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KEIN LEBEN OHNE VERLETZLICHKEIT. Die Grundsignatur der menschlichen Existenz

28.07.2025 12:01

Themenabend mit dem Freiburger Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio im Akademischen Forum der Diözese Augsburg in Kooperation mit dem Haus Tobias (Bildungs- und Begegnungszentrum der Klinikseelsorge im Bistum Augsburg) am Donnerstag, 24. Juli 2025

Prof. Dr. Giovanni Maio

Ob als Kind oder im Alter, in Bezug auf Körper oder Seele – Menschen sind verletzlich. Der Vortrag des Freiburger Medizinethikers Professor Dr. Giovanni Maio rückte diese „Grundsignatur menschlicher Existenz“ in den Mittelpunkt.

Ausgehend von den Fragen: „Was heißt Verletzlichkeit genau? Wie muss die Medizin auf sie eingehen? Wo birgt die Verletzlichkeit Chancen?“ konnte der Referent die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Großen Saal des Hauses Sankt Ulrich für das Thema „Verletzlichkeit“ sensibiliseren.

Jeder Mensch ist von Anfang an seines Lebens angewiesen auf Mitmenschen, die ihm zum Leben befähigen, damit sich der Mensch entfalten kann. Dieses Angewiesen-Sein auf andere bringt es mit sich, dass wir auch verletzliche Wesen sind. Mit dieser Verletzlichkeit ist es wichtig, eine Kultur des sensiblen Umgangs miteinander zu entwickeln.

Vor allem bei einer Krankheit zeigt sich die Verletzlichkeit des Menschen deutlich: Informationen zum Krankheitsstand und zu Behandlungsmethoden sind wichtig, aber es braucht auch die ehrliche und begleitende Sorge um den Menschen in einer solchen Lebensphase. Hier sind Mediziner und Pflegepersonal in besonderer Weise gefordert und dürfen nicht aus ökonomischen Gründen zu Dienstleister degradiert werden.

Maio plädiert im Angesicht des homo vulnerabilis für eine Neuausrichtung der Medizin: Alles Handeln in der Medizin muss auf die Ermöglichung von Souveränität ausgerichtet sein, die dem Menschen mittels einer Sorgekultur neue Möglichkeiten für ein Leben trotz Krankheit eröffnet. Eine solche Sorgekultur wäre die Antwort auf die Verletzlichkeit und damit die Chance, gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, auch innerhalb des Krankseins Freiheiten zu erkennen und sich getragen zu wissen vom Beistand der anderen.