Philosophisches Seminar im Bildungszentrum Kloster Roggenburg von Freitag, 15. Oktober bis Samstag, 16. Oktober 2010

17.10.2010 14:23

Roggenburg (17. Oktober 2010). Auf Einladung des Akademische Forums der Diözese Augsburg und der Schülerakademie Schwaben fand im Bildungszentrum Kloster Roggenburg ein zweites Philosophie-Seminar statt. Von Freitag, den 15. Oktober bis Samstag, den 16. Oktober 2010, setzten sich über 60 Teilnehmer (Schüler, Studenten, Erwachsene) mit der Frage nach der Religionsbegründung bei Immanuel Kant (1724-1804), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834) auseinander. Prof. Dr. Hans Peter Balmer referierte zu den einzelnen philosophischen Ansätzen und führte mit den Teilnehmern einen lebendigen Austausch.

Zeit der Aufklärung – die Welt und die Gesellschaft wird ausschließlich mit der Vernunft erschlossen und nur was vernünftig ist, ist wirklich. Alles andere, z.B. Religion, wird als unvernünftig und als nicht beweisbar abgetan („Religion ist frommer Betrug!“). Es zeigen sich rationalistische Tendenzen, die Religion aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und abzuschaffen. Gegen solche Entwicklungen setzen sich Kant, Hegel und Schleiermacher mit ihrem jeweiligen philosophischen Ansatz auseinander und begründen Religion im Namen der Philosophie.

Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? sind die beiden wichtigen Fragen, mit denen sich Kant mit Religion auseinander setzt. Was ist die allgemeine Nom für alles Handeln? Mensch findet in sich ein moralisches Gesetz, durch das er auf Gott verwiesen wird. Dieses moralische Gesetz im Menschen ist die innere Erfahrung des Unendlichen. Vernunft wird zur Richtschnur für vernünftiges (moralisches) Handeln.

Philosophieren heißt für Hegel Gott zu begreifen. Religion ist für Hegel das Erzeugnis des göttlichen Geistes im Menschen. Gott selbst offenbart sich durch Erkenntnis und Vernunft im Menschen. Der göttliche Geist braucht die Vermittlung durch den menschlichen Geist. Letztlich ist Religion „reines Denken“.

„Soll den der Knoten der Geschichte so aufgehen, die Wissenschaft mit dem Unglauben und die Religion mit der Barbarei?“ So fragte vor 200 Jahren Friedrich Daniel Schleiermacher einen Freund. Hellsichtig nahm er wahr, dass die Verbindung von Glaube und Vernunft von unterschiedlichsten Seiten in Frage gestellt wird. Während auf der einen Seite die Religion sich den Ansprüchen der Vernunft zu entziehen sucht, wird auf der anderen Seite im Namen der Vernunft die Brücke zur Religion abgebrochen. Doch so soll der Knoten der Geschichte nicht aufgehen. Dass der Gott der Philosophen und der Gott der Bibel auseinandertreten könnten, hätte Schleiermacher, der Liebhaber Athens wie Jerusalems, schlicht als Kathastrophe empfunden. In seiner Schrift „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern“ (1799) begründet er Religion als eine Angelegenheit des Herzens („Instinkt für das Unendliche“). Aus dieser Mitte des Menschen entsteht „der religiöse Geschmack für das Unendliche“. Der Mensch wird in seinem Leben immer wieder mit dem Gefühl einer „schlechthinnigen Abhängigkeit“ konfrontiert, das er nur durch die Religion erklären kann.