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DIE KIRCHENLEHRERIN THÉRÈSE VON LISIEUX. Zur Hundertjahrfeier ihrer Heiligsprechung

01.10.2025 18:30

Vorträge von Prof. Pater DDr. Michael Plattig OCarm am 1.10.2025

Prof. Pater DDr. Michael Plattig OCarm

Die tiefe Verbindung, die Prof. Pater DDr. Michael Plattig OCarm, Professor für Theologie der Spiritualität und Leiter des Instituts für Spiritualität an der PTH Münster wissenschaftlich und spirituell mit dem Werk der Heiligen Thérèse von Lisieux hat, nahm die zahlreichen Teilnehmenden der Veranstaltung am Gedenktag der Heiligen schnell ein. Als kleine Aufmerksamkeit wurden am Abend allen, die Namenstag feierten, eine weiße Rose überreicht. Die Rose ist das Attribut der Hl. Therese. Zu Beginn der Veranstaltung führte Frederic-J. Kaminski aus, wie bemerkenswert die große Aufmerksamkeit aller Päpste seit der Seligsprechung Thereses für ihr spirituelles Erbe ist, das viele Male nachdrücklich als Orientierung für die persönliche Lebensführung, die Gemeinschaft der Kirche und die Theologie vorgestellt wurde.

P. Michael Plattig reflektierte in einem ersten Vortrag zunächst über Leben und spirituellem "Werdegang" Thereses, um dann empathisch und begeisternd ihre Lebens- und Glaubensorientierung im „kleinen Weg“ für heute vorzustellen. Gewürzt mit auch persönlichen Eindrücken ging P. PLattig in seinem zweiten Vortrag auf die Bedeutung der Hl. Theresia vom Kinde Jesu als Kirchenlehrerin für die Theologie ein. 

Er selbst fasst seine umfassende, doch immer auch lebenspraktische Würdigung wie folgt zusammen:

Ein aktueller Beitrag zur christlichen Identität

Thérèse von Lisieux ist eine der bekanntesten Heiligen, ihre Autobiographie „Geschichte einer Seele“ gehört zu den am meisten übersetzten und verkauften Büchern der geistlichen Tradition.

Was zieht die Menschen an?

Thérèse erzählt in einfachen und klaren Worten die Geschichte ihrer Gottesbeziehung, von ihrer Kindheit an bis kurz vor ihrem Tod. Wenn auch der manchmal blumige Ton gewöhnungsbedürftig ist, zeigt sich ein Weg einzigartiger Radikalität und Konsequenz.

Thérèse glaubte mit allen Fasern ihres Wesens und sie nimmt Gottes Zusage und Verheißungen ernst und baut ihr Leben darauf. Ihr radikales Vertrauen auf Gott führt sie zur Beschreibung ihres sog. „kleinen Weges“, der jegliches Leistungsdenken in der Frömmigkeit und jede spirituelle Kraftmeierei ablehnt. Ein Weg, der sich sehr nüchtern auf die Fundamente des Christseins beruft.

Trotzdem sie mit einer Ausnahme nie aus der französischen Provinz herauskam und als klausurierte Nonne abgeschieden im Karmel von Lisieux lebte, nahm sie Anteil an den Entwicklungen ihrer Zeit und versuchte ihre geistliche Antwort zu geben, die sie in die Krise der Dunklen Nacht und bis an den Rand des Atheismus führte. Doch Papst Johannes Paul II. erklärte sie 1997 zur Kirchenlehrerin.

Zum Abschluß des Abends sprach P. Plattig gemeinsam mit den Teilnehmenden 

Liebe heilige kleine Thérèse,
die Kirche ist darauf angewiesen, dass die Farbe, der Duft
und die Freude des Evangeliums in ihr erstrahlen.
Schick uns deine Rosen! Hilf uns, so, wie du es getan hast,
stets auf die große Liebe zu vertrauen, die Gott für uns hegt,
auf dass wir jeden Tag deinen kleinen Weg der Heiligkeit
nachahmen können.
Amen. 

Lektüreempfehlung:

Thérèse von Lisieux, Selbstbiographische Schriften: Authentischer Text, Johannes Verlag Einsiedeln 2009.

Michael Plattig, Ich wähle alles. Leben und Botschaft der Hl. Thérèse von Lisieux. Münsterschwarzacher Kleinschriften 167, Vier-Türme Verlag Münsterschwarzach 2008.