28.09.2012 10:35

Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Frühwald im Akademischen Forum am 25. September 2012

Prof. Dr. Wolfgang Frühwald: "Goethe verstand den Islam über die Poesie des persischen Dichters Hafis aus dem 14. Jahrhundert."
GOETHE ALS VORDENKER EINES „EUROPÄISCHEN ISLAM“

Augsburg (27.09.2012). Mit einem Abendvortrag im Akademischen Forum reflektierte Prof. Dr. Wolfgang Frühwald eine weitläufig unbekannte Seite von Johann Wolfgang von Goethe vor: Goethes Sicht auf den Islam und sein Verständnis vom Miteinander der Religionen.

Aus Angst und Feindschaft war – unter dem Eindruck der Türkenkriege – das europäische Bild des Propheten Mohammed und das der von ihm gestifteten Religion bis tief in das 18. Jahrhundert hinein geprägt. Dante hat dieses Bild im 14. Jahrhundert angeleitet, das erst Goethe mit kräftigen Strichen veränderte, indem er die Grundregel des Islam, die vollständige Hingabe an Gottes Willen, mit eigenen Lebensregeln zu vergleichen suchte.

Goethe hat im „West-östlichen Divan“ (1819) seiner poetischen Sprache (und damit der deutschen Dichtersprache) Elemente des Koran und islamischer Dichter so eingeschrieben, dass ein Grundmuster des heute so fieberhaft gesuchten, „europäischen Islam“ schon im 19. Jahrhundert entstand:

„Närrisch, dass jeder in seinem Falle / Seine besondere Meinung preist! /

Wenn Islam Gott ergeben heißt, / Im Islam leben und sterben wir alle.“

Prof. Dr. Adalbert Keller, Leiter des Akademischen Forums, vertiefte im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Frühwald verschiedene Aussagen des Vortrages.