Kolloquium im Akademischen Forum am 1. Oktober 2010 über Mary Ward

01.10.2010 18:36

Mit einem Kolloquium über Mary Ward setzte sich das Akademische Forum der Diözese Augsburg mit dem Leben und Werk der Gründerin der "Englischen Fräulein", heute Congregatio Jesu, auseinander und würdigte deren Leistung.

Die Referentinnen: Sr. Ursula Dirmeier CJ, Bamberg, und Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz von der TU Dresden.
DIE UNERSCHROCKENE

Kirche würdigt Mary Wards Haltung

Katholisch sein war zu ihrer Zeit lebensgefährlich in England. Geldbußen, Gefängnis, Folter und Hinrichtung drohten für den „Frevel wider die Krone“. Die Engländerin Mary Ward (1585 - 1645) gründete trotzdem einen neuen Frauenorden, der allerdings mit dem Hergebrachten brach: keine Klausur, keine Tracht und eine Tätigkeit mitten in der Welt. „Sie holte nicht die Mädchen ins Kloster hinein, sie ging außer Haus und unterrichtete sie“, skizzierte die Philosophin Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz bei einer Tagung des Akademischen Forums der Diözese das Neue an dieser Frau „auf dem europäischen Kampfplatz der Konfessionen“. Ihr gilt eine Ausstellung im Diözesanmuseum.

Mary Ward war fest davon überzeugt, dass Frauen gleichen Eifer für die Religion zeigen können wie die Männer. „Das ist die Wahrheit, dass wir Dinge, die wir tun müssen, gut verrichten“, schrieb sie ihren Mitstreiterinnen selbstbewusst. Unerschrocken missionierten sie in Londons besserer Gesellschaft für die katholische Sache - immer gefasst auf das Martyrium. Die Kraft dazu bezogen sie aus der aufs menschliche Individuum ausgerichtete Christusfrömmigkeit der Jesuiten. „Mary Ward war eine Prophetin für die Wahrheit Gottes, dass Frauen Großes vollbringen können, wenn sie die Wahrheit lieben und wahre Erkenntnis suchen“, betonte Schwester Ursula Dirmeier, die Herausgeberin der Quellentexte von und über die englische Ordensgründerin.

Der römischen Kurie um Papst Urban VIII. war diese Lebensweise nicht geheuer. „Bestätige, was im Himmel beschlossen ist“, appellierte Mary Ward an ihn, als sie nach Jahren der Suche in tiefen mystischen Erfahrungen endlich Klarheit gefunden hatte über ihren neuen Orden. Zögernd, widerstrebend, ablehnend und schließlich vernichtend habe die Kurie auf ihre Bitte reagiert, das Institut anzuerkennen, so Ursula Dirmeier.

Diese Tragik war der Schriftstellerin Ida Friedrike Görres gar nicht bekannt, als sie 1932 Mary Wards „Heldenleben“ mit hoher psychologischer Einfühlungskraft verfasste.

Alois Knoller, Augsburger Allgemeine Zeitung vom 7. Oktober 2010, Seite 39