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ANTI-MAGIER, WUNDERTÄTER, MÄRTYRER. Petrus in den Petrusakten und anderen frühchristlichen Texten

30.06.2023 11:33

Vortragsabend im Akademischen Forum am Mittwoch, 28. Juni 2023

Prof. Dr. Stephan Witetschek

Im Neuen Testament wird Petrus relativ ausführlich behandelt, aber nach 50 n. Chr. verliert sich seine Spur. Dabei hat gerade die Phase seines Lebens, die im Neuen Testament nicht vorkommt, in der christlichen Tradition eine beachtliche Wirkung entfaltet: Bekannt ist Petrus als erster Bischof von Rom, aber auch als kopfüber gekreuzigter Märtyrer.

In seinem Vortrag beleuchtete Prof. Dr. Stephan Witetschek von der LMU-München einige Aspekte des nach-neutestamentlichen Petrus. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen Textüberlieferungen aus den sogenannten Petrusakten, die ein Bild von Petrus zeichnen, das im späten 2. Jahrhundert äußerst populär war und zu weiteren Fortschreibungen führten.

So stand - nach einer kurzen Einführung in die Biografie des Apostels, wie sie uns die neutestamentlichen Quellen überliefern - zunächst die Reise des Apostel Petrus nach Rom und seine Auseinandersetzung mit dem Magier Simon im Mittelpunkt. Dieser Magier Simon spaltete mit gnostischen Predigten und Zaubereien die römische Gemeinde. Petrus trat mit der Autorität des von Jesus berufenen Apostels und Augenzeuge des Auferstandenen auf und widerlegte die Verkündigung des Magiers. Schließlich stürzte Simon bei einer Flugdemonstration aufgrund des Bittgebetes Petri ab, brach sich den Unterschenkel und starb daran wenige Tage später.

Im Vortrag wurden auch die verschiedenen Wundertaten des Apostels vorgestellt und sein Märtyrertod in Rom näher beschrieben. Dazu zitierte der Referent aus den Quellen der Petrusakte die Verurteilung und die Hinrichtung Petri am Kreuz, die auf eigenen Wunsch kopfüber vollzogen wurde.

Ein dritter Teil des Vortrages befasste sich schließlich mit der Rolle des Apostels als erster Bischof von Rom und eine sich daraus ableitende Vorrangstellung innerhalb der frühen Kirche. Beide Rollen sind für die ersten beiden Jahrhunderte nur schwer zu belegen – die Forschung zeigt für diese Zeit ein sehr unscharfes Bild.

Eine lebendige und angeregte Diskussion mit den Teilnehmern rundete den Abend ab.