14.11.2012 16:42

Kolloquium im Akademischen Forum am 9. November 2012

Die Referenten: Pfarrer Dr. Hermann Wohlgschaft, Dr. Marcus Jurij Vogt, Dr. Hagen Schäfer
EIN CHRISTENTUM DER TAT

Augsburg. Anlässlich des 100. Todesjahres von Karl May, würdigte das Akademische Forum sein Lebenswerk mit einem Kolloquium, das die tief religiöse Grundhaltung des sächsischen Schriftstellers erschließen sollte. Bei der gut besuchten Veranstaltung im Haus Sankt Ulrich beleuchteten drei Referenten unter diesem Aspekt den Abenteuerschriftstellers.

Pfarrer Dr. Hermann Wohlgschaft, Klinikseelsorger in Günzburg und Karl-May-Experte, stellte zu Beginn der Veranstaltung den Lebensweg Karl Mays vor und erschloss in einem zweiten Vortrag die christlich-utopische Dimension in Mays letztem Roman „Winnetou IV“, der mit einer komplexen christlich-mystischen Symbolik durchzogen ist. Ergebnis: Die ganze Menschheit soll in Liebe und Versöhnung zueinander finden.

Dr. Hagen Schäfer, Chemnitz, zeigte in seinem Vortrag auf, dass sich der Friedens- und Versöhnungsgedanke bereits im Frühwerk von Karl May finden lässt und sich im Spätwerk noch deutlicher entfaltet. neben dem Helden Winnetou legt Karl May vor allem der morgenländischen Königin Marah Durimeh eine Friedensbotschaft in den Mund, die für einen Schulterschluss von Abendland und Morgenland plädiert. Anders sei eine friedvolle Zukunft Europas nicht denkbar.

Dass Karl May in seinem Werk etwas „beschrieben habe, wie es sein sollte und nie war“, erläuterte der Freiburger Rechtsanwalt Marcus Jurij Vogt. Am Beispiel der Freundschaft des christlichen Kara Ben Nemsi und dem Moslem Hadschi Halef Omar beschreibt er das Zu- und Miteinander der Menschen über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg. Damit zeigt Karl May ein lebensnahes Handlungsmodell interkulturellen Dialogs.