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Grußwort in der Kirche St. Paul, Augsburg-Pfersee beim Benefizessen der Ökumenischen Vesperkirche

"Meister, wo wohnst du?"

10.03.2026 19:00

Liebe Unterstützer und Förderer der Vesperkirche, [...] „Rabbi, Meister, wo wohnst Du?“ (Joh 1,38) Zwei Männer stellen Jesus diese Frage, als sie ihm nachfolgen möchten. Jesus fragt die zwei Jünger, die ihm hinterherlaufen: „Was sucht ihr?“ Und sie fragen zurück: Wo wohnst du? Den beiden Männern geht es bei ihrer Frage um mehr als nur die Adresse von Jesus. Sie möchten ihn finden, verstehen und wirklich bei ihm sein.

Und Jesus antwortet den beiden Männern mit ihrer tiefen Sehn­sucht: Kommt und seht!

Wo wohnst du, Jesus? Wo kann ich dich finden. Wo bist du zuhause? Vielleicht würde Jesus heute antworten: Kommt hierher in diesen Stadtteil, hier nach Pfersee, hier in die Vesperkirche, hier zu den Menschen, hier zu den Geschichten und Lebensläufen, die die Menschen mitbringen.

Kommt und seht! In die ausgebrannten Herzen und Gesichter, gezeichnet von Krankheit und Armut. Wenn die Menschen von ihrer Einsamkeit, von ihrer Wohnungssituation, von der Beschwerlichkeit des Alltags oder von ihrer Suchterkrankung erzählen.

Kommt und seht! Öffnet die Türen und Herzen. Denn Jesus will uns in diesen 14 Tagen genau hier begegnen. Hier wohnt er.

Als Bischof von Augsburg gehen mir die beiden Männer und ihr Suchen sehr nach. Denn in unserer Gesellschaft finden immer weniger Menschen diesen Jesus, immer weniger suchen ihn in ihrem Leben und fragen: wo wohnst du?

Umso dankbarer bin ich um das ökumenische Projekt der Vesper­kirche. Sie öffnen die Türen von St. Paul für diese Begegnungen.

In der Vesperkirche findet jeder einen Platz – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation. Sie öffnet ihre Türen weit, um Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen miteinander in Kontakt zu bringen. Sie will einen Ort schaffen, an dem Leib und Seele aufatmen können. Eine warme Mahlzeit und ein Getränk stehen für einen symbolischen Euro bereit. Auch kulturelle Angebote, soziale Unterstützung und Gottesdienste stehen auf dem Programm.

Es geht hier nicht nur um eine günstige Mahlzeit, es geht viel mehr um diesen Raum der Begegnung, des Gesprächs und des Miteinanders. Es geht um eine Willkommenskultur, in der jeder Mensch eintreten darf. „Alle an einem Tisch“ heißt mehr als zusammen essen. Es geht um das Menschsein, das im Mittelpunkt steht.

Danke den vielen ehrenamtlichen Helfern, den katholischen und evangelischen Dekanaten, den örtlichen Pfarreien sowie der Caritas und Diakonie, dass Sie alle diese Vesperkirche mit großem Einsatz ermöglichen.

Viele Firmen und Einzelpersonen machen die Vesperkirche mit Sach- und Geldspenden möglich. Ich danke heute allen Spenderinnen und Spendern sowie allen Sponsoren für die großzügige Unterstützung, denn nur so funktioniert dieses wunderbare Projekt.

Im Miteinander und im ökumenischen Geist ist es wieder gelungen, die Türen der Vesperkirche für zwei Wochen zu öffnen. Dieses Miteinander wünsche ich Ihnen und uns allen heute Abend ganz besonders.