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Grußwort von Bischof Bertram anlässlich der Ulrichstafel beim Augsburger Caritaszentrum

„Hand in Hand zum Wohle aller“

09.07.2026 15:30

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wurm, sehr geehrter Herr stellvertretender Bezirkstagspräsident Schiele, lieber Herr Caritasdirektor Diakon Müller, lieber Herr Dr. Kiefer, sehr geehrte Damen und Herren, die Sie wieder viel Zeit und Mühe in die Vorbereitungen dieser Veranstaltung gesteckt haben, liebe Gäste aus Nah und Fern, heuer ist es bereits das vierte Mal, dass wir uns im Rahmen der Ulrichswoche an einer großen Tafel versammeln, um miteinander zu essen, zu reden und eine gute Zeit miteinander zu verbringen.

Wir tun dies im Gedenken an den heiligen Bischof Ulrich, von dem überliefert ist, dass er auf seinen vielen Reisen durchs Bistum Augsburg nie zu Abend aß, bevor nicht die Armen versorgt waren, die ihm stets nachfolgten.[1] Als 62. Nachfolger Ulrichs auf dem Bischofsstuhl war es mir beim Ulrichsjubiläum 2023/2024 ein besonderes Anliegen, jene caritative Seite dieses großen Heiligen herauszustellen, der ein Herz hatte für die Menschen in schwierigen Lebenslagen. Von ihm können wir alle lernen, wie wichtig es ist, nie den Blick zu verlieren für andere und zu helfen, wo wir es vermögen.

Heute, über eintausend Jahre später, gibt es in Deutschland die gute Tradition einer engen Vernetzung von Sozialstaat und Wohlfahrtsverbänden. Während der Staat die rechtliche Absicherung und Finanzierung garantiert, setzen Verbände wie die Caritas als unabhängige Träger die sozialen Dienstleistungen in der Praxis um und bieten flächendeckend Hilfe für Menschen in Notlagen an. Gerade in einer Zeit, in der unsere Demokratie immer stärker angefragt ist, sehe ich hierin ein wunderbares Beispiel, bei dem der Staat und die Kommunen mit den Kirchen und der Gesellschaft in Person unzähliger Haupt- und Ehrenamtlicher Hand in Hand zusammenarbeiten, zum Wohle aller!

Meiner Überzeugung nach tun dies die meisten nicht nur deshalb, weil es ihr Arbeitsauftrag ist oder sie eine Verpflichtung darin sehen, sondern weil sie innerlich spüren, dass es gut ist und guttut, für andere da zu sein. Als Christinnen und Christen erkennen wir ja eine ganz wesentliche Berufung darin, dem Beispiel Jesu zu folgen und in jedem Menschen ein Abbild Gottes zu sehen, dessen Würde es unbedingt zu achten gilt. Somit ist die Ulrichstafel auch ein Symbol dafür, dass Gott wirklich alle Menschen an seinen Tisch ruft und gleichermaßen auch uns heute aufträgt, speziell jene Frauen und Männer einzuladen, denen es zurzeit nicht so gut geht (vgl. Lk 14,15-24). Denn daran erkennen wir den Heiligen Geist Gottes, der Menschen zusammenführt und Gemeinschaft stiftet. In diesem Sinne sollen die kommenden Stunden ein Fest sein, bei dem wir spüren können, dass niemand allein gelassen wird.

Doch sollte es nicht bei einem kurzzeitigen Schmaus bleiben, sondern uns motivieren, dass wir das ganze Jahr über diese Gesinnung beibehalten und einander Gutes tun. „Löscht den Geist nicht aus!“ (1 Thess 5,19) lautet das Motto der diesjährigen Ulrichswoche. Das kann man auch so verstehen, dass wir nicht nachlassen dürfen, uns im Glauben an Gott für Benachteiligte einzusetzen, sei es, indem wir selbst Hand anlegen bei den verschiedenen Projekten, oder indem wir öffentlich die Stimme erheben und zu Anwälten derer werden, die oft keine Stimme mehr haben. Wenn jede und jeder von uns, im Rahmen seiner Möglichkeiten, einen Beitrag leistet, werden wir erleben, wie viel schöner das Leben sein kann, für die Menschen hier in Augsburg und weit darüber hinaus.

Darum möchte ich allen danken und Vergelt’s Gott sagen, die in diesem Geist anderen ihre Hand reichen und Hoffnung spenden. Gott segne Sie, und Gott segne unsere Tischgemeinschaft!

[1] Vgl. Gerhard von Augsburg: Vita Sancti Uodalrici. Die älteste Lebensbeschreibung des heiligen Ulrich, Heidelberg 2020, 147.