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Grußwort beim Paneuropa Friedensforum im Augustana-Saal
anlässlich des Augsburger Friedensfestes 2026

„Frieden in Gerechtigkeit aufbauen“

07.08.2026 10:48

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Freund, sehr geehrter Herr Dr. Voß, sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums, meine sehr geehrten Damen und Herren, seien Sie alle herzlich willkommen in der Friedensstadt Augsburg, wo wir alljährlich in den Tagen rund um den 8. August mit einem reichhaltigen Kulturprogramm an die Aussöhnung der christlichen Konfessionen nach den Religionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts erinnern.

Als der später heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. bei seiner Apostolischen Reise durch Deutschland in Augsburg Station machte, hielt er im Rahmen einer ökumenischen Wort-Gottes-Feier am 4. Mai 1987 in der Ulrichsbasilika eine noch heute höchst bemerkenswerte Ansprache, in der er die Frage stellte: „Was wird aus unserer Welt? Was muss geschehen, damit inmitten aller Gefahren das Reich Gottes anbricht, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens?“[1] 

Seit es Menschen gibt, gibt es die Erfahrung von Krieg und Leid sowie die Suche nach Wegen zum Frieden. Die entscheidende Antwort, die Papst Johannes Paul II. damals aus der Heiligen Schrift ableitete, mag uns noch heute bei unseren Überlegungen wegweisend sein, weil sie konfessionelle und nationale Grenzen überschreitet. Sie lautet: „Gottes Reich soll durch Gottes Geist im Innersten der Seinen beginnen und sich von dort ausbreiten.“[2]

Mit Blick auf das Thema des heutigen Friedensforums der Paneuropa-Union Bayern heißt das, dass auch Europa nur dann zu einer Friedensmacht im christlichen Sinne werden kann, wenn Menschen sich dem Geist Gottes öffnen, der Spaltungen überwinden hilft und Einheit stiften will. Daran gilt es mehr denn je zu glauben, weswegen ich an der Stelle noch einmal an den ersten Grundsatz des Bamberger Programms vom 9. Juni 1996 erinnern möchte: „Die Paneuropa-Union bekennt sich zum Christentum als Seele Europas.“[3]

Was genau verstehen wir aus heutiger Sicht eigentlich darunter, und welche konkreten Impulse können wir aus dem christlichen Glauben gewinnen, um den Frieden in Europa und darüber hinaus zu ermöglichen und zu bewahren?

Ich bin schon gespannt, welche Perspektiven wir hierzu bei diesem ersten Friedensforum entwickeln, und ich möchte selbst einen kleinen Beitrag dazu leisten, indem ich Sie auf die erste Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV. hinweise. Allein das Wort „Frieden“ kommt da mehr als sechzigmal vor, was noch einmal deutlich macht, dass dies ein ganz zentrales Leitmotiv dieses Pontifikats werden soll, wie es der Heilige Vater schon bei vielen Ansprachen betont hat. Dabei ist besonders das fünfte Kapitel über „Die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe“ interessant. Dort ruft Papst Leo dazu auf, den „Frieden in Gerechtigkeit aufzubauen“. Wörtlich heißt es da: „Alle, auf welcher Ebene auch immer, können wir zur Grundlage des Friedens beitragen, die die Gerechtigkeit ist. Wir streben nämlich nicht nach irgendeinem Frieden, nach einer Abwesenheit von Konflikten um jeden Preis, sondern nach jenem wahren Frieden, der aus der Gerechtigkeit entsteht.“ (MH 215)

Ist nicht der unsägliche Krieg in der Ukraine ein Beispiel dafür, dass Frieden nicht bedeuten kann, sich nicht mehr zu verteidigen und dem Aggressor alles zu überlassen, so dass am Ende das Recht des Stärkeren gilt statt die Stärke des Rechts? Wie aber bringen wir den christlichen Anspruch auf Gewaltlosigkeit mit dem Einsatz von Waffen in Einklang? Seit Jahrhunderten gibt es dazu eine innerkirchliche Diskussion über die Konkretisierung einer christlichen Friedensethik.

Vor zwei Jahren haben die Deutschen Bischöfe mit ihrem Schreiben „Friede diesem Haus“ einen weiteren Beitrag dazu geliefert. Ziel war es, Wege zur Überwindung von Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen zu finden. Ein wesentlicher Baustein bleibt dabei die Idee eines „gerechten Friedens“, nach der ein dauerhafter Frieden nur unter der Herrschaft des Rechts und im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit gedeihen kann. Länderüber-greifende Institutionen sollen darum gestärkt werden, und gleichzeitig die Bedeutung von Kulturen und Identitäten besser verstanden und berücksichtigt werden. Die Menschenrechte bilden dabei die Grundprinzipien einer inter-nationalen Friedensordnung, die auch vom Aufbau einer nachhaltigeren und gerechteren Wirtschaftsordnung abhängt. Von christlicher Seite gibt es hierzu viele Ansätze und Organisationen. Als Handlungsfelder christlicher Friedens-praxis von besonderer Bedeutung sind zu nennen: Die Förderung von Bildung, caritatives und seelsorgliches Engagement sowie der Dialog mit Verant-wortungsträgern in Politik, Religion und Gesellschaft.

Am Ende aber, und damit schließt sich der Kreis von den Anfängen der Kirche über Papst Johannes Paul II. bis hin zu Papst Leo XIV., kommt der wahre Friede nach christlicher Überzeugung allein von Gott, der alle Menschen bedingungs-los liebt, weswegen wir nicht müde werden dürfen, um den Beistand des Heiligen Geistes zu beten, und gemeinsam (synodal) zu überlegen, welche Schritte es braucht, damit der Friede im Kleinen wie im Großen Wirklichkeit werden kann.

Ich wünsche uns, dass dieses Friedensforum hierzu neue Anregungen vermittelt.

[1]https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/homilies/1987/documents/hf_jp-ii_hom_19870504
_incontro-ecum-augusta.html, 20.07.2026.

[2] Ebd.

[3]https://paneuropa.org/grundsaetze, 20.07.2026.