1700 Jahre: MAILÄNDER VEREINBARUNGEN

01.03.2013 11:55

Tagung des Akademischen Forums am Freitag, 15. Februar 2013

 

 
GLAUBEN IM ZWANG STAATLICHER INTERESSEN

Augsburg. Konstantin war der erste römische Kaiser, der das Christentum nicht nur legalisierte, sondern auch großzügig mit Privilegien ausstattete. Die Kirche erhielt Grundbesitz, stattliche Basiliken wurden errichtet und in die Gesetzgebung gingen nach und nach christliche Werte ein. Mit den Mailänder Vereinbarungen vor 1700 Jahren zwischen Konstantin und Licinius, die Kaiser des West- und des Ostteils des Römischen Reiches, wird das Verhältnis von römischen Staat und christlicher Religion auf eine neue Grundlage gestellt.

Dies wirft jedoch Fragen auf: Handeln die beiden Kaiser aus religiöser Überzeugung? Oder sind es politische Interessen? Wie beeinflusste die Fülle weltlicher Macht das noch junge Christentum in seiner Entwicklung? Und grundsätzlich: Inwieweit sind die Mailänder Vereinbarungen unter dem Aspekt der Religionsfreiheit zu deuten?

Eine Tagung im Akademischen Forum stellte sich diesen Fragen und reflektierte den aktuellen Stand der historischen Forschung. Prof. Dr. Gregor Wurst vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Universität Augsburg stellte die Textgrundlage der Mailänder Vereinbarungen vor und erschloss die Vorgeschichte aus der Sicht des Christentums als einer Minderheitsreligion. Eine Religionsfreiheit im heutigen Sinn verneinte Prof. Wurst. Vielmehr ermöglichten die Mailänder Vereinbarungen nur das Recht auf freie Religionsausübung.

Prof. Dr. Petar Vrankic, emeritierter Kirchenhistoriker der Universität Augsburg, zeigte in seinem Vortrag auf, wie Kaiser Konstantin die christliche Minderheitenreligion im Reich integrierte, ohne die nichtchristliche heidnische Bevölkerungsmehrheit allzu sehr zu beeinträchtigen. Dass das Christentum zu einer Weltreligion wurde, verdanke es im wesentlichen der systematischen Christianisierungspolitik Konstantins.

Prof. Dr. Jörg Ernesti von der Hochschule Brixen erläuterte, wie sich die Kirche im Laufe der Jahrhunderte selbst schwer tat, Religionsfreiheit zuzulassen. Erst mit der Erklärung über die Religionsfreiheit auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen.