Tagung vom 21. bis 22. November 2014 zum 500. Geburtstag Kardinal Otto von Waldburg in Kooperation mit dem Verein für Augsburger Bistumsgeschichte
KATHOLIZITÄT UND REFORM
Augsburg ist im 16. Jahrhundert ein Zentrum der Reformationsgeschichte: Während die Spaltung auf dem Reichstag von 1530 besiegelt wird, schließt man 1555 den Religionsfrieden zwischen der katholischen und evangelischen Konfession. Nachdem sich im Bistum die neue Lehre rasch ausgebreitet, bahnt sich unter Bischof Otto Kardinal von Waldburg eine Wende an. Dieser protestiert als Kardinal in Rom (seit 1544) gegen die Zugeständnisse an die Protestanten, unterstützt das zur Förderung der Klerusausbildung ins Leben gerufene Collegium Germanicum und befördert die Gründung der Congregatio Germanica, eines ständigen Kardinalsausschusses für die deutschen Angelegenheiten.
Als Bischof von Augsburg beruft er den Jesuiten Petrus Canisius als Ratgeber und Domprediger nach Augsburg, gründet in Dillingen eine Universität als Bollwerk der katholischen Reform, fördert die Kunst ebenso wie die Kirchenmusik und versucht die Beschlüsse des Trienter Konzils in einer Diözesansynode durchzusetzen. Auch aufgrund seiner häufigen Abwesenheit und fortwährender Geldnöte gelingen ihm die Reformen allerdings nur teilweise.
Die Tagung beleuchtete das Leben und kirchenpolitische Agieren von Kardinal Otto von Waldburg kritisch aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Fazit, dass ihm als Bischof von Augsburg, römischer Kardinal und katholischer Protector Germanicae letztlich der Erfolg verwehrt blieb.