VOR 150 JAHREN: ERSTES VATIKANISCHES KONZIL (1869-1870)

25.11.2019 15:39

Abendveranstaltung im Akademischen Forum am Freitag, 22. November 2019

Prof. Dr. Franz Xaver Bischof, LMU-München (li.), Bistomshistoriker Domkapitular Dr. Thomas Groll, Augsburg

 

 

Es war eines der kürzesten Konzilien der Kirchengeschichte: Vor 150 Jahren, am 8. Dezember 1869 eröffnete Papst Pius IX. das Erste Vatikanische Konzil. Insgesamt 774 der 1.050 damals stimmberechtigten Kardinäle und Bischöfe der Weltkirche nahmen an der bis dahin größten Kirchenversammlung aller Zeiten teil.

Professor Franz Xaver Bischof, Kirchenhistoriker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zeigte in seinem Vortrag die politischen und innerkirchlichen Ereignisse auf, die dem Konzil voraus gingen, sowie die verschiedenen theologischen Strömungen während der Konzilsdebatte. Verabschiedet wurden schließlich nur zwei Beschlüsse: Die dogmatische Konstitution Dei Filius über Glauben und Vernunft sowie die dogmatische Konstitution Pastor aeternus mit den auf dem Konzil hoch umstrittenen Lehren über den päpstlichen Primat und die päpstliche Unfehlbarkeit. Diese schrieben eine einseitig auf den Papst fixierte Ekklesiologie fest und führten auf Jahrzehnte hinaus zu einer geistigen und gesellschaftlichen Abseitsstellung der katholischen Kirche, zum Schisma der Altkatholiken, und sie wirken bis heute nach.

Der Augsburger Bistumshistoriker Dr. Thomas Groll beleuchtete in seinem Vortrag die Stellung und Haltung des Augsburger Bischofs Pankratius von Dinkel auf dem Ersten Vatikanischen Konzil. Als Teilnehmer am Konzil stimmte er in einer Probeabstimmung mit der Minderheit gegen die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit. Vor der feierlichen Abstimmung mit vielen anderen Bischöfen abgereist unterwarf er sich jedoch später dem Mehrheitsvotum des Konzils.