DIE VERMESSUNG DES MENSCHEN. Zur Ethik von Big Data und Gesundheit

14.02.2019 18:32

Abendvortrag am Donnerstag, 31. Januar 2019 im Akademischen Forum mit dem Moraltheologen Eberhard Schockenhoff

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe an der Universität Freiburg und bis 2016 Mitglied im Deutschen Ethikrat

 

 

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung muss erhalten bleiben

Das Thema „Big Data und Gesundheit“ hatte gerade für Augsburg einen sehr aktuellen Bezug: seit Januar 2019 ist das Klinikum Augsburg offiziell Universitätsklinik. Bereits seit Oktober 2018 gibt es 44 Studenten für das Fachgebiet „Medizinische Informatik“. Der Studiengang wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 120 Millionen Euro aufgebaut und unterstützt. Ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig dieser Bereich für die Zukunft sein wird.

Vor den über 80 Zuhörern zeigte Prof. Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe an der Universität Freiburg und bis 2016 Mitglied im Deutschen Ethikrat, auf, wie Big Data auch in der Medizin und im Gesundheitswesen neue Möglichkeiten eröffnet. Durch die Analyse genetischer Daten, die sich von jedem Menschen in kürzester Zeit ermitteln lassen, lässt sich ein individuelles Risikoprofil erstellen, das Auskunft über künftige Krankheitsrisiken gibt. Ebenso kann das voraussichtliche Ansprechverhalten eines Patienten auf bestimmte Medikamente im Voraus getestet werden, was zur Optimierung des Therapieerfolges oder zumindest zur Minimierung von Nebenwirkungen beitragen kann.

Neben den Chancen sind allerdings auch Gefahren des Einzugs von Big Data in den Behandlungsalltag vorhersehbar. Lange bevor eine Erkrankung ausbricht, kann ein Mensch in eine Art vorläufigen Patientenstatus gedrängt werden, da er sich aufgrund des Wissens um die künftige Gefährdung nicht mehr als wirklich gesund fühlt, aber auch noch nicht krank ist. Zudem können Risikoanalysen immer nur Wahrscheinlichkeitsaussagen ergeben, die ebenso zu falschen Verunsicherungen wie zu unnötigen prophylaktischen Behandlungsmaßnahmen führen können, von denen die Betreffenden keine medizinischen Nutzen haben.

Der Vortrag führte den revolutionären Wandel medizinischer Behandlungsmöglichkeiten im Gefolge von Big Data vor Augen und erörtert seine ethische Problematik. Eine lebendige und kritische Diskussion schloss sich dem Vortrag an.