PHILOSOPHIEREN. Weisheit der Welt – Weisheit Gottes
Philosophisches Seminar vom 11. bis 12. Oktober 2024 im Akademischen Forum
Die Weisheit kennt den Weg ins Leben – so könnte man das Philosophische Seminar „Weisheit der Welt – Weisheit Gottes“ abschließend zusammenfassen. Und so waren es verschiedene Zugänge aus verschiedenen Epochen, die Professor Dr. Manfred Negele vorstellte und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern damit vermittelte, dass Philosophieren zu jeder Zeit bedeutet, zur Weisheit unterwegs zu sein.
Aber nicht nur die Philosophie auch die Religionen kann man als Suchende nach Weisheit verstehen. Diese zeigt sich auch hier als eine Verbindung zwischen Nachdenken und Verwirklichung des Gedachten im Leben mit dem Ziel, beides zu vereinen.
Der Philosoph wie der religiöse Mensch bleibt so lange auf dem Weg, bis er das Ziel erreicht hat. Wie lässt sich dieses beschreiben? Welche Wege und welche Stationen auf dem Weg dorthin lassen sich ausmachen? Das uns vorgegebene Ziel ist, Weisheit tatsächlich zu gewinnen, sie im Alltag zu verwirklichen, sie „praktisch“ zu leben.
In einer ersten Einheit stellte Professor Negele das alttestamentliche „Buch der Weisheit“ vor, das zwei Welten verbindet: die Welt der griechischen Antike und die Welt der jüdischen Tradition. So ist es fast der Prototyp des Brückenbaus zwischen Philosophie und Religion.
Eine zweite Einheit am Freitag Abend beleuchtete die Schrift „Idiota de sapientia/Der Laie über die Weisheit“ von Nikolaus von Kues (1401-1464). Hier wird das „Buch der Weisheit“ aus der Perspektive aufkeimenden neuzeitlichen Denkens interpretiert. Und damit wurde auch ein neuer Zugang zu dem antiken Text und zum Thema „Weisheit“ vorgestellt.
Gelebte Philosophie in der Antike war das Thema am Samstag vormittag: als „Wege der Weisheit“ werden diese von Pierre Hadot gedeutet, die er nicht so sehr als akademische Disziplin sondern vielmehr als „Lebensformen“ interpretiert. Darin bildeten Theorie und Praxis eine Einheit, Leben und Denken waren untrennbar verbunden.
Mit dem Werk „Wohnungen der inneren Burg“ von Teresa von Avila (1515-1582) stellte Professor Negele schließlich die gelebte Weisheit zu Beginn der frühen Neuzeit vor. In dieser Schrift beschreibt Teresa den Weg des Menschen zu Gott. Es zeigt sich, dass dieser Weg ohne den fortwährenden Einsatz der Vernunft nicht zu gehen ist. Teresa legt größten Wert darauf, Erfahrung und Reflexion zu verbinden. Deshalb lässt sich das Erreichen des Ziels, Gott, auch als Weisheit verstehen.