FRÜHCHRISTLICHE ZEUGNISSE IN AUGSBURG

02.10.2019 15:38

Abendvortrag im Akademischen Forum am Freitag, 27. September 2019

Dr. Sebastian Gairhos, Stadtarchäologe Augsburg

 

 

1600-jährige christliche Tradition in Augsburg

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zum Abendvortrag über Frühchristliche Zeugnisse in Augsburg in das Haus Sankt Ulrich gekommen. Und der Vortrag hatte es in sich: Stadtarchäologe Dr. Sebastian Gairhos präsentierte in einer eindrucksvollen Zusammenschau alle frühchristlichen Spuren, die sich archäologisch in Augsburg finden lassen.

In der römischen Provinz Rätien ist nur für das Munizipium Aelia Augusta, heute Augsburg, das Stadtrecht sicher bezeugt. Jüngere archäologische Untersuchungen sowohl in den spätantik-frühmittelalterlichen Siedlungsbereichen als auch in den Gräberfeldern gewähren neue Einblicke in die spätrömische Großstadt und ihre kontinuierliche Entwicklung im frühen Mittelalter. Bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts lässt sich innerhalb der Stadtmauer flächige Besiedlung auf über 60 ha, die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und der florierende Absatz von Handelsgütern aus dem gesamten Römischen Reich nachweisen.

Bedeutende Funde zeigen das Aufkommen christlichen Gedankenguts. Auch im frühen Mittelalter ist die besiedelte Fläche mit etwa 15 ha rund um den heutigen Dom bemerkenswert groß. Im Gräberfeld um die Memoria der Märtyrerin Afra wird bis mindestens ins 7. Jh. die städtische Bevölkerung fassbar, die sich in ihren Bestattungsbräuchen signifikant von den zeitgleichen Bewohnern der benachbarten ländlichen Siedlungen unterscheidet.

Vor diesem Hintergrund erläuterte Gairhos auch die historischen Quellen auf ihre Aussagemöglichkeiten zum spätantiken Christentum in Augsburg und zur Kirchenorganisation in Rätien. Im Fokus stand dabei die Frage nach einem spätrömischen Bischofssitz und dessen Kontinuität bis in karolingische Zeit.