Abendveranstaltung des Akademischen Forums am 27. Oktober 2008

29.10.2008 11:32

60 JAHRE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT IM FOKUS DES AKADEMISCHEN FORUMS -
Weihbischof Anton Losinger, Norbert Walter und Randolf Rodenstock diskutierten

Die Referenten des Abends: Dipl.-Phys. Randolf Rodenstock, Prof. Dr. Norbert Walter, Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger (v. li.).

Augsburg (IBA). Unter das Thema „60 Jahre Soziale Marktwirtschaft. Zwischen ‚Wohlstand für alle’ und ‚Gefühlter Ungerechtigkeit’“ hatte das Akademische Forum der Diözese Augsburg eine Diskussionsveranstaltung mit Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank Professor Dr. Norbert Walter und dem Präsidenten der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft Randolf Rodenstock gestellt. Der Leiter des Akademischen Forums, Professor Dr. Adalbert Keller, betonte, dass die Frage, ob der Mensch noch Sinnziel des Wirtschaftens sei, es nahe lege, sich mit der Idee und dem Fundament der Sozialen Marktwirtschaft zu befassen.

Weihbischof Anton Losinger betonte in seinem Vortrag die Personenwürde auch in der Wirtschaft. Er wies in diesem Zusammenhang auf Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils hin, dass der Mensch Ursprung, Träger und Ziel allen Wirtschaftens ist. Dabei stellte er die Eckpunkte der katholischen Soziallehre dar, zu deren wesentlichen Begriffen Subsidiarität, Solidarität, Verantwortung und Gerechtigkeit gehören. Die moderne katholische Soziallehre wurde begründet von Papst Leo XIII. (1878-1903) mit dessen Enzyklika „Rerum novarum“ 1891. Insbesondere Papst Johannes Paul II. stellte sich in die Tradition von „Rerum novarum“ und den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils und widmete sich 1981 in seiner Enzyklika „Laborem exercens“ der Würde der menschlichen Arbeit und in seiner Enzyklika „Centesimus annus“ 1991 der sozialen Frage.

Professor Norbert Walter betonte, dass das System „Marktwirtschaft“ ursprünglich die Antwort auf ein geschlossenes System der Zünfte gewesen ist. Dabei habe der englische Philosoph Adam Smith bereits im 18. Jahrhundert ethische Überlegungen in den Fokus seiner Betrachtungen gestellt. In der Denktradition von Adam Smith habe auch Professor Ludwig Erhard, von 1949 bis 1963 Bundeswirtschaftsminister und von 1963 bis 1966 Bundeskanzler, gestanden. Erhard gilt als „Vater der Sozialen Marktwirtschaft“ und des „Wirtschaftswunders“, unterstützt durch den Wirtschaftswissenschaftler und damaligen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Alfred Müller-Armack, der den Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ 1947 einführte. Walter kritisierte, dass unter anderem in Deutschland derzeit das Prinzip der Nachhaltigkeit auch aufgrund eines exzessiven Individualismus verletzt und der biblische Ruf Gottes „Gehet hin und mehret euch“ nicht mehr gehört werde. Für eine funktionierende Soziale Marktwirtschaft seien jedoch die Familie und damit der demografische Faktor von entscheidender Bedeutung, so Walter in Anlehnung an den österreichischen Ökonomen Friedrich von Hayek (1899-1992).

Randolf Rodenstock stellte die Position aus der Sicht der Bayerischen Wirtschaft dar. Er trat dafür ein, die seiner Ansicht nach „denaturierte“ Soziale Marktwirtschaft zu revitalisieren und vor allem mehr in die Bildung zu investieren, die für den Wettbewerb notwendig sei.

Information Bistum Augsburg (IBA)