Theologisches Kolloquium über die ältesten Glaubenszeugnisse der Auferstehung Jesu mit Thomas Söding im Akademischen Forum am Freitag, 6. März 2015
DEM OSTERGEHEIMNIS AUF DER SPUR
Der Glaube kann keine historischen Fakten setzen, aber dass etwas mit den Jüngern passiert sein muss, ist nicht zu leugnen. Sie müssen etwas erlebt haben, das sie ermutigte und Ansporn gab, die Botschaft vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu zu verkündigen. „Kurz nach Jesu Tod bildete sich eine Überlieferung mit starker Dynamik“, sagt Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum.
Im gut besuchten Haus Sankt Ulrich stellte er die ältesten Osterzeugnisse vor und ordnete sie mit Blick auf ihre Aussagekraft und Glaubwürdigkeit ein. Ausgehend vom Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde von Korinth mit dem ältesten erhaltenen Osterzeugnis entfaltete Söding anhand weiterer Textstellen bei Paulus den Glauben der frühen Christen an die Auferstehung. Eine andere Sichtweise auf die Auferstehung geben die Glaubenserzählungen der Evangelisten, die zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich verfasst wurden und einen anderen Akzent setzen: sie berichten in einer mehr bildreichen Sprache als theologischen Reflektion von der Auferstehung Jesu und versuchen bereits ersten Einwänden entgegen zu treten. (Der Tote könnte nur scheintot gewesen sein; der Leichnam könnte gestohlen worden sein).
Schließlich entfaltete Söding die Auferstehung Jesu als Grund unserer eigenen Auferstehung in den Glaubensreflexionen in den Briefen des Apostel Paulus. Diese zeigen, dass auch die frühen Christen Probleme hatten, sich die Auferstehung vorzustellen. Wer nimmt an der Auferstehung teil? Wie soll das geschehen? Welches Leben werden die Toten bei Gott haben? Im Brief an die griechische Gemeinde von Thessaloniki entwirft Paulus „ein gigantisches Drehbuch mit apokalyptischen Vorstellungsbildern“, dass es zwischen Lebenden und Toten am Ende der Zeit keine Vorteile geben wird und dass alle einbezogen sein werden.