MARIENGEPRÄGT. Bilder der Gottesmutter auf Münzprägungen verschiedener Jahrhunderte

07.10.2020 17:35

Abendveranstaltung des Akademischen Forums am Dienstag, 6. Oktober 2020 im Diözesanmuseum St. Afra

Die Referenten: Ernst Stempfle vom Vorstand des Schwäbischen Münzclubs und Prof. Dr. Gerda Riedl, Hauptabteilungsleiterin Bischöfliches Ordinariat

Im Rahmen der Sonderausstellung „Mariengeprägt“ im Diözesanmuseum St. Afra, die erstmals eine umfangreiche Privatsammlung an Münzen mit Marienmotiven zeigt, fand am Dienstag, 6. Oktober 2020 ein Vortragsabend des Akademischen Forums als Begleitprogramm statt. Es ist eine sehr umfangreiche Sammlung von fast 500 Münzen, die einen Zeitraum von ca. 1000 Jahren umfasst. Geografisch sind die Münzen von Byzanz bis Andorra, von Russland bis Sizilien, einzuordnen. Viele stammen aus dem Nahen Osten.

Ernst Stempfle vom Vorstand des Schwäbischen Münzclubs hatte in langer akribischer Arbeit die einzelnen Münzen gesichtet, geordnet und detailliert beschrieben. In seinem Vortrag gab er anhand von ausgewählten Stücken einen Überblick über die Ausstellung. Die ältesten Exponate kommen aus dem byzantinischen Kaiserreich und wurden im 10. Jahrhundert geprägt. Auch thematisch bietet die Ausstellung einen Einblick in die Vielfalt der Münzgeschichte. So waren es nicht nur katholische Territorien, die ihre Zahlungsmittel mit der Gottesmutter schmückten. Auch protestantische Gebiete wie etwa die Freie Reichsstadt Hamburg verzichteten nicht auf dieses Münzmotiv. Neben Silber- und Goldmünzen in allen erdenklichen Größen gibt es darüber hinaus auch noch so manche Kuriosität zu bewundern, wie etwa eine Marienmünze des 12. Jahrhunderts aus dem islamisch geprägten Königreich der Artukiden in Ostanatolien. Doch auch ostpreußisches Notgeld und sogar eine Nürnberger Straßenbahnmarke der 1920er Jahre werden in der Ausstellung gezeigt.

Einen Einblick in das  theologische Verständnis über Maria vermittelte Prof. Dr. Gerda Riedl, Dogmatikerin und Hauptabteilungsleiterin im Bischöflichen Ordinariat. Ausgehend von einem doch eher spärlichen Befund der Aussagen über Maria im Neuen Testament zeigte sie in ihrem Vortrag die zunehmende Entfaltung theologischer Aussagen über Maria im Laufe der ersten Jahrhunderte auf.

In den Evangelien wird Maria „Mutter Jesu“ genannt. Die Bezeichnung Mutter Gottes kam im Rahmen der Auseinandersetzungen über die Christologie auf: Um hervorzuheben, dass ihr Sohn von Beginn seines Lebens an die göttliche Natur mit seiner menschlichen Natur verband, wurde auf dem Konzil von Ephesus 431 Maria als "Gottesgebärerin“ (griechisch theotókos) lehrmässig für den Glauben der Kirche festgehalten. 

Die immerwährende Jungfräulichkeit Marias besagt, dass Maria vor, während und nach der Geburt Jesu eine Jungfrau war und blieb: semper virgine. Eine Aussage, die auf den Konzilien von Nizäa 325 und Konstantinopel 381 für den Glauben der Kirche bestätigt wurde.

Des weiteren wurde das Dogma Maria Immaculata (ohne Erbsünde empfangen) erst im Jahr 1854 und das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel 1950 verkündet.

Neben diesen dogmatischen Aussagen (leibliche und jungfräuliche Mutter des Gottessohnes, Ersterlöste und Vollerlöste) wurde Maria auch als Betende, als Fürbittende oder als Schutz für die Gläubigen verehrt und in der Kunst dargestellt, was auch eindrucksvoll in der Münzsammlung zu sehen ist.