LEBENSTHEMA KIRCHENBAU. Zum 50. Todestag des Architekten Thomas Wechs

03.08.2020 09:17

Vortrag im Akademischen Forum in Kooperation mit der Stabstelle Kirchliches Bauwesen und Kunst am Freitag, 17. Juli 2020

Die Referenten: Dr. Sabine Klotz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Dr. Michael Schmid, Leiter der Stabstelle Kirchliches Bauwesen und Kunst (Foto Dr. Klotz privat; Dr. Schmid ©Nicolas Schnall pba)

 

 

Thomas Wechs (1893-1970) war ein Architekt im besten Wortsinn: Er fügte zusammen, schuf aus dem vorhandenen Material etwas Neues, Bleibendes. Er arbeitete mit dem, was er vorfand – Natursteine oder Holz, Sichtbeton oder Ziegel, er integrierte Rokoko-Ausstattung und Buntglasfenster. Noch deutlicher machten die beiden Vorträge von Diözesankonservator Dr. Michael Schmid und Frau Dr. Sabine Klotz aber eines: Seine rund 50 Kirchenbauten oder –umbauten sind die Knotenpunkte eines Netzwerks von Menschen. Das lag nicht nur an engagierten Bauherren, Förderern und Kollegen. Das berücksichtigte auch immer die Situation vor Ort, Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern, Pfarrern und Gemeinden.

Dr. Sabine Klotz entwickelte die Linie von den Allgäuer Anfängen über seine Lehrer, seine Beschäftigung mit Wohnbau und Stadtplanung hin zu seiner Handschrift, die vor allem in der Diözese Augsburg viele Kirchenbauten prägt. Dr. Michael Schmid richtete den Blick auf die Ausstattung der Kirchen, die Thomas Wechs von Anfang an in seine Planungen einbezogen hat: Der Kirchenraum lebt für und mit der Liturgie, die die Gemeinden dort feiern.

Die Suche nach der guten Form, die manchen Zeitgenossen angesichts der traditionellen Fülle erzählender Kunst im Kirchenraum geradezu leer vorkam, blieb nicht unwidersprochen. Wechs‘ Kirchenräume scharten längst vor der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils das Gottesvolk um den Altar, wo immer es möglich war. Sein mit dem Bauhaus verwandter „Neuer Stil“ folgte der Idee vom Kirchenraum als Gesamtkunstwerk. Wo Thomas Wechs die Künstler seiner Wahl hinzuziehen konnte, entwickelte sich eine koheränte Architektur. Briefwechsel erzählen auch von Fällen, wo renommierte Maler die eigentlich ungeschminkt gedachten Kirchenwände verschönerten. An späteren Ergänzungen oder Umbauten lässt sich zudem der wandelnde Zeitgeschmack bis heute verfolgen. Eine Kirche bleibt allzeit ein genutzter Raum, ein Zeitzeichen des Sakralen. Über die vielen Jahrzehnte seines Schaffens, das wurde in den lebendigen Vorträgen deutlich, vermochte es Thomas Wechs, Raum zu geben – Raum für Andacht und Raum für Menschen, Raum für Gott.

Wer sich eingehender mit Thomas Wechs beschäftigen möchte, dem seien noch zwei Publikationen empfohlen: Nerdinger, Winfried (Hg.): Thomas Wechs, Schriften des Architekturmuseums Schwaben 6, Berlin 2005. und speziell für seine Kirchenbauten „Zeichen des Aufbruchs. Kirchenbau und Liturgiereform im Bistum Augsburg seit 1960“, Katalog zur Ausstellung des Diözesanmuseums, Augsburg 2018.

Text: Markus Schütz