„DAS BEDEUTET, EINE NEUE KIRCHE ZU BAUEN“

08.10.2018 17:59

Abendveranstaltung am 4. Oktober 2018 im Akademischen Forum anlässlich der Disputation von Kardinal Thomas Cajetan mit Martin Luther in Augsburg vor 500 Jahren

Prof. DDr. Thomas Marschler, Universität Augsburg

 

 

Die Disputation in Augsburg: Ein Wendepunkt der Reformationsgeschichte

Augsburg im Oktober 1518: Das Verhör Martin Luthers durch Kardinal Thomas Cajetan sollte „väterlich und nicht richterlich“ sein. Das war die Zusage. Vor allem aber sollte der aufgeheizte Konflikt zwischen Rom und Wittenberg gebremst werden.

Doch die Streitthemen über Ablass, Gerechtigkeit Gottes, Buße, Reue, Fegefeuer, Glaubensgewissheit und Konzil spitzten sich schließlich auf die Frage nach dem päpstlichen Primat zu. Die Stimmung eskalierte. Hart wurden nun die Verhandlungen geführt, die jedoch zu keiner Einigung führten. Am Ende steht die Aufforderung an Luther: „Widerrufe!“

Und doch wurde gerade dieses Augsburger Gespräch zu einem ersten Wendepunkt in der Reformation. Professor Thomas Marschler, Dogmatiker an der Universität Augsburg, zeigte zunächst anhand der sehr unterschiedlichen Biografien von Thomas Cajetan und Martin Luther auf, wie sich daraus auch das unterschiedliche Kirchenverständnis begründen lässt. Zum anderen brachte die Augsburger Disputation eine akademische Auseinandersetzung der Streitpunkte mit sich. Luther musste seine Position theologisch überdenken. Am Ende zeigte sich, dass mit dem Gespräch in Augsburg auch eine realistische Chance verspielt war, einen Bruch zu verhindern.