Vortragsabend im Haus Sankt Ulrich mit Boris Reitschuster am 27. September 2011
Augsburg. Zwanzig Jahre nach der Perestroika ist Russland noch immer nicht in der Demokratie angekommen. Beobachter der politischen Entwicklung sprechen von einer „gelenkten Demokratie“, von einem „autoritären Regime mit Wahlen“. Wohin wird sich Russland in den kommenden Jahren entwickeln? Aktuell zu der Nachricht aus Moskau, Putin werde sich im März 2012 wieder als Präsidentenkandidat zur Wahl stellen, gab Boris Reitschuster in seinem Vortrag Einblick in den politischen und gesellschaftlichen Alltag in Russland.
Boris Reitschuster lebt – mit Unterbrechungen – seit 1990 in Russland. Seit 1999 ist er Moskauer Korrespondent des Nachrichtenmagazins Focus. Anhand anschaulicher wie auch erschreckender Beispiele verdeutlichte Reitschuster in seinem Vortrag, warum sich die Wahrnehmung von Politik und Gesellschaft in Russland so kardinal von der in Deutschland unterscheidet. Ausgehend von den chaotischen Jahren unter der Regierung Boris Jelzins schilderte Reitschuster den Aufstieg von Wladimir Putins an die Macht, sein Demokratieverständnis sowie die politische und wirtschaftliche Bedeutung zunehmender Gas- und Öllieferungen nach Europa. Aber auch das alltägliche Leben der Menschen nahm Reitschuster in den Blick: Zensur, Bürokraten-Willkür, Korruption ... Insgesamt ein spannender und informativer Abend, der für Außenstehende ein undurchschaubares und verwobenes Machtsystem aufzeigte.