Wer sind sie? Was haben sie uns heute zu sagen?

25.07.2011 16:27

Vortrag über die „Weisheit der Wüstenmütter“ am 19. Juli 2011 im Akademischen Forum

Prof. Dr. Adalbert Keller im Gespräch mit der Referentin Dr. Gabriele Ziegler.

ASKESE – GEBET – GOTTESNÄHE

Erst in jüngster Zeit finden die Schriften, Briefe und Aussprüche der sogenannten „Wüstenmütter“ wieder neue Beachtung und rücken in den theologisch-spirituellen Fokus. „Wüstenmütter“ – das sind Frauen in den ersten christlichen Jahrhunderten, die sich entscheiden, den Ruf zur Nachfolge Christi radikal zu verwirklichen. Sie brechen aus der antik-frühchristlichen Gesellschaft aus und wählen ein Leben in Abgeschiedenheit und Gebet − mitten in der Wüste Unterägyptens.

Gabriele Ziegler berichtete in ihrem Vortrag von einem Touristenstrom, der im vierten Jahrhundert nach Ägypten einsetzte. Zunächst waren es die Wüstenväter, deren asketisches Leben die Menschen begeisterte und deren Rat bei Lebensfragen gefragt war: „Sagt uns ein Wort des Heiles!“

Infolge dieser Bewegung entschieden sich auch einzelne Frauen zu einem Leben der Gottessuche und der Enthaltsamkeit in der Wüste. So berichtet die Referentin von der Wüstenmutter Theodora, die Empfehlungen für einen guten Lehrer gab. Die Wüstenmutter Sarah gab sich kämpferisch: „Der Natur nach bin ich eine Frau, aber nicht dem Denken nach!“

Die Aussprüche, Briefe und Texte sind heute eine Rarität der Weisheitsliteratur. Die Themen kreisen um das richtige Verständnis von Demut, die Auseinandersetzung mit eigenen Kräften und Gedanken, die einen wie Dämonen beherrschen wollen, und die Gottessuche. Mit einfachen, aber akzentuierten Beispielerzählungen vermittelten die Wüstenmütter ihre Weisheit und Botschaft.