STEINERNE SPIRITUALITÄT. Die Sakralbauten Alexander Freiherr von Branca

28.04.2021 16:17

Online-Abendvortrag im Akademischen Forum am Dienstag, 27. April 2021

Thomas van Nies M.A., Köln

Ein Baumeister zwischen Tradition und Moderne

Ohne Frage: Alexander Freiherr von Branca (1919–2011) zählt zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts in Deutschland. In seiner fast 50jährigen Schaffensperiode hat er ein immenses Werk hinterlassen. Sein Nachlass umfasst über 370 architektonische und städtebauliche Planungen und Wettbewerbe.

Seine eigentliche Berufung aber, und so betonte er es immer wieder, sah von Branca im Sakralbau. Über 30 Kirchen zeigen, welche Bedeutung dem persönlichen Glauben von Brancas zukam: Seine Gotteshäuser sind nicht nur ansprechende Orte der Liturgie und des Gebetes, sondern sie sind auch das gebaute Glaubenszeugnis einer beeindruckenden Architektenpersönlichkeit.

Und dies war der Ausgangspunkt des Vortrages von Thomas van Nies, Kunsthistoriker aus Köln, der derzeit seine Dissertation über Sakralbauten von Branca abschließt. Anhand ausgewählter Bauprojekte von Branca im Bistum Augsburg führte der Referent die Zuhörerinnen und Zuhörer in die Architektur und die theologische Konzeption seiner Kirchen ein.

Der Vortrag nahm seinen Ausgangspunkt mit dem Haus Sankt Ulrich in Augsburg, dessen Grundstein vor 50 Jahren 1971 gelegt wurde. Das Haus entstand auf dem sensiblen Gebiet der ehemaligen Reichsabtei St. Ulrich. Herausforderung und Aufgabe war es, ein Seelsorge- und Bildungszentrum zu schaffen, dass den neuen Ansprüchen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gerecht werden sollte: ein Ort der Begegnung und des Gespräches in Ergänzung zur nahen Basilika St. Ulrich und Afra als Ort der Liturgie, des Gebetes und der Gottesbegegnung. Van Nies erklärte die Konzeption des Hauses mit drei verschiedenen Bereichen (Verwaltung, Tagung, Hotel), dessen Mittelpunkt die Hauskapelle darstellt.

Als zweites markantes Bauwerk stellte der Referent das Priesterseminar St. Hieronymus (Fertigstellung 1986 und Einweihung durch Papst Johannes Paul II. 1987) vor. Die durchdachte Konzeption dieses Hauses gleicht dem Haus St. Ulrich: alle Bereiche des Hauses sind auf die Kapelle als Mitte hingeordnet.

Schließlich fand ein Frühwerk von Brancas, die Kirche Verklärung Christi auf dem Berg in Pfaffenhofen an der Ilm (1961), sowie die Kirche St. Martin in Jettingen (1966) und kurz das Pfarrzentrum Thomas Morus in  Neusäss (1972) Erwähnung. Van Nies zeigte am Schluss seines Vortrages die deutlich erkennbaren Spuren italienischer Baukunst in der Architektur von Brancas auf.

Zu der online-Veranstaltung hatten sich auch die beiden Töchter, Alexandra und Emanuela von Branca, zugeschaltet und sich in die Diskussion mit Kurzbeiträgen und Ergänzungen zum Lebenswerk ihres Vaters eingebracht.