Ankündigung des Ulrich-Doppeljubiläumsjahres 2023/2024 durch Bischof Dr. Bertram Meier am Sonntag, den 4. Juli 2021

Ein Hirt „mit dem Herzen eines Vaters“

04.07.2021 12:30

Einen Hirten „mit dem Herzen eines Vaters“ feiern wir in der kommenden Woche: den hl. Bischof Ulrich. Als sein 62. Nachfolger im Weinberg der Kirche von Augsburg wirken zu dürfen, ist für mich Ehre und Auftrag.

Im ersten Jahr meiner Amtszeit habe ich mich viel mit dem hl. Ulrich beschäftigt. Ich habe über ihn gelesen, nachgedacht und mich gefragt, welche Spuren er gelegt hat, die wir im 21. Jahrhundert miteinander verfolgen sollten. Dabei bin ich auf ein Datum gestoßen, an dem wir uns orientieren können: Am Fest der Unschuldigen Kinder, am 28. Dezember 923, hat Ulrich die Bischofsweihe empfangen. Am 4. Juli 973 ist Ulrich, nach fast einem halben Jahrhundert im bischöflichen Dienst, verstorben.

Diese Ereignisse dürfen wir nicht vergessen. So habe ich nach reiflicher Überlegung entschieden, ein besonderes Jubiläumsjahr für unser Bistum auszurufen. Dafür gibt es einen doppelten Anlass: 1100 Jahre Bischofsweihe und 1050 Jahre Tod des hl. Ulrich. Das festliche Jahr wird beginnen mit dem Ulrichsfest 2023 und abgeschlossen mit der Ulrichswoche 2024. Zur Halbzeit des Jubiläums fällt Ulrichs Weihetag zum Bischof am 28. Dezember 2023.

Bei diesem Doppeljubiläum geht es mir weniger um einen Event, sondern um ein Jahr, das uns geistlich bereichern und erneuern soll. Jede und jeder einzelne, Gremien, Gruppen, Gemeinschaften, Orden und vor allem die Pfarrgemeinden bzw. Pfarreiengemeinschaften sowie die Dekanate sind eingeladen, sich zu beteiligen und einzuklinken. Auch das Bischöfliche Ordinariat wird eingebunden – nicht nur organisatorisch, sondern auch im Sinn einer Selbstvergewisserung über Sinn und Bedeutung seiner Sendung für das Bistum Augsburg.

Die Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Jubiläumsjahres vertraue ich Herrn Domkapitular Dr. Thomas Groll an. Zusammen mit einer Bischöflichen Kommission, die er leiten wird, soll er unsere Schritte durch das festliche Jahr gestalten. Vielleicht wird daraus eine neue und wichtige Etappe des Weges, den die Kirche von Augsburg geht, um das Evangelium den Menschen von heute anzubieten. Ich träume davon, dass wir nicht nur im Innern der Kirche bleiben, sondern uns hinauswagen in weitere Felder des gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens. Es wäre schön, wenn wir sie erreichen könnten!

Daher soll sich das Jubiläum weder in der geschichtlichen Erinnerung noch in der eigenen Selbstbespiegelung erschöpfen. Was Papst Franziskus 2013 in seinem programmatischen Text „Evangelii gaudium“ geschrieben hat, wird uns Richtschnur und Maßstab sein: „Die Kirche im Aufbruch ist die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen, die sich einbringen, die begleiten, die Frucht bringen und feiern. (…) Die Kirche weiß, auf die anderen zuzugehen, die Fernen zu suchen und zu den Wegkreuzungen zu gelangen, um die Ausgeschlossenen einzuladen. (…) Und die fröhliche evangelisierende Gemeinde versteht immer zu feiern.“ (Nr. 24)

Schon jetzt empfehle ich das Jubiläumsjahr als pastorale Initiative der Fürbitte des hl. Ulrich, seiner „älteren Schwester“ der hl. Afra und des hl. Simpert. Auf deren Fürsprache erbitten wir nun Gottes Segen für uns persönlich und für alle, die uns am Herzen liegen.