Ein Zeichen der Willkommenskultur
Sehr geehrte, liebe Frau Oberbürgermeisterin Weber, sehr geehrter, lieber Herr stellvertretender Landrat Higl, lieber Herr Caritasdirektor Müller, lieber Herr Bachmeier, liebe Organisatorinnen der zweiten Ulrichstafel, und vor allem: liebe Frauen und Männer, die Sie hier mit großem ehrenamtlichen Engagement am Werke sind, wieviel Zeit und Mühe steckt hinter dieser beeindruckenden Tafel! Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie den Impuls des Ulrichsjubiläums aufgegriffen, in die Tat umgesetzt und sich nach über 1000 Jahren vom Vorbild dieses Heiligen haben bewegen lassen.
Es sind ja nie in erster Linie Bücher und Reden, die das Evangelium Jesu Christi lebendig halten, sondern Menschen, die im Geiste Jesu: Zeit, Herz und Hand investieren, um die Wertschätzung für jeden ihrer Mitmenschen konkret werden zu lassen. So wie Jesus sich an den Rändern jenen zuwandte, die nicht oder nicht mehr zur „Mitte“ der Gesellschaft gezählt wurden, bis er schließlich selbst das Schicksal des Ausgestoßenseins teilte und draußen vor der Stadt starb – so haben auch viele von Ihnen sich bewusst dafür entschieden, sich nicht mit dem, was ist, abzufinden, sondern einen persönlichen Beitrag zu leisten, um unsere Welt, nämlich die Stadt Augsburg ein wenig menschlicher zu machen - und ihr ein freundliches Gesicht zu geben!
Wir alle wissen: heute werden die Werte, die hinter der gelebten Willkommenskultur stehen, oft in Frage gestellt und mancher, der sie verteidigt, sieht sich bald von allen möglichen Negativbeispielen „schachmatt gesetzt“. Lassen Sie sich durch solche Erfahrungen nicht entmutigen! Gesellschaftlicher Friede hat seine Wurzeln im Kleinen, in der Partnerschaft, der Familie, in der Schule und am Arbeitsplatz – und es gehörte für Kinder und Heranwachsende immer schon Selbstüberwindung dazu, die drei Schlüsselwörter für ein gutes Miteinander zu lernen und tagtäglich zu praktizieren: Bitte, Danke und Entschuldigung. Nicht selten hört man die Klage, man würde sie kaum mehr hören und manchmal schmerzlich vermissen. Tatsächlich kann auch ich persönlich von solchen Erfahrungen erzählen. – Doch, um ein Wort des evangelischen Theologen und Märtyrers der NS-Diktatur Dietrich Bonhoeffer aufzugreifen, „man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken.“
Deshalb: Bleiben Sie zugewandt und menschenfreundlich, helfen Sie einander und denen, die Hilfe dringend nötig haben. Wie kostbar ist es, wenn jedem von uns jemand einfällt, zu wem ich gehen kann, wenn ich selbst nicht mehr ein und aus weiß!
Hier bei der Caritas schlägt das Herz der Kirche und das eines jeden verschämten Bedürftigen sollte höherschlagen, wenn er hier Unterstützung erfährt.
Mein außerordentlicher Dank gilt an dieser Stelle gerade auch allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in der Caritas; einige von Ihnen werden heute für Ihren Dienst geehrt. Ein herzliches „Vergelts Gott!“ Ihnen für alle Zuwendung, Zeit und alle geleistete Mühen, für Ihren großartigen Einsatz im Zeichen der Menschlichkeit!
Über die Einladung zur Ulrichstafel habe ich mich sehr gefreut und so wünsche ich Ihnen allen, dass dieser Tag Zuversicht und Freude schenke. Unser gütiger Gott segne Sie alle und die Gaben, die wir nun aus seiner Hand genießen dürfen, zubereitet in Liebe und Fürsorge von so vielen Helfenden!