doch ist es durchaus wahr, daß ein Sakrament einen großen Teil seiner Wirkung verliert, wenn seiner Spendung nicht eine gründliche Unterweisung über die Sakramente und eine umfassende Katechese vorausgeht. Die Aufgabe der Evangelisierung besteht eben darin, den Glauben so zu lehren, daß jeder Christ dahin geführt wird, die Sakramente – statt sie passiv zu empfangen oder über sich ergehen zu lassen – als wahrhafte Gnadenmittel des Glaubens zu leben.“

[8] Bertram Meier: Die Kirche der wahren Christen. Johann Michael Sailers Kirchenverständnis zwischen Unmittelbarkeit und Vermittlung. Kohlhammer: Stuttgart 1990 (= Münchner Kirchenhistorische Studien Bd. 4), S. 408.

[9] Simone Weil: Entscheidung zur Distanz. Fragen an die Kirche. München: Kösel 1988, S. 8f.

[10] Vgl. Martin Schleske: Herztöne. Das kleine Buch. Asslar: adeo 2018, S. 85.

[11] Vgl. die Dissertation des jungen Dietrich Bonhoeffer mit dem Titel: Sanctorum Communio. Eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche (26. Stück der Neuen Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche. Hg. v. Reinhold Seeberg), Berlin und Frankfurt/Oder: Trowitzsch & Sohn, 1930.