24.11.2010 18:12

Abendveranstaltung des Akademischen Forums am 19. November 2010 in Kempten

Das Thema versprach in jedem Fall spannend zu werden. Und so waren zu diesem Vortragsabend in das Pfarrzentrum St. Lorenz in Kempten auch mehr als 120 interessierte Zuhörer gekommen. Prof. Dr. Katharina Ceming, eine ausgewiesene Kennerin der apokryphen Schriften, erklärte in ihrem Vortrag, was unter dem Begriff „verbotene Evangelien“ zu verstehen ist und warum die frühe Kirche diese Schriften nicht in den neutestamentlichen Kanon mit aufgenommen hat. Zum einen erfüllten die Schriften nicht die Kriterien, die für die Kanonbildung wesentlich entscheidend waren (Nähe zu der Zeit der Apostel, Alter einer Schrift, Geschichtlichkeit, Übereinstimmung mit dem Alten Testament, Rezeption in den Gemeinden, Erbaulichkeit), zum anderen war gerade das gnostische Gedankengut, das sich in vielen dieser apokryphen Schriften zeigt, ein Hindernisgrund.

In einem zweiten Teil des Vortrags zeigte Prof. Ceming auf, dass vieles an Glaubenswissen über Maria gar nicht in den neutestamentlichen Schriften zu finden ist, sondern durch die apokryphen Evangelien auf uns zukommt. Anhand von Beispielen aus dem Protevangelium des Jakobus stellte sie die Geburt und Kindheit Marias vor. Mit dem Bericht über den Tod Marias aus dem Pseudo-Johannesevangelium (Ende 5. Jahrhundert) erklärte die Referentin, wie sich die Dogmatisierung der „Leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel“ im Jahr 1950 begründete.