DER DARK-FAKTOR. Der dunkle Faktor der Persönlichkeit oder: Was böse Menschen gemeinsam haben

02.06.2021 13:55

Online-Vortragsabend im Akadmeischen Forum am Freitag, 7. Mai 2021

Ein Blick in die Abgründe des Menschen

Wissenschaftler zahlreicher Disziplinen fragen seit Langem, was Menschen zu bösen Taten treibt. Aus der Psychologie wissen wir, dass neben situativen Einflüssen in der Person selbst liegende Faktoren eine zentrale Rolle spielen. In Hinblick auf letztere war die bisherige Antwort der Psychologie, dass das Böse viele Gesichter trägt, die sich in verschiedenen „dunklen“ Persönlichkeitsmerkmalen äußern. Menschen können maßlos egoistisch, gehässig, narzisstisch oder sadistisch sein und werden sich daher in ihren Antrieben auch unterscheiden.

Professor Morten Moshagen, Leiter der Abteilung Psychologische Forschungsmethoden an der Universität Ulm, konnte nun mit zwei weiteren Kollegen nachweisen, dass eine dunkle Eigenschaft selten alleine kommt: Wem eine hohe Ausprägung auf einer Eigenschaft zu eigen ist, wird auch ein beträchtliches Maß einer anderen dunklen Eigenschaft aufweisen. Daraus ergibt sich die Frage, ob nicht doch mehr Gemeinsamkeiten existieren als bisher angenommen wurde - oder anders gefragt: Lässt sich hinter den vielen Gesichtern des Bösen letztlich ein und dieselbe Fratze identifizieren?

In seinem online Vortrag, zu dem sich über 70 Teilnehmer zugeschaltet hatten, stellte er dar, wie hinter all diesen verschiedenen Formen menschlicher Abgründe eine gemeinsame Basis, die als „Dark Faktor“ der Persönlichkeit bezeichnet wird, steckt. Hierzu stellte Moshagen die analytischen Methoden vor, wie der Dark Faktor identifiziert werden konnte, was ihn auszeichnet und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Auf der Grundlage der Unterscheidung von introvertierten und extrovertierten Personen zeichnete Moshagen zunächst ein Bild, wie sich dunkle Persönlichkeitsstrukturen jeweils ausprägen. Die prominentesten Dark Traits sind die Komponenten der “Dunklen Triade”:

Narzissmus (Selbstbestätigung der eigenen Großartigkeit), Machiavellismus (Zynismus, fehlendes Mitleid, strategische Manipulation) und Psychopathie (Defizite im Affekt: Gefühllosigkeit, Mangel an Schuldgefühl, Rücksichtslosigkeit und Impulskontrolle). Mit Hilfe weiterer dunkler Persönlichkeitsmerkmale (Egoismus, übertriebene Ansprüchlichkeit, Gehässigkeit, Sadismus, moralische Enthemmung, Selbstbezogenheit) konnte nun der persönliche Dark-Faktor ermittelt werden, der sich je nach Person unterschiedlich ausgeprägt zeigt.

Wesenskern dieses Dark-Faktors ist „die Tendenz seinen Nutzen zu Lasten anderer zu maximieren und die Kosten für andere nicht zu bemerken, in Kauf zu nehmen oder böswillig hervorzurufen-einhergehend mit Überzeugungen, die als Rechtfertigung dienen“.

Moshagen zeigte auf, wie sich dieser Dark-Faktor z. B. geschlechterspezifisch oder in unterschiedlichen Altersstufen etc. ausprägt, welche Stabilität diesem zugemessen werden kann und was ein Ländervergleich aussagt.