Gesprächskonzert des Akademischen Forums und des Leopold-Mozart-Zentrums am 5. April 2008

07.04.2008 12:13

Schubert und die Sehnsucht -

Gesprächskonzert Neue Sinfonie Augsburg und Prof. Dr. Adalbert Keller erschließen die Sinfonien des früh vollendeten Romantikers

Konzertmeister Prof. Bernhard Tluck (li.) und Prof. Dr. Adalbert Keller.

„Man muss dem Wesen Schuberts näher kommen, wenn man sein Werk tiefer verstehen will“, hatte Prof. Dr. Adalbert Keller, Leiter des Akademischen Forums der Diözese, vor dem Konzert erklärt und damit nicht zuletzt an die im Oktober 2006 aufgeführte musikalische Akademie „Mozart – der Mensch und mehr“ der ersten erfolgreichen Zusammenarbeit mit Prof. Bernhard Tluck vom Leopold-Mozart-Zentrum der Universität angeknüpft. „Alles, was Schubert zu sagen hat, ist in der Melodie, in der Harmonie und dem Klang hörbar“, sagte Keller. Dies näher zubringen hatte sich das Gesprächkonzert „Schubert – Sehnsucht nach Vollendung“ zur Aufgabe gemacht. Im voll besetzten Kleinen Goldenen Saal zeigte es sich dieser Aufgabe souverän gewachsen. In Verbindung mit dem Leopold-Mozart-Zentrum brachte die Neue Sinfonie Augsburg, ein projektbezogenes Orchester, mit ihrem Konzertmeister Prof. Bernhard Tluck Schuberts „frühe“ Sinfonie Nr. 5 in B-Dur und die „späte“ Sinfonie Nr. 7 in h-Moll, die Unvollendete, zu Gehör, gab gleichsam ihr eindrucksvolles Debüt.

Mit Tonbeispielen angereicherte Informationen, die weit über die üblichen formellen hinausreichen und von Adalbert Keller in rhetorischer Brillanz dargebracht wurden, ließen Schuberts Sehnsucht in Wort und Klang greifbar werden. Ausdrucksstark, mit dynamischem Druck und fernab der romantischen Verklärung donnert die 5. Sinfonie auf ihre Zuhörer nieder. Wie sehnsüchtig, wie frohlockend, wie leicht und hochdramatisch zugleich erklang das Werk aus den Händen der Neuen Sinfonie Augsburg, die mit punktgenauen Staccati und intonationsreinen Legati in eine Welt selten gehörter Klangpracht entführte.

Wie schmerzlich tönte die 7. Sinfonie, die Unvollendete, aus nur zwei Sätzen bestehend und doch so vollendet, deren abgrundtiefe Sehnsucht in voller Wucht aus den Noten sprach. Das war keine Schwärmerei, die sich da Bahn brach, sondern die aus der Tiefe der Seele hervorkommende existenzielle Frage. Drei Stunden währte der informationsreiche Abend, der Leben und Werk des großen Komponisten Schubert zu einer untrennbaren Einheit verschmolz. Ein gelungenes Unterfangen, das mit großem Applaus belohnt wurde und den Wunsch nach Fortsetzung nahe legte.

Eric Zwang Eriksson, Augsburger Allgemeine Zeitung, 8. April 2008, Seite 37