Predigt bei der Diakonenweihe von Br. Anton Wölfl C.Ss.R am 10. April 2021 in Dinkelscherben

Der hl. Klemens Maria Hofbauer: Modell für einen Redemptoristen-Diakon

10.04.2021 19:00

„Kennen Sie das Gefühl? Sie haben ein Ziel vor Augen und wissen nicht, ob Sie es erreichen. Schaffe ich den Schritt, um Medizin zu studieren? Schaffe ich es, meinen Bausparvertrag abzubezahlen? Schaffe ich es, bis zum Schluss eine gute Ehe zu führen? Hinter all diesen Wünschen und Zielen steckt das Moment der Hoffnung. Etwas, was Sie ersehnen und was Sie antreibt. Die Hoffnung, dass alles gut wird und Ihr Leben gelingt. Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof.“

Wissen Sie, von wem diese Sätze stammen? Dann raten Sie mal! Von unserem Weihekandidaten Br. Anton Wölfl. Er hat diese Gedanken zum 2. Fastensonntag geschrieben unter dem Titel: Hoffnung verwandelt. Und er hat recht: Das Leben ist kein Ponyhof. Auch eine Ordensgemeinschaft ist kein Ponyhof, muss aber auch nicht gleich ein Haifischbecken sein. Sonst wäre Br. Anton nicht schon mehr als zehn Jahre bei den Redemptoristen. Die Kirche insgesamt ist kein Ponyhof. Das war schon am Anfang so. Als Jesus mit der Kirche der ersten Stunde, den Aposteln, seinen Einzug in die Stadt Jerusalem plante, hat er sich nicht auf ein Pony gesetzt, ein kleines Pferd, sondern auf das Fohlen einer Eselin. Damit wollte er sagen: Was mich trägt, ist die Demut, der Mut zum Dienen. Denn ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um selbst zu dienen. Jesu Leben ist der Dienstweg Gottes, der Diakonat. Deshalb freuen wir uns, dass Br. Anton heute geweiht wird – zunächst zum Diakon, ehe er dann hoffentlich bald auch die Priesterweihe empfängt.

Bevor ich jemandem die Weihe spende, ist es mir wichtig, mit dem Kandidaten ins Gespräch zu kommen. Bei Diakonen für die Diözese Augsburg halte ich ein sog. Skrutinium, ein Prüfungsgespräch. Bei einem Ordensmann wie Br. Anton ist es ein Treffen zum Kennenlernen. Denn ich möchte ein wenig von der Person wissen, der ich dann in Gottes Namen die Hände auflege und in Dienst nehme. Das Skrutinium führt der Obere der Gemeinschaft, die heute vertreten ist durch den Vize-Provinzial und Stadtpfarrer von Ellwangen P. Martin Leitgöb. Lieber Martin, gern erinnere ich mich an unsere gemeinsame Zeit in Rom, als wir im Collegio Teutonico in Campo Santo im Schatten der Petersbasilika unter einem Dach wohnten. Dass wir uns heute wieder treffen, freut mich sehr und zeigt, dass alte Bande stabil sind und nicht reißen.

Als ich mit Br. Anton ausführlich redete, kamen wir auch auf einen Heiligen zu sprechen, der uns beiden ans Herz gewachsen ist: Klemens Maria Hofbauer. Wenn ich unsere Gedanken, lieber Br. Anton, nachklingen lasse, dann spüre ich, dass Sie – unbeschadet ihres Ordensgründers des hl. Kirchenlehrers Alfons von Liguori – mit Klemens Maria Hofbauer manches verbindet, was einfließen könnte in ihren Dienst als Diakon. Einige Gedankensplitter möchte ich anbieten:

Wie der hl. Klemens Maria aus einem Bauernhof stammte, so liegen auch Ihre Wurzeln in der Landwirtschaft. Ich freue mich, dass die Eltern von Br. Anton trotz Corona aus Obertaufkirchen kommen konnten, um die Diakonenweihe ihres Sohnes mitzufeiern. Sie, liebe Frau und Herr Wölfl, haben an der Berufung von Br. Anton mitgewirkt. Und vor allem auch die Oma hat ihren Teil beigetragen. Der Bauernhof hat gleichsam als Ackerboden gedient, in den der Same des Wortes Gottes für Ihren Sohn und Enkel fallen konnte, der nach und nach aufkeimte und heute geistliche Frucht zeitigt. Danke für diesen Mutterboden des Lebens und des Glaubens, des Gottvertrauens, den Sie bereitet und gedüngt haben und aus dem eine echte Berufung ins Ordensleben wachsen konnte.

Der Weg zum Diakonat und wohl in absehbarer Zeit zum Priester hat bei Br. Anton Zeit gebraucht. Zwar ist er schon mit 18 Jahren, nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann, bei den Redemptoristen eingetreten. Doch dazwischen lagen viele Jahre der Prüfung und des wissenschaftlichen Studiums, bis heute die große Stunde seiner Diakonenweihe schlägt - Basis für das Priestersein. Auch Klemens Maria Hofbauer fiel das Priestertum nicht in den Schoß. Im Rückblick notierte er: „Ich musste alle Augenblicke für die Studien verwenden, sogar die Nächte opferte ich für diesen Zweck auf. Wollte mich der Schlaf überfallen, so nahm ich das Licht in die eine Hand, in die andere das Buch und ging im Zimmer auf und ab, um den Schlaf zu überwinden und so die Zeit zu gewinnen.“ Ob Sie es, lieber Br. Anton, so radikal machten wie der hl. Klemens Maria, kann ich nicht beurteilen. Im Gespräch kamen Sie mir etwas gemütlicher vor.

