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DAS AUGE DES HARLEKIN. Der Künstler Maximilian Rueß (1925 - 1990)

25.11.2025 19:00

Vortrag zum 100. Geburtstag des Diözesankunstpreisträgers Maximilian Rueß mit Willibald Herrmann, StD i.R. in Kooperation mit der keb Kempten-Oberallgäu in Kempten

Harlekin von M. Rueß; Bildrecht Stadt Kempten

Anlass der Veranstaltung war der 100. Geburtstag des Allgäuer Künstler Maximilian Rueß, der sich vielfach auch mit religiösen Themen auseinandersetzte und 1978 den KUnstpreis des Bistums Augsburg verliehen bekam, der aktuell nicht mehr vergeben wird.

Frederic-J. Kaminski führte in einem einführenden Vortrag zum Verhältnis von Kunst und Glauben in der aktivsten Schaffenszeit von Rueß ein. Ausgehend von der als Künstlermesse in die Geschichte eingegangene Einladung des kunstbegeisterten Hl. Papstes Paul VI. Montini stellte er wesentliche Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils, insbesondere in dem Dekret über die Liturgie Sacrosanctum Concilium und der Kirchenkonstitution Gaudium et spes dar. Ausgangspunkt dieser Ausführungen ist ein zentraler Gedanke, den PAul VI. in der Predigt zur Künstlermesse in der Sixtina so skizziert:

"Il Papa è vostro amico...

Diese Freundschaft ergibt sich daraus, dass der Künstler, der sich darum bemüht den christlichen Glauben zu verstehen und mitzuleben eine einzigartige Gabe besitzt, die dem priesterlichen Dienst sehr ähnlich ist, ja sogar Anteil am Priesteramt hat."

Gerade wegen dieser engen VErbindung von kreativem künstlerischen Schaffen und Glauben betont der Pontifex die Eigenständigkeit und Freiheit der Künste.

Als intimer Kenner des Werks von Ruess erwies sich Willibald Herrmann, StD i.R. Mitreißend und bis in Details hinein kundig führte er durch verschiedene Schaffensperioden, dabei immer den roten Faden seiner Reflexion vor Augen, dass Ruess Konventionen hinterfragen will, zu dem, was Menschsein ausmacht durchbrechen will, wie das eben auch die Aufgabe des Harlekin ist, um den Titel wiederaufzunehmen.

Herrmann fasst seine Ausführung selbst wie folgt zusammen:

Maximilian Rueß, 1925- 1990, war ein Künstler der Aufbruchzeit, nach Krieg und Nationalsozialismus. Die Schrecken dieser Zeit hat er innerhalb der eigenen Familie miterlebt. Der breite Strom des Kunstgeschehens war durch das NS-Regime gewaltsam gestoppt worden. In München fand er bei seinem Studium an der Kunstakademie nur ein Rinnsal vor. Welche Anregungen für sein künstlerisches Schaffen gab es?

Der Harlekin wurde sein Freund, der ihn in der Not seines Künstlerseins beistand. Denn das Wirtschaftswunder begeisterte sich an dem ‚life of Amerika‘, nicht aber an Kunst. So wurde ihm Leid und Gebrochenheit des Menschen zutiefst vertraut. Der christliche Glaube blieb Fundament, ebenso seine Vertrautheit mit dem Allgäu.  Nicht umsonst wandert er später  von München zurück nach Oberstdorf. Die Faszination der Bergwelt ließ ihn nicht los. Sein Werk ist breit gefächert: Der Brunnen von Schloss Zeil sowie die ‚Pieta‘ in der Krypta des Doms von Augsburg erinnern an ihn als Bildhauer. Innovative Raumgestaltung wie  in Oberstdorf war ihm nicht fremd. Sein größtes Engagement galt ihm später die Malerei.  Es sind Kleinodien, z.T. fast schon abstrakte Werke. Sammler finden sich in Hamburg, wie in Venezuela und Südafrika. Ausstellungen und Kunstpreise ehrten ihn immer wieder in Schwaben. 1978 erhielt er den Kunstpreis der Diözese Augsburg. 1993 fand die erste große Retrospektive in Augsburg, Schätzler Palais statt.