Kirchenjubiläum

300 Jahre Grundsteinlegung in Unterelchingen

06.03.2022 14:14

Anlässlich des 300. Jahrestages der Grundsteinlegung für die Pfarrkirche St. Michael in Unterelchingen hat Bischof Bertram diesen ersten Fastensonntag dort ein Pontifikalamt gefeiert. In seiner Predigt ging er der Frage nach, was die Bedeutung des Namens Michael – „Wer ist wie Gott?“ – heute und besonders angesichts der aktuellen Weltlage für uns bedeutet.

Die Pfarrkirche St. Michael in Unterelchingen begeht heuer ein Festjahr zum 300. Jubiläum der Grundsteinlegung 1722 (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Die Menschen damals hätten den heiligen Erzengel bewusst zum Patron ihres Gotteshauses gewählt, „wohl wissend, dass sein Name eine Frage beinhaltet, die zu allen Zeiten aktuell ist: Micha-El: ‚Wer ist wie Gott?‘“ Diese Frage sei keineswegs altmodisch; stattdessen habe es zu allen Zeiten Menschen gegeben, „die über Wohl und Wehe anderer entscheiden, die das Rad der Geschichte zurückdrehen oder einfach nur Schicksal spielen wollen“, betonte der Bischof und wünschte sich, dass der russische Präsident und Diktator Wladimir Putin hier in seinem Machtstreben eine klare Zurückweisung erfahren möge: „Michael, biete Deine Macht auf und mache Putin klar, dass kein Mensch Gott gleich sein kann. Weise den russischen Herrscher in Schranken! In Gottes Namen, damit der Schrecken des Krieges ein Ende hat. Krieg ist eine Niederlage der Menschlichkeit. In jedem Krieg verliert der Mensch.“

Indes sei es eine Kerneigenschaft des Menschen, dass Gut und Böse in ihm in ständigem Widerstreit koexistierten. Selbst der menschengewordene Gottessohn Jesus sei diesem Konflikt ausgesetzt gewesen, wie das Lukasevangelium beschreibe. Als Christus sich nach seiner Taufe am Jordan in die Wüste zurückzog, habe er damit die Einsamkeit gewählt, „er schaltet gleichsam die Pausentaste ein. Er zieht sich zurück, doch er flieht nicht!“ Mit der Wüste habe er einen Ruheort ausgewählt, der für die religiöse Geschichte Israels schon seit jeher eine große Bedeutung gehabt habe. Dabei sei die Trostlosigkeit und Leere der Wüste auch sinnbildlich zu verstehen, etwa als innere Wüste der Einsamkeit, des Leidens durch andere oder des persönlichen Scheiterns: „Das ist Wüste, bleierne Hitze oder gefrierende Kälte, lebensfeindlicher Ort, der mir die Luft und die Lust zum Atmen nimmt.“

Bischof Bertram bei der Predigt.

Jesus habe sich in die Wüste zurückgezogen, um in sich zu gehen und seine eigene Motivation zu prüfen. Die Stimme des Versuchers, der er dort begegnete, umschmeichle auch jedes andere Menschenherz: „die Verlockung nach Macht, Geltung und Reichtum.“ Als Schutz vor diesen Versuchungen wie auch aus Dankbarkeit für Gott, der uns durch die Wüste führt, hätten die Elchinger vor drei Jahrhunderten damals ihre Kirche gebaut. Der Bischof wünschte der Gemeinde, „dass Sie in den ganz persönlichen Wüstenerfahrungen ihres Lebens hierherkommen können, um sich trösten und ermutigen zu lassen. Denn dieser Ort ist ‚heiliger Boden‘, hier ist der brennende Dornbusch, hier ist Christus persönlich gegenwärtig in Wort und Sakrament: ER, der unsere Dunkelheit, unsere Wüste selbst durchlitten hat, bis zum bitteren Ende am Kreuz.“ Doch sei dieses Kreuz kein Schluss-, sondern ein Doppelpunkt, denn nach dem Tod gehe es weiter mit der Auferstehung und dem Sieg des Lebens. Und so beantworte die Kirche St. Michael gleichzeitig auch die Frage, die sie mit ihrem Namen selber stelle: „‚Wer ist wie Gott?‘ Jesus der Christus. Amen.“

Die Pfarrkirche St. Michael in Unterelchingen war seit jeher eng mit der zisterziensischen Reichsabtei Salem verknüpft und entstand in ihrer heutigen, hochbarocken Form in den Jahren 1722/23. Dabei waren zahlreich bekannte Künstler und Handwerker aus der Region beteiligt. Die Kirche ist das einzige Gotteshaus in Unterelchingen und wird deshalb auch von der evangelischen Gemeinde für ihre Gottesdienste genutzt. Das 300-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung wird in Elchingen mit einem Festjahr begonnen, in dessen Rahmen es zu verschiedenen Festgottesdiensten, Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen und Reisen kommt. Mehr Informationen unter http://ue.pg-elchingen.de/jubilaeumsjahr-300-jahre-grundsteinlegung-st-michael.

Ein Deckenfresko im Kircheninneren zeigt das Gotteshaus mit dem Kirchenpatron.
Der leitende Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Elchingen Sebastian Nößner.
Das Innere der Kirche.