Aber auch Sie sind drangeblieben! Schauen wir erneut auf Klemens. Als sich die Erfüllung seines Wunsches, Priester zu werden, weiter verzögerte, beschloss er mit seinem Freund Thaddäus Hübl 1784 kurzerhand, das Studium in Rom fortzusetzen. Gesagt, getan. In Rom lernten die beiden den 1732 den von Alfons Maria von Liguori gegründeten Orden der Redemptoristen kennen. Nach einem Gespräch mit dem Oberen baten sie spontan ohne langes Zögern um Aufnahme in die Gemeinschaft und begannen bereits im gleichen Jahr ihr Noviziat. Er fügte seinem Namen noch „Maria“ hinzu und hieß nun Klemens Maria.

Am 19. März 1785 legte er mit Thaddäus Hübl die Gelübde ab. Schon zehn Tage später empfingen sie in Alatri die Priesterweihe. Mit 33 Jahren erreichte Klemens Maria endlich das, was er sich schon als Kind erträumt hatte: Priester sein. Der Orden beschloss, die beiden Neupriester von Italien in den Norden zu schicken. Weil es auf österreichischem Boden schwierig war, zogen sie nach Warschau weiter, wo ihnen die Seelsorge an der deutschen Nationalkirche St. Benno anvertraut wurde. Welch segensreiches Wirken ging von dieser Mission aus!

Ganz besonders engagierte sich Klemens Maria Hofbauer im sozial-caritativen Dienst. Er errichtete ein Waisenhaus für 50 Kinder und eine Armenschule, die zunächst 100, später bis zu 500 Kinder aufnehmen konnte. Auch für die Förderung von Mädchen und jungen Frauen setzte er sich sein. Bedürftigen brachte er Töpfe mit Suppe und Säcke voller Essen. Sein ursprünglicher Beruf als Bäcker half ihm sicher dabei. Er war ein Pionier organisierter Sozialpastoral. Lieber Br. Anton, nehmen Sie sich an Klemens Maria ein Beispiel! Sie werden heute geweiht zum Dienst für die Menschen. Denken Sie daran: Es gibt eine Art „Sakrament der Armen“, das von Jesus selbst eingesetzt ist. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan.“

Neben dem Sakrament der Armen steht das Sakrament des Altares. Schon mit 13 Jahren waren Sie, lieber Br. Anton, in Ihrer Heimatgemeinde als Mesner aktiv. Sie haben dem Allerheiligsten in der Kirche gedient. Sogar im Elternhaus haben Sie sich einen kleinen Hausaltar gebaut. Das macht Sie sehr sympathisch. Auch Klemens Maria Hofbauer war die festliche Feier der Liturgie, das Hochamt selbst an Werktagen mit Predigt und vielfältige Andachtsformen sehr wichtig. Denn er war davon überzeugt: „Das Volk hasst die Irreligiosität, es hört die Wahrheit mit Freuden, es schließt sich eng an die Priester an, die ihm den Weg zum Himmel zeigen. Ich habe das überall erfahren, wohin mich die Stürme, die jetzt Europa aufwühlen, geschlagen haben.“ Und an anderer Stelle sagt er: „Das Evangelium muss ganz neu verkündet werden.“ Die Situation der Kirche macht ihm Sorgen: „Ich sehe, dass die Lage der Christenheit immer schlechter wird, denn teilweise nimmt die Zahl der apostolischen Arbeiter immer mehr ab, andererseits werden die Arbeiter selbst in Zerstörer der Herde Christi verwandelt.“

Solche markigen Worte passen zu Klemens Marias impulsivem Charakter, der auch zu Jähzorn und holzschnittartigen Urteilen neigte. Zwar war er kein geschulter Redner, dafür Naturtalent. Er hatte keine ausgefeilte Predigttechnik, sein Deutsch ließ zu wünschen übrig und seinen heimatlichen Akzent hat er sich nie abgewöhnt. Es heißt, er habe immer freigesprochen, ohne Manuskript oder Konzept, er habe nichts aufgeschrieben, aber über eine Predigt habe er eine Woche lang betrachtet und gebetet. Das Volk mit gesundem Menschenverstand bescheinigte ihm: „Hofbauer ist ganz einzig. Ihn übertrifft niemand. Aus ihm spricht der Heilige Geist.“

Lieber Br. Anton, als Diakon werden Sie predigen. Ihr Vortrag muss nicht perfekt sein, aber authentisch. Auch bei Ihnen wird man weiter merken, dass Sie aus Oberbayern stammen, aber das macht nichts: Gottes Wort ist an keinen Dialekt gebunden. Im Gegenteil: In jedem Dialekt kann man das Evangelium künden. Es muss nur stimmig sein. Denn gerade heute erwarten die Menschen von uns nicht nur Rechtgläubigkeit, sondern Glaubwürdigkeit.

Klemens Maria Hofbauer wird verehrt als Apostel von Warschau und von Wien. Freilich ist Dinkelscherben weder mit der einen noch mit der anderen Metropole Europas vergleichbar. Doch ich freue mich, wenn Sie, lieber Br. Anton, nach Ihrer Zeit hier in den westlichen Wäldern Spuren hinterlassen und einmal den Titel bekämen: der Apostel von Dinkelscherben!

Gern lege ich Ihnen im Namen der Kirche die Hände auf und weihe Sie zum Diakon.