Gründonnerstag

Abendmahlfeier: "Mut zum Dienen"

09.04.2020 20:20

Mit der Feier in Erinnerung an das Letzte Abendmahl Jesu am heutigen Gründonnerstag in der Kapelle des Bischofshauses haben die drei österlichen Tage von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn begonnen. Der Apostolische Administrator Dr. Bertram Meier erinnerte in seiner Predigt an den Moment, in dem Jesus den Jüngern sein Testament eröffnete. Diese Stunde sei zwar eine Stunde des Abschieds gewesen, jedoch kein Abschied mit leeren Händen, sondern ein Abschied mit vollen Herzen, betonte der ernannte Bischof.

In ungewisser Zeit, an ungewohntem Ort: Der ernannte Bischof Dr. Bertram Meier beginnt das österliche Triduum nicht im Dom, sondern am Altar der Bischofshauskapelle. (Bildquelle: katholisch1.tv)

Zur Testamentseröffnung habe Jesu seinerzeit seine Jünger im Saal versammelt. Und auch wir seien als Christen zu mutigen Erben und Zukunftsbereitern bestellt. Erste Voraussetzung dafür sei der „Mut zum Dienen“, der in Jesu Testament ganz oben stand, wie der ernannte Bischof mit Verweis auf die Fußwaschung unterstrich. „Es war damals Sklavendienst, dem andern die Füße zu waschen. Jesus hat den Mut, diese Ordnung umzukehren. Das Sichbeugen zum Sklavendienst ist Zeichen seiner Freiheit.“ Es sei die wehrlose Liebe Gottes, die so etwas tue, denn die Liebe lasse sich nicht gnädig herab, sie sei schon unten. „Sein Mut zum Dienen geht bis zum Kreuz“, nahm Bischof Dr. Meier bereits den Karfreitag vorweg.  

Der Apostolische Administrator bedankte sich bei allen, die sich derzeit in den verschiedenen Berufen mühen und durch ihren Dienst die soziale und kirchliche Gemeinschaft bauen und tragen. In dieser Krise, die wir gerade durchleiden, werde vor allem eines sichtbar: „Wer bei den Kranken, Leidenden und Sterbenden ist, geht den ‚Dienstweg Jesu‘!“ Dabei gehe es nicht mehr nur um eine wertvolle Sache, um die „Sache Jesu“, es gehe um Jesus selbst und darum, ihm nachzufolgen.

Dabei warnte der Bischof vor dem vielerorts Trugschluss, dass wir als Kirche Jünger „machen“ könnten. Jesus sei es, der in seinen Freundeskreis, in die Jüngerschaft ruft. „Das einzige, was wir tun können, ist: Jesus beim Rufen helfen; dazu beitragen, dass die Menschen ihre Antennen ausfahren, um Jesu Ruf besser und aufmerksamer zu hören.“ Darin liege auch die Chance in dieser Zeit, die uns auch zur Ruhe und Stille zwingt, so Bischof Dr. Meier.

Als einen weiteren Teil seines Testaments bezeichnete der Bischof die Ölbergstunde, bei der Jesus seine Jünger schlafend vorfand. „Der Herr soll uns nicht schlafend antreffen. Auch heute, unter diesen besonderen Umständen, wollen wir mit ihm wachen und beten.“ So lud er die Zuschauer vor den Bildschirmen dazu ein, sich gemeinsam ein wenig Zeit zu nehmen, „um zu bleiben, um wachend bei Ihm zu sein, einfach da zu sein mit ihm und für ihn – als Zeichen der Treue“. Das könne man übrigens auch im Wohnzimmer oder im Herrgottswinkel tun.

Ein Zeichen für die Hingabe Jesu könnten auch wir setzen, auch wenn wir damit leben müssen, in dieser Zeit nur geistig zu kommunizieren. So ermutigte der Bischof die Gläubigen als Zeichen der Treue dazu, dass „unser ganzes Leben immer mehr zu einer Monstranz dafür wird, dass Jesus in unserer Welt gegenwärtig ist“.

Für die musikalische Gestaltung der Abendmahlfeier sorgten Domkapellmeister Stefan Steinemann an der Orgel und Domkantor Julian Müller-Henneberg.

Die Altäre in den Kirchen des Bistums bleiben bis zur Osternacht leer. Orgel, Kirchenglocken und Altarschellen schweigen bis zum Gloria in der Osternacht.

 

Am Gründonnerstag begeht die Kirche den innersten Beweggrund, der Jesus den Weg der kommenden Tage gehen lässt: seine dienende Liebe, die sich im Tod vollendet. Sie kommt zum Ausdruck in der Einsetzung der Eucharistie, dem „Gastmahl der Liebe“ und im Zeichen der Fußwaschung. Die Gläubigen dürfen sich im Gebet an diesem Tag hineinnehmen lassen in die liebende Hingabe Jesu Christi. Die traditionelle Fußwaschung sowie die Sakramentsprozession mit Übertragung des Allerheiligsten mussten in diesem Jahr entfallen.