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FIBEL VON WITTISLINGEN. Ein Sensationsfund im 19. Jahrhundert

12.07.2022 11:05

Kooperationsveranstaltung des Akademischen Forums mit Markt Wittislingen, KEB-Dillingen e.V. und Historischer Verein Dillingen in der Mittelschule Wittislingen am Freitag, 8. Juli 2022

Dr. Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München präsentierte die Bügelfibel in Wittislingen

1881 entdecken Arbeiter beim Steinbrechen in Wittislingen (Lkr. Dillingen a. d. Donau) prachtvolle Gegenstände. Schon bald erreicht die Kunde eine breite, interessierte Öffentlichkeit und ein regelrechtes Tauziehen um die frühmittelalterlichen Kostbarkeiten beginnt, die sich heute in der Archäologischen Staatssammlung München befinden. Bei weitem ist noch nicht jedes Geheimnis um den „Schatz“ und sein bekanntestes Stück, die einzigartige Bügelfibel (s. Titelblatt), gelüftet.

Erstmals konnte nun bei einer Veranstaltung des Akademischen Forums am Freitag, 8. Juli 2022 diese Bügelfibel wieder in Wittislingen präsentiert werden. Zahlreiche Menschen aus Wittislingen und dem Umland nutzten die Gelegenheit, die Fibel im Original aus der Nähe zu betrachten.

Bei einem Abendvortrag mit über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Schulaula der Mittelschule Wittislingen präsentierte Dr. Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München neueste Forschungsergebnisse zu diesem „Triple A“-Objekt, die sich aufgrund fortgeschrittener Methoden und zahlreichen Vergleichsfunden in den letzten Jahren ergeben haben. So zeigt der Datenbankvergleich mit zehntausenden weiterer frühmittelalterlicher Fundkomplexe die Singularität der Wittislinger Fundstücke und insbesondere der Bügelfibel. Vergleichsobjekte stellten hier lediglich die Königinnengräber in Saint-Denis und Köln dar, was nahelege, dass auch die „Fürstin“ mit der königlichen Dynastie in enger Verbindung gestanden sei. Möglicherweise, so schlug Haas-Gebhard vor, habe das Königshaus den Versuch unternommen, einen lokalen Clan durch Heirat zu binden, was das Nebeneinander von regionalen und überregionalen Fundstücken erklären könnte.

Vor allem drei Herkunfts- bzw. Beziehungsschichten der Funde ließen sich feststellen: Mittelmeerraum, Westen (Mittelrheingegend, Frankreich, Gegend um Kaiseraugst), die Region um Wittislingen. Der hohe Materialwert der Funde (86 g Gold, 392 g Silber, 1478 g Buntmetall) korrespondiere mit der großen Anzahl von Sonderanfertigungen und dem repräsentativen Symbolgehalt der Stücke – allen voran der um 600 im süddeutschen Raum gefertigten großen Bügelfibel.

Das vermeintlich heidnische Bildvokabular auf manchen Gegenständen (Schlangen-, Eberköpfe, etc.) interpretierte die Archäologin nicht gemäß gängigen synkretistischen Kategorien, sondern profilierte jene ikonographische Sprache als Zeichencode einer christlichen Elite. Insgesamt zeige sich allenthalben ein hoher Grad an Exklusivität.