Im Ursprung doch christlich
Es war sonnenklar: Das christliche Weihnachtsfest an der Wintersonnwende hat das heidnische Fest des „unbesiegten Sonnengottes“ überformt. Dafür gab es Darstellungen auf antiken Mosaiken und Hinweise bei den Kirchenvätern. So stand es in allen Lehrbüchern - bis der Kirchenhistoriker Hans Förster die Sache untersuchte. Sein Fazit, vorgetragen beim Akademischen Forum im Haus St. Ulrich, lautet: Die antiken Quellen wurden falsch gelesen.
So wurde in einer Weihnachtspredigt von Augustinus (354-430) übersehen, dass er einen Psalm zitierte, anstatt sich über Heiden auszulassen, die vor der Kirchentür feiern. Von deren rauschenden Festen grenzte sich Augustinus an anderer Stelle klar ab. Christen mögen fasten, wenn die Heiden an den Kalenden des Januars sich belustigen.
Warum aber erregte sich Papst Leo der Große (+ 461) darüber, dass Christen, wenn sie die Stufen der römischen Peterskirche erklommen, sich oben extra umdrehten, um der aufsteigenden Sonne die Ehre zu erweisen? Hans Förster sieht darin einen privaten Brauch, der täglich vollzogen worden ist. „Wir finden wirklich keinen einzigen Hinweis auf heidnische Wurzeln des Weihnachtsfestes“, betonte Förster.
In ein paar Jahrzehnten nach 360 hatte sich das Fest in der ganzen Kirche ausgebreitet, ohne dass es offiziell eingesetzt worden wäre. Förster vermutet einen Zusammenhang mit der aufblühenden Pilgerschaft ins Heilige Land, wo man am richtigen Ort zur richtigen Zeit die Ereignisse im Leben Jesu feiern wollte. Die Wintersonnwende (am antiken Termin) bot sich an, das aufsteigende göttliche Licht, die „Sonne der Gerechtigkeit“, zu feiern. (loi)
Alois Knoller, Augsburger Allgemeine Zeitung, 7. Dezember 2009, Seite xx