Abschied

93 Lebensjahre, 66 Jahre Priester, 33 Jahre Bischof: Pontifikalrequiem für Weihbischof Max Ziegelbauer

Das Pontifikalreqiuem für Weihbischof Max in der Memminger Stadtpfarrkirche St. Josef wurde von Bischof Dr. Konrad Zdarsa zelebriert. (Foto: Nicolas Schnall/pba)
25.11.2016 18:08

Memmingen (pba). Das Bistum Augsburg, die katholische Kirche in Memmingen und auch die Stadt Memmingen haben heute Abschied von Max Ziegelbauer genommen. Der am Montag Verstorbene war Weihbischof in Augsburg und Ehrenbürger seiner Heimatstadt. Er blieb ihr zeitlebens verbunden. Gott, der Herr, habe seinen Diener, unseren Bruder und Weihbischof Max Ziegelbauer mit der Würde der Priesterweihe beschenkt, richtete sich Bischof Dr. Konrad Zdarsa zu Beginn des Pontifikalrequiems in der Memminger Stadtpfarrkirche St. Josef an die Gläubigen. Seinem Dienst als Priester sei er sein ganzes Leben lang treu geblieben, würdigte Bischof Konrad den Verstorbenen. „Wir sind nun zusammengekommen, um Gott für sein Leben zu danken und gemeinsam für ihn zu beten.“ Generalvikar Harald Heinrich blickte in seiner Predigt auf die 93 Lebensjahre, 66 Jahre als Priester und 33 Jahre im bischöflichen Dienst von Weihbischof Max zurück. Er sei „verbindlich und liebenswürdig, felsenfest und menschennah“ gewesen.

Der Verstorbene bleibe uns Zeuge der Botschaft vom Reich Gottes, das weder Betonköpfe noch Beliebige, weder „Gewalttägige“ noch „Ewig-Ja-Sager“ suche, unterstrich der Generalvikar. „Wenn es hart auf hart ging, wurde er zum Hüter des Unantastbaren, des Heiligen – in Gott und seiner Kirche.“ Wenn es hingegen um den Menschen vor und neben ihm gegangen sei, dann sei ihm ein „liebend weiches Herz“ oberstes Prinzip gewesen. Weihbischof Max sei frei von „jedem klerikalen Dünkel“ gewesen und habe mit den Leuten deren große und kleine Sorgen geteilt. Er sei mit dem Fahrrad zum Dienst gefahren und habe sich nach Sitzungen noch ans Klavier gesetzt.

 

Generalvikar Heinrich: "Zeitzeuge fast eines ganzen Jahrhunderts von Zusammenbrüchen und Wandel"

Weihbischof Max sei aber auch „Zeitzeuge fast eines ganzen Jahrhunderts von Zusammenbrüchen und Wandel“ gewesen, so der Generalvikar. Deshalb habe er sich dazu verpflichtet gefühlt, „das Verlässliche unserer Glaubensbotschaft herauszuheben und zu hüten.“ Er habe „die Fühler seines Verstandes und seines Herzens besonders ausgestreckt nach dem, was verlässlich ist, was bleibt und nicht genommen werden kann und darf.“ Die Welt und ihre Geschicke habe er tief geistig und geistlich zu durchdringen versucht. Die Sehnsucht und die Glaubensgewissheit von Weihbischof Max hätten in seinem bischöflichen Wahlspruch einen prägnanten Ausdruck gewonnen: „Fundata super petram“ – „auf Fels gebaut“. „Ein Ziegelbauer baut eben mit festem Material“, habe der Verstorbene dies mit einem Augenzwinkern selbst gedeutet, so Generalvikar Heinrich.

Am Anschluss an das Pontifikalrequiem würdigten Vertreter des kirchlichen und öffentlichen Lebens den Verstorbenen. Für das Domkapitel betonte Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, er „blicke auf einen humorvollen, musikalischen und geistreichen Emeritus zurück, der wichtige Diskussionspunkte über Sorgen und Fragen der Kirche anstieß.“ Weihbischof Max habe intensiv und hingebungsvoll „nach der richtigen Spur der Kirche in schwierigen Zeiten auf dem Weg in die Zukunft“ gesucht. Für die Stadt Memmingen betonte Oberbürgermeister Markus Kennerknecht, seine Stadt könne sich „stolz und glücklich schätzen, einen Menschen wie den verstorbenen Weihbischof Max Ziegelbauer ihren Sohn nennen zu dürfen.“ Als Sohn einer Kaufmannsfamilie habe er den Charakter der Bürger der ehemaligen Reichsstadt verkörpert: „Bürgerschaftliches Selbstbewusstsein und Selbstverständnis verbunden mit einer großen Identifikation mit der Heimatstadt“.

Weihbischof Max war jahrzehntelang Bundesbruder der Katholischen Bayerischen Studentenverbindung Rhaetia zu München. Deren Philistersenior Dr. Berndt Jäger erinnerte in seinem Nachruf, dass dem Verstorbenen neben seiner religiösen Gesinnung auch die Wissenschaft und damit die Kultur sehr am Herzen gelegen seien. Er sei in Kirche und Welt gleichermaßen zuhause gewesen. Er sei ein „Vorbild im rechten Glauben und im aufrechten Leben gewesen“ - unbeirrbar und felsenfest, wie es auch sein bischöflicher Wahlspruch ausdrücke. Die enge Verbindung des Verstorbenen mit den Menschen zeigte sich im Nachruf von Gerd Zettler, dem Vorsitzenden der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Memmingen. Max Ziegelbauer sei als damaliger Stadtpfarrer von Mariä Himmelfahrt im Jahr 1965 Hauptinitiator bei der Gründung des neuen Ortsverbands gewesen und mit der KAB-Gruppe stets in Verbindung geblieben.

Für die katholische Kirche in Memmingen betonte schließlich Dekan Ludwig Waldmüller, dass ihm die Geschicke der Pfarreien in seiner Heimatstadt immer ein großes Anliegen waren. Seine Verbundenheit mit den Menschen habe sich auf vielerlei Weise gezeigt. Bis vor wenigen Wochen sei er regelmäßig in den Gottesdiensten zu sehen gewesen - „und immer wieder mit seinem Rollator auf den Straßen unserer Stadt.“ Für viele Menschen sei er „ein wacher Begleiter und ein Ratgeber“ geblieben.

Im Anschluss an das Pontifikalrequiem wurde Weihbischof Max auf seinen Wunsch hin im Priestergrab auf dem Memminger Waldfriedhof beerdigt.

 

 

 

 

Auch der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Augsburg hat Weihbischof Max in einem Nachruf gewürdigt. Von der Gründung des Diözesanrats an im Jahr 1970 war er bis 1983 dessen erster Bischöflicher Beauftragter. Diesen Nachruf gibt es auf den Seiten des Diözesanrats.