GLAUBE UND MACHT. Der Dreißigjährige Krieg in Nördlingen und im Bistum Augsburg

22.10.2018 18:17

Veranstaltung des Akademischen Forums in Zusammenarbeit mit Katholische Erwachsenenbildung Donau-Ries, Evangelisches Bildungswerk Donau Ries, Bildungswerk Oettingen, VHS Nördlingen, VHS Harburg am 19. Oktober 2018 in Nördlingen

Die Referenten: Bistumshistoriker Domkapitular Dr. Thomas Groll und Dr. Wilfried Sponsel, Stadtarchivar Nördlingen

 

 

Schwaben: ein Land so recht zum Ausplündern

 

Vor 400 Jahren am 23. Mai 1618 begann der 30jährige Krieg, der eine Welle von Gewalt entfesselte, die über ganz Europa rollte. Jede Ortschaft in Schwaben und Umgebung erlebte ihre eigene Geschichte von Hunger, Krankheit und Not, von Raub und Totschlag.

In zwei Vorträgen wurde diese Zeit vor dem geistigen Auge wieder lebendig.

Der Augsburger Bistumshistoriker Domkapitular Dr. Thomas Groll zeigte in seinem Vortrag auf, wie sich der Krieg auf das Bistum und die Bischofsstadt Augsburg auswirkte. Nachdem sich die Kriegshandlungen in den Süden verlagerten eroberte 1632 Gustav Adolf Schwaben. Die Reichsstadt ergab sich kampflos, 300 katholische Geistliche wurden der Stadt verwiesen und Stiftskirchen wurden als Ersatz für 1629 abgebrochene evangelische Kirchen protestantisch. 1635 wurde die Stadt nach langen Blockaden, die Not, Hunger und Seuchen verursachten, an die bayerische Armee übergeben. Die genannten Kirchen wurden den Katholiken zurückgegeben, während die Evangelischen ihre Gottesdienste im Hof des Anna-Kollegs feiern mussten. Ein Rezess von 1649 zum Westfälischen Frieden schrieb endlich die Parität für Augsburg fest und bestimmte, dass alle städtischen Stellen doppelt besetzt werden mussten.

Dr. Wilfried Sponsel, Stadtarchivar von Nördlingen, beschrieb in seinem Vortrag die Schlacht von Nördlingen (1634), die einen Wendepunkt im Dreissigjährigen Krieg brachte. Anhand der Darstellungen von Matthäus Merian zeigte er den Ablauf der Belagerung Nördlingens sowie das Kampfgeschehen in Stadtnähe auf dem Albuch, wo das schwedische Heer eine schwere Niederlage hinnehmen musste. Nördlingen musste sich König Ferdinand III. ergeben. Sponsel beendete seinen Vortrag mit einem überraschend „positiven“ Ergebnis für Nördlingen: Der Rat blieb im Amt, der Sieger erzwang keinen Konfessionswechsel, der Status einer freien Reichsstadt blieb erhalten. Außerdem zeige die Analyse der Steuerbücher, dass erst die späteren Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts die Finanzen der Stadt auf lange Sicht zerrüttet hatten.

Zur Veranstaltung im Nördlinger Pfarrzentrum kamen über 100 Zuhörer