Ansprache von Bischof Dr. Bertram Meier bei der Dankvesper zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten in der Basilika St. Ulrich und Afra am 10. Juli 2021

Die Geehrten sind „Perlen der Kirche“

10.07.2021 17:24

Was gilt denn jetzt: Freut euch! Oder doch eher die dunkle Kehrseite? Die Diagnose: Unsere Welt ist aus allen Fugen? Eine Katastrophe jagt die andere? Von der Pandemie zum Öko-Kollaps? Egoismus und negative Stimmung machen kaputt, was andere mühsam aufgebaut haben. Was auf der Strecke bleibt: die Freude.

Wir leben in beiden Welten: einerseits pendeln wir zwischen Aggression und Depression, andererseits dürfen wir uns heute wirklich freuen. Die Freude hat ihren Grund. Die Ehrungen, die 21 Persönlichkeiten empfangen haben, bilden das bunte Panorama von Kirche und Gesellschaft in unserer Diözese ab. Neben engagierten Frauen und Männern in unserer kirchlichen Gemeinschaft sind auch Menschen da, die das Evangelium auf verschiedene Areopage der Welt tragen: in soziale Problemzonen, in die Politik, in die Medien, in Kunst und Kultur sowie in weitere Bereiche, wo unser christlicher Beitrag als „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ gewünscht und nötig ist.

Was Paulus an die Philipper im Zusammenhang mit der Freude schrieb, trifft besonders auf Sie zu, die Sie heute auf bischöflicher oder päpstlicher Ebene ausgezeichnet wurden: „Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.“ (Phil 4,5) Güte begegnet dem anderen freundlich, sie bietet dem Mitmenschen Freundschaft an. Paulus verknüpft diese Menschenfreundlichkeit mit dem Kommen Jesu Christi: „Der Herr ist nahe.“ Angesichts der Nähe des Herrn sollen wir den Menschen freundlich begegnen, gütig und milde. Das tun Sie, liebe Geehrte! Deshalb habe ich Sie entdeckt als „Perlen der Kirche“.

Leider haben die Kirchen (im Plural!) bei ihren postmodernen Zeitgenossen derzeit keinen sonderlich guten Ruf. Fast immer, wenn Verantwortliche im Fernsehen, in Filmen und auch in den anderen klassischen oder neuen digitalen Medien gezeigt werden, kommen sie nicht gerade gut weg. Wir machen keine „bella figura“. Im Gegenteil: Oft gelten wir als realitätsfern, nicht besonders intelligent, mitunter auch als glühende Eiferer, bisweilen auf einer Art Kreuzzug gegen das Böse in der ach so schlechten neuen Zeit. Dabei vergessen wir, dass wir selbst manchmal weit hinter den hohen Ansprüchen zurückbleiben, die wir an die Menschen stellen, und den Maßstäben nicht genügen, die wir anderen gern setzen.

Wenn wir ehrlich sind, liebe Geehrte, müssen wir zugeben, dass auch in unserer Lebensgeschichte vielleicht nicht immer alles geradlinig verlaufen ist. Das macht nichts. Denn das heutige Fest ist keine Heiligsprechung. Der Anlass soll zeigen: Schauen wir nicht so sehr auf Mängel und Defizite, lassen wir uns nicht bannen von dem, was bei uns noch nicht perfekt ist, sondern denken wir daran, dass auch Gott noch etwas zu tun braucht. Gott ist es, der Bruchstückhaftes ergänzt und Fehlerhaftes korrigiert und heilt. Seine Barmherzigkeit ist weit größer als unsere manchmal kleinkarierten Maßstäbe menschlicher Gerechtigkeit.

Freuen wir uns – weniger darüber, wie toll wir sind, sondern darüber, dass der Herr mit uns geht: dass er uns begleitet. Noch einmal danke, dass Sie, liebe Geehrte, in Ihrem Wirkungskreis und Lebensbereich dazu beitragen, die Güte Gottes - seine Menschenfreundlichkeit - zu verbreiten. Dass es solche Menschen gibt wie Sie, ist für mich Grund zur Freude. Ich hoffe, dass auch Sie sich mit Ihren BegleiterInnen und FreundInnen heute ein wenig freuen können!